Quo vadis, Jugendkultur

Außerdem sei die bisherige Forschung davon ausgegangen, dass die Subkulturen an eine bestimmte Schichtzugehörigkeit oder politische Einstellung gebunden und ein unabhängiges Teilsegment der Gesellschaft ohne Übergänge zu dieser seien, was in dieser Allgemeinheit nicht zutreffe.® Mittlerweile hat sich der Begriff der Jugendkulturen oder Jugendszenen eingebürgert, die von den Jugendlichen unabhängig von der sozialen Herkunft selbst gewählt werden. »Jugendszenen sind soziale Netzwerke, in denen sich Jugendliche mit gleichen kulturellen Interessen und ähnlichen Weltanschauungen zusammenfinden.« Die Abgrenzung zur Erwachsenengesellschaft und zu anderen Szenen ist geringer ausgeprägt, bei gleichzeitiger Anpassung an Regeln der Gesellschaft können die Jugendlichen einer oder auch mehreren Jugendszenen angehören. Im Gegensatz zum Postulat der Jugendforschung zu Ende des 20. Jahrhunderts belegen neuere Studien, »dass die sozialstrukturelle Herkunft immer noch wesentliches Differenzierungskriterium für den Zugang zu Jugendkulturen ist«.® 2 Streifzug durch ausgewählte Jugendkulturen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts 2.1 Wirtschaftliche und soziokulturelle Hintergründe: Den Boden für die Entstehung der Jugendkulturen bereitete die Konsumgesellschaft, die sich von den USA ausgehend nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Westeuropa entwickelte (Konsum = Befriedigung von Bedürfnissen mit wirtschaftlichen Mitteln; Konsumgesellschaft = Gesellschaft, die durch Massenkonsum gekennzeichnet ist). Technischer Fortschritt, rasch sinkende Energiepreise, eine wachstumsorientierte ® Vgl. Baacke, Dieter: Jugend und Jugendkulturen. Darstellung und Deutung. Weinheim und München: Juventa Verlag ^2007, S. 133f; Waechter, Natalia: Jugend und Jugendkulturen: In: Knapp, Gerald/Lauermann, Karin (Hg.): Jugend, Gesellschaft und Soziale Arbeit, S. 311f. ® Vgl. Waechter, Natalia: Jugend und Jugendkulturen. In: Knapp, Gerald/Lauermann, Karin (Hg.): Jugend, Gesellschaft und Soziale Arbeit. Lebenslagen und soziale Ungleichheit von Jugendlichen in Österreich. Klagenfurt-Laibach-Wien: Hermagoras Verlag 2012, S. 311f

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