Quo vadis, Jugendkultur

Mag. P.: Klar, aber ich denke, das war grundsätzlich die Haltung - das ist heute auch nicht anders - in den 70er- und 80er-Jahren, dass es unsere Kinder einmal noch besser haben sollten als wir es haben und sich entwickeln. Mein Bild ist ein bisschen, dass bei vielen Punks, die ich kannte, da in Wahrheit auch der Aufhänger für die Rebellion war, also die Rebellion gegen die Eltern bzw. gegen die Pläne der Eltern für einen selber und die Ambitionen der Eltern, wie man sich entwickeln sollte. In meinen Erleben war es oftmals so, sowohl bei Jungs, als auch bei Mädchen, dass es da wesentlich insbesondere darum ging, gegen die Väter zu rebellieren, die halt zum Teil auch noch Prägung hatten, wo es um Recht und Ordnung und Ordentlichkeit ging und um Pünktlichkeit und diese ganzen alten bürgerlichen Tugenden. Meine Wahrnehmung wäre, dass es da nicht unwesentlich auch darum ging, in der Form über den Haarschnitt und die Lederjacke und die löchrigen Netzstrümpfe einfach gegen diese Form der Bürgerlichkeit bzw. Spießigkeit zu rebellieren. Angela Schatz: War Aggression oder Gewalt ein Thema? Mag. P.: In Maßen; in der Szene und auch in den Szenen in Linz oder Wien, wo ich Einblick hatte, war aktive Aggression nie Thema; da ging es nie darum, zu sagen „Jetzt ziehen wir los und schauen, dass wir irgendwen verprügeln". Zerstören war punktuell ein Thema, aber das war mir dann eher unangenehm, wenn dann einer angefangen hat. Ich kann mich an eine Situation erinnern, wo ich einmal mit einem Mittelalten unterwegs war und dereine dann auf ein Fahrrad, das irgendwo gestanden ist, gesprungen ist und die Felge verbogen hat. Ich dachte mir dann, dass das so blöd ist und was das soll und was der arme Fahrradbesitzer dafür kann. Abgesehen davon wäre das für mich jetzt nicht wirklich Thema gewesen, eher im Erleiden von Aggression. Ich habe doch einige Situationen erlebt, wo ich zB auf den Kirtag ging oder in einer Disco war und mich dann auf einmal mit irgendwelchen Menschen konfrontiert gesehen habe, die dann meinten, dass sie mir eine auflegen müssen oder mich sonst irgendwie angehen. Angela Schatz: Hat es damals auch konkurrierende oder andere Szenen gegeben, wo es dann zu Konflikten kam? Mag. P.: Natürlich hat es das, auch wiederum in größeren Städten; in Salzburg war das alles nicht wirklich Thema. Natürlich war die Rivalität mit den Skins. Ich habe das einmal erlebt, da war ich in München und habe ein Problem mit Skinheads bekommen, aber das war ein Einzelfall und relativ harmlos. Angela Schatz: Waren die Skins schon in der rechten Ecke? Mag. P.: Ja, aber noch nicht so eindeutig wie jetzt, das war noch differenzierter. Natürlich hat es die anderen Szenen auch gegeben, mit den Rockern dürfte es manches Mal nicht so einfach gewesen sein, aber das sind alles Sachen, die ich persönlich nie erlebt habe. Das Einzige, was ich kenne, ist ein Problem mit „normalen" männlichen Jugendlichen zu bekommen, insbesondere wenn sie dann schon ein paar Bier getrunken hatten. Angela Schatz: Haben die Punks kein Bier getrunken? Mag. P.: Schon, aber zumindest die, die ich kenne, haben da nie ein Problem gemacht. Angela Schatz: Ich habe gelesen, dass man sich durch diese andere Musik vom kommerzialisierten Rock 'n' roll auch abgrenzen wollte: Mag. P.: Natürlich.

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