Quo vadis, Jugendkultur

Ihl^Ö^-iA. ^ u^&LX'\ cMXut^A^^ ^ lOc^ Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Direktor, hochgeschätzte Damen und Herren Professoren! „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt" - mit diesem Leitspruch hat mein Interviewpartner Herr Kurt Apfelthaler die Lebensphilosophie der Alternativkulturen der 1970er und 80er Jahre umschrieben. Die Jugend von heute wird dagegen gerne als angepasst bezeichnet und mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie nicht mehr rebelliere oder protestiere. In meiner Arbeit habe ich nun versucht, den Unterschieden zwischen den Jugendkulturen der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts und den Jugendszenen 2018 auf den Grund zu gehen. Weil ich Sie, verehrte Kommission, nicht mit Details über die Jugendkulturen langweilen will, die Ihnen wahrscheinlich sowieso bekannt sind, möchte ich mich auf einige Aspekte beschränken, die ich bei meiner Recherche besonders interessant gefunden habe. Das Phänomen der Halbstarken in den 1950er Jahren wird im Wesentlichen als Aufbegehren gegen die damals noch sehr strengen, auf Gehorsam, Pflichterfüllung und Korrektheit ausgerichteten Strukturen in Familie und Gesellschaft gewertet. Im Gegensatz dazu haben die Jugendlichen von heute ein eher partnerschaftliches Verhältnis zur Elterngeneration und wesentlich größere Freiheiten als damals. Eine Rebellion auf dieser Ebene ist daher auch gar nicht mehr nötig. Die Studenten und die zeitlich anschließenden Alternativbewegungen mussten den Protest gegen die Autoritäten noch fortsetzen, sie forderten Mitbestimmung an Schulen und Universitäten, aber auch Basisdemokratie in politischen Belangen. Eine zusätzliche politische Dimension gewann ihr Protest in den Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, gegen Imperialismus, Kapitalismus, Konsumorientierung und gegen die Umweltzerstörung. Politisch war auch Punk, wie mir mein zweiter Interviewpartner, ein Punk der 80er Jahre, erklärt hat. Die Punkkultur ist im Wesentlichen in England ab Mitte der 1970er Jahre entstanden, und zwar als Protest gegen das Regime, das sie für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich machten. Berühmt wurden der Slogan „No future" und das große A auf ihren Lederjacken, das für Anarchie stand. Politische Lösungen wurden allerdings nicht angeboten, Punk war vielmehr destruktiv, was sie zum Beispiel mit Sicherheitsnadeln in der Nase oder in den Lippen recht plakativ zum Ausdruck brachten. Die Punks der 80er Jahre sahen „No future" vor allem im Zusammenhang mit der atomaren Bedrohung, aber auch der Umweltverschmutzung. Im Neuen Jahrtausend spricht die Jungendforschung nicht mehr von Jugendkulturen, sondern von einer unüberschaubaren und sich fortlaufend verändernden Jugendszenenlandschaft. Diese Vielfalt der Szenen steht im Zusammenhang mit Globalisierung, Individualisierung und Pluralisierung in den heutigen Gesellschaften. Populär sind aktuell Musikszenen wie beispielsweise Rap - der im Übrigen schon im vorigen Jahrhundert entstanden ist -, außerdem die Beauty- und Fashionszenen und die Sport- bzw. Fitnessszenen. Die einzelnen Szenen sind also auf spezielle Themen fokussiert. In der Mainstreamszene kann man Jederzeit ein- und aussteigen, man kann auch gleichzeitig in mehreren Szenen unterwegs sein, was zum Beispiel für die Punks und die Hippies undenkbar gewesen wäre. Die Punks verachteten die Hippies nämlich für ihre unrealistischen Träume von „Love, Peace and Unity". Die heutigen Szenen sind allesamt massentauglich und kaum noch politisch ausgerichtet. Die Jugendforschung führt das auf den steigenden Druck in unserer Konkurrenz- und Erfolgsgesellschaft zurück. Die Jugendlichen würden daher in ihrer Freizeit vor allem nach Ablenkung suchen, Protest sei im Wesentlichen kein Thema mehr.

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