Steyrer Tagebuch Nummer 23, November 1984

19 Die nächsten Sekunden und Mi nuten zu erzäh 1 en ist unmöglich, weil ich sie selbst nur undeutli~h erlebte. -------------------------Es schien als läge ich in me i nen eigenen Händen, als i eh mi eh ~urch das GewUh 1 von Netzen , Händen, Geifer und Körpern bis ans Ende des Platzes durchgekämpft hatte, wo ich wieder zu mir kam. Zur Sicherheit preßte ich mein Herz fest an mich, worauf es verschwand und wieder deutlich pochend auf seinem richtigen Platz die Arbeit aufnahm. Niemand kUmmerte sich plötzlich mehr um mich. Auch sah ich schon den Ausgang des Spielfel– des, Uber dem ein großes Schild angebracht war. durcheinander. Einige standen auf Säulen und deuteten von oben herab auf die anderen hin , die den seltsamen Gebi 1den , die wie Steine aussahen , ausweichen mußten, welche ruhelos zwischen den Gestalten hin und her rasten, wobei sie eine Art Podest als fahrbaren Unter– satz benutzten. Aber sie schienen alle auf jemand zu warten, wei 1 sie, während sie durcheinander redeten und gestikulierten, nach allen Seiten Ausschau hiel– ten. Es war ein derartiger Tumult auf dem l?latz, daß viele die Glocke Uberhörten , welche plötzlich am Rand des Spielfeldes ertönte. "Bitte Ruhe, meine Geliebten, bitte Ruhe!" ertönte von irgendwo eine Stirrme, "Liebe Freunde, es ist wieder ei nma 1 soweit , i eh freue mi eh sehr, in unserem Kreis Herrn X begrUßen zu dUrfen. Herr X hat durch Klugheit und Ausdauer die beiden HUrden am Eingang unseres Spielfeldes Uberwunden und möchte nun durch fairen Wettkampf beim hohen Spie 1 der Emotionen gegen uns antreten." Ein Raunen ging durch die Menge und jeder blickte herum, um Herrn X zu entdecken, der ja angeb– lich schon am Spielfeld war. Ich selbst war auch schon ganz neugierig, Herrn X zu finden, a 1 s sieh p1ötz 1 i eh von links ein Herr von angenehmem Äußeren näherte und mir seine Hand reichte, an deren Fingern sich jeweils drei Go 1dringe befanden. "Lieber Herr X, i eh denke, Sie sind mit den Rege 1 n dieses Spiels vertraut", sprach er, während er meine Hand festhielt. "Äh •• ich •. bedaure •." stammelte ich erstaunt, Uberrascht, daß ich Herr X war, auf den sie hier alle warteten, um so mehr, da ich ja einen ganz anderen Namen trage. "Aber mein Herr, schaun • Sie, es ist doch a 11 es ganz 1 eicht" sprach er mit seiner angenehmen Stimme, währenddessen wir Hand in Hand eine Treppe zum Spielplatz hinuntergingen. "Es ist, banal gesagt, so ähnli ch wie Rugby, nur statt des Ba 1 l es tragen Sie ihr Herz in der Hand." Während des ganzen Weges zum Spielfeld versuchte i eh meine Hand so unauffä l l i g wie mög1 i eh aus der seinen zu wi nden, doch erhielt sie beharrlich fest, bis wir am Rand des Platz e s an kamen, wo gerade eine seltsame Veränderung stattfand. Es war unheimlich sti 11 geworden, man hörte nur das Rasche 1n des Windes im ·dürren Gras und a l 1e Augenpaare waren auf mich ge ric htet. Auch hatten sie nun kle i ne Netze in den Händen, an denen s i e andauernd hin und her fingerten um sie möglichst sch ön auszu– breiten. "Sie mUssen nur", sprach der Herr mit dem angenehmen Äußeren, "von diesem Punkt bis zum Ende des Spielfeldes kommen und passen Sie auf, daß sie dieses kleine sUße Etwas nicht verlieren." Dann nahm er sein Taschentuch und fingerte, vorsichtig wie ein Dieb, ein k1eines zuckendes BUnde l aus meinem Sakko, das bei näherer Betrachtung wirk lieh wie ein Herz aussah. Er hob es hoch und zeigte es der Menge, die, als sie es sah, in ein frenetisches Geheul ausbrach , daß mir ganz angst und bange wurde. Er gab es mir zurück und schrie plötzlich: "Und jetzt laufen Sie!", wobei er mir auf die Schultern schlug , daß die Goldringe von seinen Fingern davonfloge~ Im vorbeilaufen las ich seine Aufschrift:" Ein Wild jagt mehr als tausend Torten!" Wie wahr , dachte ich und kicherte vor Freude , als ich das erste zaghafte Glirrmen der Aura des Geweihten um mich bemerkte. kapf Aus dem Jazz-Corner J a z z - N e w s Es gab einen grandiosen Beginn der Jazz-Saison 84/85. "OSTINATO" , österrei chs bekannteste Jazz - Rock Gruppe, begeisterte am 20. September 84 im ausverkauften alten Theater die Fans total . Thomas Böröcz (drums) , der die Gruppe grUndete und leitet brachte mit seiner Band - Harry Gansberger (keyboards), Albert Kreuzer (bass) Lee Harper (trompete), Martin Fuß (tenor-sax), Rens Nieuland (git) Musik der internationalen Spitzen– klasse. Vor allem der holländische Gitarrist Rens Nieuland Uberzeugte durch seine rockig - aggressiven, technisch perfekt ausharmonisierten Gitarrensoli . Die Musiker wurden vom Publikum, das voll mitging, zu Höchstleistungen angetrieben. Am Samstag, den 6. Oktober 84 gab es dann "JAZZ IN DER GALERIE SCHMOLLGRUBER". Die Galerie "Schnittpunkt", die dem nach wie vor heimatlosen Jazzcorner Steyr von Herrn Fri edri eh Schmo l l gruber spontan und kostenlos zur VerfUgung gestellt wurde, bot einen neuen Rahmen mit Atmosphäre für das Jazzkonzert mit dem "RENS NIEU– LAND TRIO". Der in Österreich lebende Gitarrist Rens Nieuland aus Hol land begeisterte mit seinem "Electric Trio" abermals seine Fans. Gespi e 1t wurde großartiger Jazz-Rock, aber auch Funk, Blues und Bebop (Charlie Parker), kamen nicht zu kurz. Hervorragend waren die Beg 1eiter Thomas Böröcz (drums ), der einige fantas– tische Breaks brachte und natürlich der E-Bassist in Österreich Heinz Jäger. Der Start in der "Galerie Schmol 1 gruber" i st ist dem Jazzcorner Steyr somit vo 11 auf ge 1ungen. Vorankündigungen Samstag, den 3. November 84, 20 Uhr gibt es wieder ein "Blues-Fest" im Gasthaus "Goldener Pflug" mit der "MOJO-BLUES-BAND". Samstag, 10. November 84, 20 Uhr spielt der inter– national bekannte Gitarrist SAMMY WOMACKA Ragtime– Bl ues-Jazz in der "SCHMOLLGRUBER GALERIE SCHNITTPUNKT" P.S. : Vielleicht weiß jemand ein Loka 1 oder einen Raum, wo der Jazzcorner seine C1 ubabende abhalten könnte.

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