Schloss Vogelsang in Steyr

2. Kapitel Josef Werndl 6 von eisenverarbeitenden Betrieben in der Stadt. Nach dem Tod Leopold Werndls im Jahr 1855 leitet er — bis 1862 zusammen mit seiner Mutter Josefa — auch die väterlichen Betriebe^. In den folgenden sechs Jah ren baut Werndl den größten Industriebetrieb Oberösterreichs auf®. 1862 legt er mit der Errichtung eines neuen Fabriksgebäudes im Wehrgraben den Grundstein für die Werndl'sche Waffenfabrik. 1863 reist er zusammen mit Karl Holub®, dem Werkmeister seines Betriebs über Eng land nach Amerika, wo während des Sezessionskriegs die Waffenproduktion blüht, und er in Betrieben in Hartford und in Illinois wertvolle Erfahrungen und Ideen sammelt^®. 1864 schreitet Josef Werndl zusammen mit seinen Brüdern zur Neukonstituierung des Betriebs unter dem Namen ,,Josef und Franz Werndl & Comp., Waffenfabrik und Sägewerk" 1867 kommt der Durchbruch für das Unternehmen: Es erhält einen kaiserlichen Großauftrag zur Lieferung eines von Werndl und Holub gemeinsam entwickelten Hinterladegewehrs^^. Die folgenden Finanzierungsschwierigkeiten durch den Druck, nun stark zu expandieren, kann durch die Umwandlung der Werndl-Fabrik in eine Aktiengesellschaft abgewendet werden: Am 1. August 1869 wird die ,,Osterreichische Waffenfabriksgesellschaft" gegründet^®. Deren Hauptsitz ist Wien, und ihr General direktor heißt Josef Werndl, technischer Direktor ist Karl Holub^^. 1871 übersiedelt Werndl mit seiner Frau Garoline Antonia, mit Sohn und Töchtern in die sogenannte ,,Wasservilla" im Wehrgraben^®. Die Auslastung der Fabrik mit Aufträgen und somit auch der Beschäftigtenstand schwanken ständig^®. Die ökonomische und soziale Gesanrtsituation der Stadt ist mit diesen Schwankungen eng verbunden. Josef Werndl wird aber neben seinem Einsatz als Industrieller stets soziales Engagement und Verantwortungsbewußtsein gegenüber den Beschäftigten der Osterreichischen Waffenfabriksgesellschaft, die er sicher nach wie vor als ,,sein Werk" begriff, attestiert^^. 1874 läßt er unweit seiner ,,Wasservilla" im sogenannten ,,Eysnfeld" 21 ebenerdige Arbeiterwohnhäuser^® errichten und ganz in der Nähe die neue ,,Schwimmschule"^®. Die Bauarbeiten verlaufen parallel zu den Arbeiterunruhen, die am 31. August aus gebrochen sind®°. Die Baumaßnahmen waren offenbar nicht nur für die Arbeiter, sondern auch wegen des Betriebsklimas in Werndls Werk von großer Dringlichkeit. Als es 1884 zu umfangreichen Entlassungen kommt, verfügt Werndl eine Arbeitslo senunterstützung®^ . Auch Baumaßnahmen, die nicht nur der Waffen-AG, sondern auch der Stadt insge samt zugute kommen, finanziert er®®. Seit 1873 liefert die Gesellschaft auch an die preußische Armee, und im weite ren Laufe der 70er Jahre erlangt das Werk Weltgeltung, mit Aufträgen auch aus

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