Angela Schatz: Was waren eigentlich diese Chaostage? Mag. P.: Ich war da nie dabei. Ich glaube die ersten Chaostage waren in Hannover Mitte der 80er-Jahre, 1984 oder 1985. Ich bilde mir ein, da ist es u.a. auch darum gegangen, die Rivalität zwischen Punks und Skinheads ein Stück weit aufzuheben. So, wie ich es in Erinnerung habe, haben die Hannoveraner Punks und Skins gesagt, sie hören auf, gegeneinander zu kämpfen und als Ausdruck dessen machen sie ein gemeinsames Festival, eben die Chaostage, wo sie Bands einladen, sich gemeinsam die Konzerte anschauen und Leute aus ganz Deutschland sollten nach Hannover kommen und diese Konzerte genießen. Meiner Erinnerung nach hat das dann dazu geführt, dass dann hunderte oder tausende Leute nach Hannover fuhren, die dann relativ unmotivierte Randale gemacht haben und das scheint mit der Versöhnung zwischen Punks und Skinheads glaube ich auch nicht so gut funktioniert zu haben. Ich bilde mir ein, mich zu erinnern, dass das mit den Chaostagen durchaus auch vom Titel her gestimmt hat. Da dürfte es einiges an Auseinandersetzungen gegeben haben; ich bilde mir ein, mich an brennende Autos zu erinnern. Ich selbst war da aber nie dort und habe auch von dem, was ich gewusst habe, für mich beschlossen, dass das ohne mich stattfinden muss. Angela Schatz: Gab es Mädchen in der Szene? Mag. P.: Ja. Angela Schatz: Wurden die als gleichwertig akzeptiert oder waren die eher Anhängsel der Männer? Mag. P.: Beides; die Mädels in der Punks-Szene, vor allem die, die ich wirklich etwas näher kannte in der Salzburger Szene, bei denen würde ich bei allen 100 %ig unterschreiben, dass es um echte Rebellion gegen die Mütter und gegen Rüschenblusen ging und eine Perspektive als möglichst bald eine Familie zu gründen und Kinder zu kriegen. Da ging es auch viel um Abgrenzung gegen Frauenbild und das eigene Leben in die Hand nehmen. Das Verhältnis zu den Jungs war dann immer ein schwieriges, weil es einerseits viel um Autonomie ging, d.h. sich eben genau von einem Burschen nicht sagen zu lassen, wo es jetzt lang geht und unabhängig zu sein und eine starke Junge Frau zu sein und auf der anderen Seite kann ich mich aber auch erinnern, dass gerade dann wieder so Punk-Mädels ihre jeweiligen Beziehungspartner richtiggehend angehimmelt und vergöttert haben; das waren dann auch Musiker und es gab auch eine Art Groupies. Angela Schatz: Haben Sie zu der Zeit dann studiert und was? Mag. P.: Politikwissenschaften und Geschichte habe ich studiert, aber da war diese Geschichte dann schon eher am Auslaufen. Ich fing 1985 zu studieren an, habe das erste Jahr das noch sehr langsam gemacht. Im 1. Semester habe ich außer dem Einführungsseminar auf der Politik nicht wirklich etwas weitergebracht, weil ich eben auch in diesen Szenen drinnen war und das ganze Punk-Ding so wichtig war. Das hörte sich dann aber sehr schnell auf. Spätestens ab Mitte 1986 habe ich dann tatsächlich ernsthaft und mit Nachdruck studiert und habe mich ziemlich aus dieser Szene herausgelöst. Ich habe dann auch andere Leute gehabt, die ich über die Uni kennen gelernt habe und so hat sich das dann irgendwie verlaufen. Angela Schatz: Hat sich das vorher auch eher in der Freizeit abgespielt? Mag. P.: Genau. In meinem persönlichen Umfeld gab es aber auch andere, die quasi den Hintern nicht hochgekriegt haben; da ging es dann viel um Drogen, die sind dann ein bisschen in dem
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2