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DDr. Manfred Brand! Aus der Geschichte der Steyr-Werke Von dem größten eisenverarbeitenden Unternehmen Österreichs und dem wichtigsten geschichtlichen Faktor der neueren Geschichte Steyrs wurden mit Recht folgende Worte gesagt : »Arbeit in diesem Großunternehmen bedeutet ... Wohlstand für die Stadt und der Schlag ihrer Hämmer ist gleichsam ihr lebenserhaltender Pulsschlag .« I'!, ' ;·:· ~ \ ✓; . . . . ·· - - - - ------ Der Werdegang des Unternehmens ist mit dem Namen Werndl eng verbunden. Leopold Werndl gelang es in der Zeit des Vormärz, seinen Waffen IR S 1e 1r 1 1-- ·-- 221 und Waffenbestandteile erzeugenden »Armaturbetrieb« bedeutend auszuweiten. Nach Leopold Werndls Tod (1855) führte seine Witwe Josefa (gest. 1867) mit ihrem Sohn Josef (1831 bis 1889) gemeinsam bis 1862 das Unternehmen weiter. Josef war bis 1853 vorübergehend in den USA, wo er neueste Maschinen kennenlernte und Gewehrverschlußpläne ze ichnete. 1862 legte Werndl mit dem Ankauf der Jocherschen Papiermühle (Objekt III im Wehrgraben) den Grundstein zu den Werksgebäuden in Steyr. Nach Absatzschwierigkeiten und einer neuen Amerikareise wurde 1864 das Unternehmen »Josef und Franz Werndl & Comp .« neugebildet ; Franz gründete später in Unterhimmel ein erst 1967 geschlossenes Werk. Der Aufschwung erfolgte nach 1866, nach der für Österreich unglücklich verlaufenen Schlacht von Königgrätz. Werndl präsentierte 1867 ein mit Karl Holub (1830 bis 1903) entwickeltes Hinterladergewehr, sein in der Folge oftmals verbessertes »Werndl -Gewehr«. Der Staat nahm es noch 1867 an. Am 1. August 1869 wurde (nach bösen Quertreibereien der Hochfinanz gegen den aufstrebenden Werndl'schen Betrieb) mit Hi lfe der Bodenkreditbank die Österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft gegründet. Das Unternehmen hörte damit auf, ein reines Firmenkuvert der Steyrer Waffenfabriks-Gesellschaft mit seltener Kriegszuschlagmarken-Frankatur Privatunternehmen zu sein. Josef Werndl war forthin der unentbehrliche und hochdotierte Generaldirektor. Die Zeit bis Werndls Tod (und noch Jahre später) sah die Stadt Steyr fest in den Händen der liberalen Partei; Werndl selbst war Liberaler. Sozialen Antrieben nicht verschlossen, regierte Werndl das Unternehmen patriarchalisch, bei den Arbeitern durchaus populär, und bestimmte darüber hinaus dasjenige mit, was in der Gemeindestube geschah. Das Unternehmen selbst erlebte Hoch und Tief. Die Arbeiterzahlen schwankten enorm, je nachdem man viel oder wenig Aufträge hatte. Um neue Aufträge zu erlangen, unternahm der Waffenkönig viele Reisen. Die Waffenfabrik war das größte Gewehre erzeugende Unternehmen der Welt. Die Profite für die Aktionäre stimmten immer, um den Preis von Entlassungen , wenn zu wenig Aufträge da waren. - Nach kurzer Krankheit starb Werndl plötzlich am 30. April 1889. Werndl selbst erkannte, daß die einseitige Ausrichtung der Produktion auf ein Produkt ungesund sei und interessierte sich in den 1880er-Jahren für Elektrotechnik. In der lokalen Geschichtsschreibung ist die Episode der 103

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