Kritische Anmerkungen zum Historisch-topographischen Handbuch der Wehranlagen und Herrensitze OÖ

1006 bayrischen Linien vorrückten, mehrere derselben einwarfen, die Blockhäuser sammt den Schanzen zerstörten, u. die widerstandslosen Linienvertheidiger versprengten. Als nach der Schlacht bei Höchstädt u. Blindheim (August 1704) die Oesterreicher Herren über das Bayerland geworden waren, gaben sie im Juli 1705 den Befehl, das sowohl die Festungswerke zu Scharding, Braunau u. Burghausen, als auch die Linien, Schanzen u. Blockhäuser an den Gränzen des Landes ob der Ens demolirt werden sollen. Von diesen Linien u. Redouten haben sich noch einige wenige Ueberreste erhalten, und zwar bei Retzwinkel in der Gem:Esternberg, bei St:Roman, u. auf dem Schnier-Berge, welche leztere noch besonders deutlich u. gut erhalten sind. Alle diese auf Höhenpunkten angelegten Redouten hatten eine quadratische Form, deren jede Seite 16 Klafter Länge hatte; innerhalb des umwallten Raumes stand das hölzerne Blockhaus, welches der Mannschaft zur Wache u. Unterkunft diente.“ Trotz der Lagebeschreibung und Planskizze ist es Norbert Grabherr gelungen, das Schanzwerk völlig falsch zu verorten. Die von Lamprecht beschriebenen Befestigungen befinden sich nämlich in der OG St. Roman, und nicht in der MG Kopfing. Die im Handbuch angeführte Katastralgemeinde (Neukirchendorf) ist falsch, das Schanzwerk liegt in der KG Altendorf. Die postulierte Verortung „nächst der Höhenkote 525“ ist ebenfalls unrichtig, denn der Kleine Schefberg wies früher die Höhenkote 725 m auf. (Der Gipfel ist heute nicht mehr vorhanden, da er durch den Steinbruchbetrieb der Fa. Kapsreiter abgetragen wurde). Wie schon Lamprecht seinerzeit festhielt, besteht die Verschanzung aus einem Linearwall und einer Viereckschanze (Redoute), die er als „Blockhaus“ bezeichnet hat. Der Erdwall hat seinen Anfang in der Ortschaft Schnürberg und zieht sich über die heute nicht mehr vorhandene Gipfelpartie des Kleinen Schefberges (Kote 725 m) und weiter bis zur Talung des Aubaches (der in der MG Kopfing gelegene Abschnitt wurde von Lamprecht nicht dokumentiert). Erfreulicherweise konnte das gut erhaltene Schanzwerk im Jahre 1996 unter Denkmalschutz gestellt werden. Im Akt des Bundesdenkmalamtes wird das Flurdenkmal folgendermaßen charakterisiert: „Die Schanze und Redoute am Kleinen Schefberg repräsentieren einen für die Kriegsführung der frühen Neuzeit charakteristischen Befestigungstyp und gehören zu den wenigen aus der Zeit der Erbfolgekriege, die in Folge nicht geschliffen worden sind. Das Erdwerk stellt damit eines der wenigen Geländedenkmäler das, die das Schicksal eines ehedem von Bayern und Österreich umkämpften Grenzgebietes auch sichtbar dokumentieren. Die unversehrte Erhaltung der Schanzanlage auf dem Kleinen Schefberg liegt wegen ihrer geschichtlichen und kulturellen Bedeutung im öffentlichen Interesse (GZ: 26.746/2/1996).“ Keine Beachtung durch Johann Lamprecht erfuhr die Fortführung der Befestigung jenseits des ehem. Schefberg-Gipfels. Dieser gut erhaltene Abschnitt wird in der MG Kopfing behandelt. B. HOHENECK 1705 STRNADT 1868, 585ff. LAMPRECHT 1870/76 KLEEMANN 1885, 312ff. REITINGER 1968, 379 HOCHEDLINGER 1993 ROBL 2016 POLLAK 2018, 39ff. DEHIO 2020, XXV C. Planskizze von Johann Lamprecht (Tab. G, Fig. V), Vermessungsplan D. 48001 KG Altendorf, GST-NR 920/1 E. 22463,15 / 370362,74 (Nw Punkt) 22545,17 / 370218,54 (Blockhaus / Redoute) 22574,27 / 370165,62 (Sö Punkt) F. Schanzwerke der Kurbayerischen Defension (Linearwall, Redoute)

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