Quo vadis, Jugendkultur

Mag. P.: Natürlich, ich kam damals irgendwann drauf, dass es eigentlich widersinnig ist, auf der einen Seite diese Betonung von Individualität und gleichzeitig war ganz klar, dass es ganz viele Regeln und No-Gos gibt, wie man sich zu geben, sich anzuziehen und zu sein hat. Irgendwann ist mir das zu blöd geworden. Ich dachte, natürlich habe ich meine Individualität, aber die besteht nicht darin, dass ich eine bestimmte Haarfarbe habe und die vielleicht jede Woche wechsle, sondern liegt wahrscheinlich wo anders, d.h. ich muss das gar nicht so nach außen tragen und wenn, dann brauche ich mich nicht irgendwelchen ungeschriebenen Gesetzen einer Punk-Szene zu unterwerfen, dass man eben bestimmte Sachen anzuziehen hat oder nicht anzuziehen hat oder auf eine bestimmte Weise anzuziehen hat. Angela Schatz: Hat es damals auch schon ein Markenbewusstsein gegeben? Mag. P.i Nein, definitiv nicht. Ein bisschen ist damals die Geschichte mit den Doc Martens aufgekommen, wobei ich mich dem auch immer verweigert habe. Ich habe immer spanische Fallschirmspringerstiefel gehabt aus dem Army-Shop. Markenbewusstsein wie in dem Sinn, wie es später kam oder jetzt Thema ist, war damals definitiv nicht. Angela Schatz: Gibt es heute noch so eine Punk-Szene, wie es damals war? Mag. P.: Ich frage mich das. Musikalisch bekomme ich schon mit, dass es immer wieder so Renaissance-Bewegungen gibt bzw. Weiterentwicklungen. Ich bin gerade jetzt wieder auf zwei Bands gestoßen, die ich zumindest interessant finde. Die eine heißt Shame, die andere sind The Idles, beides britische Bands. Die schauen ganz anders aus, also eigentlich normal, ein bisschen alternativ, machen Musik, die schon ziemlich klar aus dieser Ecke Punk kommt, vielleicht nicht so hart ist, wie das, was wir damals in den SOern gehört haben, vielleicht auch nicht ganz so verkrampft, weil ich denke, dass wir in Wahrheit ziemlich verkrampft waren, aber interessant. Inwieweit das jetzt eine Szene ist oder repräsentiert, wie sich die nennen, weiß ich nicht. Angela Schatz: Worum ging es in den Texten von Punk-Rock; ging es da auch um Sachen, wie Müll? Mag. P.: Ja, auch, ganz verschieden. Angela Schatz: Leitet sich Punk von Müll ab? Mag. P.: Ich glaube, da hat man sich eher selber gemeint. Die Musik, die ich damals gehört habe, hat im Wesentlichen irgendwelche Weltuntergangsszenarien zum Thema gehabt, Krieg, Tod, Verderben, zerstörte Umwelt, Selbstzerstörung. Angela Schatz: War das schon eher ernst oder gab es auch ironische Inhalte? Mag. P.: Es gab schon auch andere Bands, eine deutsche Band namens Normal, die galt eher als Fun-Punk-Band, die eher mit deutschen Texten sarkastisch war, zum Teil aber auch eher Trinklieder geschrieben hat, wo es eben um das Bier-trinken ging. Das zweite große Thema neben der Schlechtigkeit der Welt und Krieg und Untergang warTrinken und Party-gehen. Angela Schatz: Herzlichen Dank für die Zeit, die Sie mir geschenkt haben. Das Interview hat meine Arbeit an der VWA so viel interessanter gemacht. Mag. P.: Gerne!

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