Veröffentlichungen des Kulturamtes, Heft 15, Dezember 1955

Lauriacum (foedi) l» Jahre Arbeit in einer alten Römerstoöt DR. HERMANN VETTERS Seit 1951 werden alljährlich vom o.-ö. Landesmuseum und deni österreichischen Archäologischen Institut auf dem Boden der alten Römerstadt Lauriacum, nahe bei der heutigen Stadt Enns, Grabungen durchgeführt. Die nicht unbeträchtlichen Geldmittel dafür stellt die o.-ö. Landesregierung zur Verfügung. Die Grabungen leiten gemeinsam Prof. Dr. A. W. Jenny vom Landesmuseum in Linz und als Vertreter des Archäologischen Institutes Dr. H. Vetters. Bereits vor dem ersten Weltkrieg hat im Gebiet der Stadt Enns die österreichische Akademie der Wissenschaften das nach den Markomannenkriegen hier entstandene Lager der legio II Italica fast völlig ausgegraben. Wie auf Grund unserer Arbeiten festgestellt werden konnte, wurde schon bei der Anlage dieser Festung auch an die Gründung einer zivilen Siedlung gedacht. Dies beweist das Straßenschema der Stadt, das mit den Hauptvermessungslinien des Lagers übereinstimmt. Etwa um 212 n. Chr. verlieh der römische Kaiser Caracalla dem neuen Ort die Stellung eines römischen Municipiums. Als kostbarer Besitz sind Fragmente einer Bronzeplatte auch bei unseren Grabungen gefunden worden, die uns den Text dieses ältesten Stadtrechtes Österreichs überliefern. Der Bereich der bürgerlichen Siedlung liegt westlich des Legionslagers, das selbst auf einer Schotterterrasse angelegt wurde. Weit erstreckt sich das verbaute Gebiet der Stadt gegen Westen, und bis an den Fuß des Eichberges im Süden reichen die verbauten Flächen. Wie bedeutend diese Siedlung gewesen sein muß, zeigen uns die rings um das Stadtgebiet liegenden 25 Gräberfelder, die ebenfalls in den letzten vier Jahren einer eingehenden Erforschung durch Dr. Amilian Kloi- ber unterzogen worden sind. Über 660 Gräber, zum Teil mit sehr reichen Beigaben, konnten geborgen werden. Einsani steht heute auf dem Laurentiusfeld die wuchtige gotische Kirche mit ihrem hohen Chor. Sie steht da wie ein Mahnmal an alte Zeiten und wahrlich, sie ist auch ein solches. Bis 1573 war hier die Pfarre der befestigten, auf dem Stadthügel erbauten Stadt Enns. Wie kam es, daß die Kirche nicht im schützenden Ring der Stadtmauern lag? Der Kirche Kraft war stets die ehrfurchtsvolle Bewahrung der Tradition. Der einmal geweihte Platz überdauerte, wenn der Schein nicht trügt, die Stürme der Völkerwanderung und die Not der Awarenzeit des frühen Mittelalters. Mannigfache Forschung hat sich mit Lauriacum beschäftigt: Die Sprachwissenschaft stellte fest, daß der Name Lorch, wie viele andere Ortsnamen im Westen unserer Heimat, das antike Lauriacum fortsetzt. Die Flurforschung zeigte wieder, daß im Gefüge der heutigen Flur noch die antiken Flurmaße nachzuweisen sind, daß der Baier also nicht auf Neuland gesiedelt hat, sondern bebautes Land vorfand, als er hier seinen neuen Wohnsitz nahm. Durch die mittelalterliche Geschichtsforschung wurde in tiefschürfenden Arbeiten erkannt, daß auf Grund der Quellen der mittelalterliche Ort Lorch an die antike Siedlung angeschlossen haben müsse. Auf dem Gebiet der Bodenforschung, also der Archäologie, ist in zahlreichen Tastgrabungen schon vor Jahren der Boden der Zivilstadt geöffnet worden. Im Frühsommer 1951 endlich stieß man beim Ausheben von Fundamenten auf antikes Mauerwerk. Eine sofort einsetzende Notgrabung stellte die Reste eines antiken Bades fest. Es handelt sich um einen Bau, der in seiner Grundrißsorm 29

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