Steyr Bildführer 1969

Nun aber wenden wir uns um und schenken dem Nord - p o r t a l unsere Aufmerksamkeit. Dieser überaus reich gegliederte, spätgotische Baldachinvorbau birgt kostbare Stein p las t i 7c e n aus der Zeit um 1410, eine hl. Doro- thea mit dem Körbchen, einen hl. Jakobus und eine hl. Anna und darüber ein B o g e n f e l d r e l i e f, das zur Zeit der Reformation entfernt und schwer beschädigt worden war (Tod und Krönung Marias). An der Seitenwand prangt ein Renaissance-Epitaph aus dem Jahre 1591. Das Innere der Kirche betreten wir durch das Hauptportal an der Westseite, da die überaus edle und feierliche Wirkung dieses dreischiffigen Innenraumes von dieser Stelle aus am eindrucksvollsten zur Wirkung kommt. Ha n s Pu c h s b au 1n, Hüttenmeister der Wiener Bauhütte, ent- warf den während des Baues allerdings noch verschiedentlich abgeänderten Plan für diesen gotischen Dom, der an Stelle der alten, zu klein gewordenen Pfarrkirche errichtet wurde. 1443 begonnen und nach 70 Jahren Bauzeit 1513 vollendet, fiel das mit kostbarer Innenausstattung versehene Gottes- haus dem Stadtbrande von 1522 zum Opfer. Der rückwärtige Teil stürzte ein, die vielen Schnitzaltäre, . der herrliche Predigtstuhl, die Epitaphien und Gemälde verbrannten, und die Kirche blieb über hundert Jahre als Ruine stehen, da inzwischen die Reformation angebrochen und Steyr bis auf einige wen ige Familien protestantisch geworden war. Erst unter Abt Anton II. vom Stift Garsten begann 1628 der Wiederaufbau, der 1636 bee_ndet war. Der wiederholt ab- gebrannte Turm der Kirche wurde in seiner heutigen Gestalt zwischen 1885 und 1889 nach Plänen des Wiener Dombau- meisters Friedrich v. Schmidt erbaut. Die Stadtpfarrkirche ist wfolge dieser widrigen Schicksale arm an Kunstwerken aus der Zeit ihrer. Entstehung. Davon seien erwähnt: ein herrlicher Grabstein für einen ihrer Erbauer (Baumeister W o l f gang T e n 7c) , Reste alter, 57

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