Umfeld hängen geblieben und haben über Jahrzehnte hinweg nie wirklich mehr den Fuß auf den Boden bekommen. Angela Schatz: Waren das dann die so genannten Street-Punks, oder gibt es die erst jetzt, die auf der Straße Leute anschnorren und provozieren? Mag. P.: Nein, Street-Punks nicht. Angela Schatz: Haben Sie sich schon auch auf öffentlichen Plätzen getroffen, wo man Leute alleine durch das Aussehen schon provoziert hat? Mag. P.: Ja, wir haben viel Zeit damals in der Salzburger Innenstadt am Kapitelplatz bzw. am Alten Markt verbracht, wobei das eher so allgemeine Jugendtreffpunkte waren. In Salzburg war eine der Hauptproblematiken in den 80er-Jahren, dass es eigentlich keine wirklichen Plätze für Jugendliche gab, gerade für das Alter der 15- bis 18-Jährigen. Wir haben uns damals im Sommer viel auf öffentlichen Plätzen getroffen; im Winter war es zu kalt dafür. Der Kapitelplatz war aber kein ausschließlicher Punk-Treff, sondern da waren alle da, auch Hippies und Vespa-Fahrer und auch ganz Normale. Man wusste, wenn man dorthin geht, trifft man wen, den man kennt und mit dem man sich unterhalten kann und mit dem man etwas machen kann. Ähnlich war es am Alten Markt. Das hat aber nichts zu tun mit dem Phänomen der Street-Punks. Das ist erst später gekommen. Da hatte ich selber eher das Gefühl, dass das Sandler mit bunt gefärbten Haaren sind, wo ich für mich jetzt auch wieder nicht so einen Bezug herstellen konnte. Angela Schatz: Haben schon manche Punks eine Alkohol- bzw. Drogenkarriere hingelegt? Mag. P.: Ja, klar. Es sind auch viele gestorben. Ein enger Freund von mir, der zumindest eine Zeit in dieser Punk-Szene war, ist zwei Jahre darauf in Thailand draufgegangen. Ein anderer, nicht ganz so enger Freund von mir, hat sich im Suff angezündet. Da waren dann schon einige dabei, die wirklich gestorben sind bzw. sich umgebracht haben bzw. halt auch tatsächlich sich in Situationen begeben haben, aus denen sie dann nie mehr wirklich rausgekommen sind, weil sie halt dann solche Schulden hatten oder mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert waren, die aus einem langjährigen Drogenmissbrauch kamen. Angela Schatz: Ging es bei Ihnen schon auch um Gemeinschaft? Mag. P.: Ja, klar. Angela Schatz: Gab es damals nicht auch diese Disco-Welle, wo man sich treffen konnte? Mag. P.: Ja, aber genau das wollten wir ja nicht. Angela Schatz: Was war Ihnen sonst noch wichtig, z.B. bei den Äußerlichkeiten; ist die Inszenierung der eigenen Person im Mittelpunkt gestanden? Mag. P.: Ja, natürlich; für eine bestimmte Phase war das eigentlich im Vordergrund, für ein bis zwei Jahre bzw. gerade in der Spätphase des Gymnasiums, da ging es viel darum, mich zu inszenieren. Ich kann mich erinnern, dass ich damals beim Fortgehen eine halbe Stunde vor dem Spiegel stand und schaute, wie ich es schaffe, dass meine Haare wirklich schön stehen. Das war durchaus auch mit viel Aufwand verbunden, aber halt für eine bestimmte Phase. Angela Schatz: Kann man das mit der heutigen Zeit vergleichen, wo sich auch alles nur mehr um Herausstechen aus der Masse dreht?
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