nur mehr herumgehangen und haben sich diverse Substanzen zugeführt und mit Haus sanieren war überhaupt nichts und das Ding ist verrottet innerhalb kürzester Zeit. Da war ich dann schon 22 oder 23, das war für mich der Punkt, wo für mich klar war, dass es das nicht ist und die Attitüde in Richtung „Wir wollen anders leben und gemeinsam und gegen den Konsumwahn" ist alles lieb und nett, aber die Attitüde allein ist es dann auch nicht, sondern so, wie es da dann war, ist dann auch diese Punk-Attitüde eher für mich zum Vorwand geworden, den Hintern nicht heben zu müssen, um zu betonen, dass die Welt so schlecht ist und man sich deswegen in Selbstmitleid ergehen muss. Angela Schatz: In der Literatur steht jedoch, dass das eigentlich eine Spaßgesellschaft war im Sinne von Spaß an der Provokation: Mag. P.: Ja, da hat sich über den Lauf der Zeit auch etwas verändert. Die Geschichte war in den späten 70ern oder in den frühen SOern bis 1983 oder 1985 etwas Anderes als das, was dann später gekommen ist. Angela Schatz: War damals, wie das von England über Deutschland übergeschwappt ist, Arbeitslosigkeit ein Thema? Mag. P.: Ja, auch, aber wir waren in Österreich und ich wiederum war in Salzburg. Das war einfach eine andere Situation in den 80ern in Österreich im Vergleich zu Großbritannien, wo es ja wirklich die komplette Bergbauindustrie z.B. innerhalb von drei Jahren zugedreht wurde, wo es wirklich Massenarbeitslosigkeit gab. Die ganzen nordenglischen Industrieviertel waren komplett marode. Bei uns kam in den 80er-Jahren die verstaatlichte Industrie in die Krise und die Voest in die Krise, aber diese Form von flächendeckender Massenarbeitslosigkeit und kompletter Perspektivenlosigkeit hätte es in der Form in Österreich nicht gegeben und in Salzburg schon gar nicht. Angela Schatz: Haben Sie keine Sorgen über die Zukunft und über Ihr zukünftiges Aussorgen gehabt? Mag. P.: Abstrakt schon, das waren die ganzen Themen von wegen Umweltzerstörung, Krieg und in der Hinsicht, aber jetzt für meine konkrete Lebenssituation oder für mein konkretes Auskommen habe ich mir nie wirklich Sorgen gemacht bzw. Sorgen machen müssen und es wäre auch reichlich aufgesetzt gewesen, weil diese Form von wirklich desolaten Städten, wie es dann in Leeds oder in Manchester möglicherweise war oder in Glasgow, wo einfach ganze Stadtviertel letztendlich vor die Hunde gegangen sind, weil einfach die Industrie von dort weggezogen ist, das hat es bei uns nicht gegeben. Angela Schatz: Aus welchen Schichten rekrutierte sich überhaupt die Punk-Szene; war das die Arbeiterjugend? Mag. P.: Nein, das würde ich nicht sagen. Angela Schatz: Waren es Bildungsschichten, wie es in den 68ern war? Mag. P.: Ja, vielleicht irgendwo dazwischen. Die Leute, die ich kannte in Salzburg, das waren alles Kinder der unteren Mittelschicht. Die Eltern waren irgendwo Angestellte, möglicherweise Beamte, möglicherweise mit ein bisschen Besitz. Angela Schatz: Waren die Eltern aufstiegsorientiert; wollten die, dass es die Kinder einmal noch besser haben?
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