Kritische Anmerkungen zum Historisch-topographischen Handbuch der Wehranlagen und Herrensitze OÖ

943 Norbert Grabherr sieht hier den Sitz des urk. 1230 genannten Heinricus de Wineberge und spricht die Wehranlage als „Burg Wimberg“ an. Im Heimatbuch der Gemeinde Wernstein (1985) wird wiederum von Lesefunden (Schlüssel, Lanzenspitze, Eisenkugel) berichtet, die dem ausgehenden Mittelalter zugeordnet werden. Bei einer Begehung der Wehranlage mit der Archäologin Marianne Pollak im Sommer 2012 wurde festgestellt, dass auf der Hochfläche nordwestlich des Neuhausergutes offensichtlich zwei räumlich und zeitlich getrennte Wehranlagen vorhanden waren: (a) Auf der Hochfläche des Inn bestand eine durch zwei halbkreisförmige Gräben abgeriegelte Wehranlage. Wie schon eingangs erwähnt, wurde diese Anlage in den 1870er Jahren von Lamprecht entdeckt und in einer guten Planskizze festgehalten. Nach Autopsie von Marianne Pollak dürfte es sich um eine frühmittelalterliche Plateaurandburg gehandelt haben. Solche Anlagen sind vor allem im nördlichen Innviertel, dem Rottachgau und im Einflussgebiet der Passauer Bischöfe bekannt. Obwohl nur für wenige der Anlagen archäologische oder urkundliche Daten vorliegen, sprechen Flurnamen und einzelne Merkmale für eine Datierung ins ausgehende Frühmittelalter. Der innere Graben der Befestigung ist teilweise erhalten geblieben; der äußere Graben wurde zugeschüttet, ist aber im LiDAR noch erkennbar. (b) Auf einer exponierten Felsklippe oberhalb des Inn, etwas unterhalb des nördlichen Endpunktes des inneren Grabens, befinden sich Mauerreste, die im Frühjahr 2012 von dem Regionalforscher Josef Fischer beobachtet werden konnten. Es handelt sich um lagerhaftes, leicht ausgezwickeltes Mauerwerk, das dem Spätmittelalter zuzuordnen ist. Diese Mauerreste weisen offensichtlich auf eine Kleinburg aus dieser Epoche hin, die in Konnex mit der Herrschaft Neuburg stand, und eine ähnliche Funktion wie Neufels oder Wernstein zu erfüllen hatte. Die im Heimatbuch der Gemeinde Wernstein erwähnten Lesefunde (Schlüssel, Lanzenspitze, Eisenkugel) scheinen die zeitliche Stellung der Anlage zu bestätigen. Eigenartig ist jedoch, dass die Kleinburg im Kupferstich der „Freien Grafschaft Neuburg am Inn“ von Georg Matthäus Vischer (1674) nicht eingezeichnet ist. B. LAMPRECHT 1879 SCHIFFMANN 1935b, 539 (Windberg/Wimberg) WIESNER 1985, 158f. POLLAK 2000, 361 u. Nr. 10, 379 POLLAK 2007a, 291ff. DEHIO 2020, 1209 C. Planskizze von Johann Lamprecht (Tab. A, Fig. IIII) D. 48246 KG Zwickledt, GST-NR 878, 882/1, 883/3 E. 8939,10 / 373325,02 (äußerer Graben) 8888,44 / 373342,21 (innerer Graben) 8824,94 / 373385,34 (Mauerreste) F. Burgstall / Hausberg / Erdwerk M/26/3 Zwickledt (Zwickeled, Kubinhaus) M/26/3 Zwickled: Schlößchen in der O. und KG. Zwickledt. 1580 Zwickled. Quelle: AfÖG., Bd. 102, S. 655. Lit.: Pillwein, Innkreis, S. 424; Lamprecht, Schärding, 2. Bd., S. 36; Grüll, Innviertel, S. 170; Grabherr, Burgen, S. 96. Lage: 0,5 v.u., 15,6 v.r.u. (12). (Originaler Datensatz von N. Grabherr). A. Bei dem sog. Schloss Zwickledt handelt es sich um das Wohnhaus eines Landgutes, welches das Volk als „Schloss“ titulierte, da es sich von den umliegenden Bauernhöfen unterschied (nach Brigitte Heinzl). B. SCHIFFMANN 1935b, 584

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