Steyrer Geschäfts- und Unterhaltungskalender 1939

17 Sonnenfinsternisse, die dadurch entstehen, daß uns der Mond manchmal die Sonne teilweise oder vollständig verdeckt, können nur bei einem Neumond stattfinden und sind nur auf einem beschränkten Gebiet der Erde sichtbar, über welches der Mondschatten gerade hinwegzieht. Anfang, Ende und der Verlauf einer Sonnenfinsternis sind von Ort zu Ort verschieden, und die unten angeführten Zeiten können daher nur für die Erscheinung im allgemeinen Geltung haben. Im Jahre 1939 finden zwei Sonnenfinsternisse und zwei Mondesfinsternisse statt, von denen in Mitteleuropa nur die erste Sonnenfinsternis und die zweite Mondfinsternis teilweise sichtbar werden. 1. Ringförmige Sonnen=Finsternis am 19. April. Anfang der Finsternis um 15 Uhr 26 Min. nachm., Beginn der zentralen Verfinsterung 17 Uhr 7 Min. nachm., Ende der zentralen Ver¬ finsterung 18 Uhr 23 Min. abds., Ende der Finsternis 20 Uhr 5 Min. abds. Die Finsternis ist sichtbar im nordöstlichen Teil des Stillen Ozeans, im äußersten Nordosten von Asien, in Nordamerika, im nördlichen Eismeer, im nördlichen Teil des Atlantischen Ozeans, im Westen und Norden Europas und in Mitteleuropa. Die Zone der Ringförmigkeit geht durch das nordwestliche Nordamerika und durch das nördliche Eismeer über den Nordpol. — In Wien beginnt die Finsternis um 18 Uhr 34 Minuten, also etwa eine Viertelstunde vor Sonnenuntergang. 2. Totale Mond=Finsternis am 3. Mai. Eintritt des Mondes in den Kernschatten um 14 Uhr 28 Min. nachm., Anfang der totalen Finsternis 15 Uhr 40 Min. nachm., Mitte der totalen Finsternis 16 Uhr 11 Min. nachm., Ende der totalen Finsternis 16 Uhr 43 Min. nachm., Austritt des Mondes aus dem Kernschatten 17 Uhr 55 Min. nachm. Die Finsternis ist sichtbar in Alaska, im Stillen Ozean, in Australien, Polynesien, im südlichen Eismeer, im Indischen Ozean, in Asien, auf Madagaskar, in Afrika mit Ausnahme des nordwestlichen Teiles und im Osten von Europa. 3. Totale Sonnen=Finsternis am 12. Oktober. Anfang der Finsternis um 19 Uhr 35 Min. abends, Beginn der zentralen Verfinsterung 21 Uhr 17 Min. abends, Ende der zentralen Verfinsterung um 22 Uhr 2 Min. abends, Ende der Finsternis um 23 Uhr 45 Min. abends. Die Finsternis ist sichtbar im südöstlichen Australien, in Polynesien, auf der Südspitze von Südamerika und im südlichen Eismeer. 4. Partielle Mond=Finsternis am 28. Oktober. Eintritt des Mondes in den Kern¬ schatten um 5 Uhr 55 Min. morgens, Mitte der Finsternis um 7 Uhr 36 Min. morgens, Austritt des Mondes aus dem Kernschatten um 9 Uhr 18 Min. vormittags. Es werden 99 Hundertel vom Monddurchmesser verdeckt, die Finsternis ist also sehr nahe eine totale. Sie ist sichtbar in Europa ohne den äußersten Osten, im westlichen Afrika, im Atlantischen Ozean, in Nord= und Südamerika, im nördlichen Eismeer, im Stillen Ozean, in Polynesien, im östlichen Australien und im nordöstlichen Asien. In Wien geht der Mond um 6 Uhr 33 Min. teilweise verfinstert unter Vom Jahresregenten. Für 1939 hätte der Mars die Rolle des Jahresregenten zu übernehmen. Mars ist unter den hellen Sternen leicht durch sein auffallend rötliches Licht zu erkennen. Er umkreist in einem Abstand von 230 Millionen Kilometern die Sonne in nahe kreisförmiger Bahn und braucht zu einem vollen Umlauf 687 Tage, welcher Zeitraum also die Länge eines Marsjahres darstellt, das um 43 Tage kurzer ist als zwei Erdenjahre. Der Durchmesser der Planetenkugel beträgt nur etwas mehr als die Hälfte von dem der Erde, nämlich 6780 Kilometer. Aus Gebilden, die auf der Marsoberfläche im Fernrohr sichtbar sind, konnte mit großer Genauigkeit auf eine Drehung des Planeten um eine Rotationsachse geschlossen werden, die sich in 24 Stunden 37 Minuten vollzieht. Diese Zeit ent¬ spricht also der Länge eines Marstages, der somit nicht viel länger dauert als unser Erdentag. Da die Stellung der Rotationsachse gegen die Marsbahn ganz ähnlich den entsprechenden Verhältnissen bei der Erde ist, gibt es auf dem Mars auch einen ähnlichen Wechsel der Jahreszeiten, nur dauern sie dort, wie ja auch das Jahr selbst, nahe doppelt so lang wie bei uns. Wie die Erde ist auch der Mars von einer Lufthülle umgeben, die aber wahrscheinlich eine größere Dichtigkeit besitzt, als unsere Atmosphäre und wechselnde Trübungen durch Wolkenbildungen erkennen läßt. Die Kraft der Sonnenstrahlung ist auf dem Mars wegen seiner größeren Entfernung von der Sonne nicht ganz halb so groß wie auf der Erde, doch liegen die tiefsten Temperaturen auf der Marsoberfläche, wie in neuester Zeit festgestellt werden konnte, durchaus nicht so niedrig und gehen nachts an den Polen nur bis etwa 100 Grad unter Null, während die Mittagtemperaturen bei voller Einstrahlung bis ungefähr 20 Grad ober Null steigen. An den Marspolen kann man schon in mäßigen Fernrohren weißglänzende Flecken wahrnehmen, deren Ausdehnung zu= oder abnimmt, je nachdem es auf der betreffenden Marshälfte Winter oder Sommer wird. Man kann sie daher mit großer Wahrschein¬ lichkeit den Schnee= und Eisfeldern an den Polen unserer Erde vergleichen. Die zahlreichen Flecken und Streifen von teils unveränderlicher, teils wechselnder Form, Ausdehnung und Färbung konnten noch nicht widerspruchslos gedeutet werden. Man kann mit gutem Grund behaupten, daß die Bedingungen für ein organisches Leben auf dem Mars gegeben und denen auf der Erde ziemlich ähnlich sind. Ob aber ein solches tatsächlich entstanden ist oder sich gar bis zu intelligenten Wesen entwickelt hat, muß heute noch unentschieden bleiben.

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