Steyrer Tagebuch Nummer 14, Oktober 1983

23 Die Nichtentstehung der Schule für ganzheitliche Lebensweise oder: Die Gründe, warum es heuer nicht geklappt hat Als der Verein Projektschule Steyr im vergangenen Frühsommer stolz verkün– dete : im Herbst 83 bricht in Steyr die alternative Schule aus, war alles rosig . Die Errichtung der Schule wurde beim Landesschulrat angezeigt . Eine Lehrerin wollte zum Nulltari.f (nur für Sozialver– sicherung) unterrichten, drei Schulob– jekte waren ins Auge gefa~t und dafür auch Mietanträge gestellt . Im Verein waren ständ.:i.g 8 - 10 Lente, vorwiegend Eltern , tätig und immer wieder kamen eine Reihe neugieriger Zuhörer und Zuschauer . Leider waren diese Besucher nur Publikum und keine echten Mitarbei– ter . Die Öffentlichkeitsarbeit passierte zu– wenig an der Basis, andererseits er– schi enen hochgeschraubte Artikel in der Presse . Nach und nach wurden alle Mietanträge - die Aichetschule, die ehemalige Volks– schule in Dietach , die ehemalige Be– rufschule in Münichholz - mittels fa– denscheiniger Gründe abgelehnt . Die Ämter verhielten sich völlig negativ und ignorierten alle weiteren Ver – suche . Schlußendlich bot ein 'lereinsmi tglied eine l~erstehende Wohnung in seinem rreuerbauten Haus an- ohne Miete, nur für clie Betriebskoster„ Anscheinend gehen kultu1·elle Impulse in Österrei,:h nur von Privatpersonen aus. Solche AktivitätPn, und sei es nur eine leerstehende Wohnung zur Ver– fügung zu steJlen, sind wahrscheinlich unter der Wiirde der Kommunalverwa1 - tungen . Die Gesetzeslage zur Errichtung einer Schule ist völlig klar, man kann diese jedoch auch genauer auslegen und weni– ger genau . Der Verein tat letzteres , da er leider keinen aktiven Juristen zur Verfügung hat . Es dachte niemand an eine Ablehnung der Errichtungsanzeige und schon gar nicht an eine notwendige Berufung. Am 1. August, also unter genauer Ein– haltung der 2-monatigen Ablehnu~gs– frist, wurde die Schule vom Landes– schulrat untersagt; das heißt für eine anständige Berufung zu knapp um noch rechtzeitig beginnen zu können . Dj_e lapidare Begründung war : . unzw.·:i– chende Beweiskraft der miteingereichten Unterlagen. Die Berufung begründete sich auf for – male Fehler, d . h . im AVG (Allgemeines Verwaltungsgesetz) ist vorgesehen, daß Ämter, da sie einen besseren Rech-f:s~ugang haben , Parteien anzuwei– s en haben , un~u~eichende Anträge zu verbessern . Da der Landesschulrat die– ses unterließ, konnte eine Berufung wegen formaler Fehler eingebracht werden . Inz,wischen mu..~te unsere Lehrerin aus familiären Gründen ihre Lehrver– pflichtung zurücklegen . Eine, weitere Lehrkra.ft fühlte sich außerstande , den Unterricht alleine ?,u führe:-, . Der Verein stand nun v o:r zwei 1.. ·_ös– baren Problemen : - wie kommt man zu einer Lehrkraft - wie finanziert man 2 Lehrer+ Betriebskosten+ Lehrmittel - wie witbt m/Ul in kurzer Zeit mehr Kinder um 2 Lehrer zu beschäf– tigen - wie stellt man eine Beschleunigung des Berufsverfahrens an Der Verein beschloß nun, alles z~ stop~ pen, da sich auch eine gewisse Resig– nation breitmachte, und von vorne zu beginnen . Derzeit läuft der Kurs"Metaphysik für Anfänger". Der erste Abend am 3. 10 . war mit 15 Teilnehmern ein guter Erfolg. Ter– min : Jeden Montag 2o Uhr , Bergerweg 4o b . Ein Arbeitswochenende zur Erstellung eines Grundsatzprogrammes ist noch für Oktober geplant . Vorgesehen sind weiters eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit mittels Kursen, wie z . B. ein weiterführender Orff- Kurs für Lehrer sowie für Eltern und Kinder . Ein Konzert mit Künstlern des Mozarteums ist uns zugesagt . Trotz der Schwierigkeiten breitet sich das Schulprojekt weiter aus . Nach wie vor wird ein ehestmöglicher Beginn des Schul– betriebs angestrebt . Treffpunkt für Interessierte und Aktive jeden Dienstag, 19.30 Uhr, Bergerweg 4o b .

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