auch ein Stück weit darum gegangen, alternative Lebensformen zu finden, dass die Platteniabels gegründet haben, hatte u.a. auch damit zu tun, dass sie sagten, wir wollen aus dieser rein auf Hitparaden und Kommerzialisierung ausgerichtete Musikindustrie nichts zu tun haben, wir wollen unser eigenes Ding machen, wir wollen unsere Musik selbst machen und verwerten, wir wollen sie zu Preisen an die Leute weitergeben, dass sie sich das auch leisten können; da wurde dann auf die Platten geschrieben: „Darf nicht mehr als soundso viel kosten". Die Hausbesetzerszene der 80er-Jahre kommt auch dazu, die hat auch einen starken Bezug dazu gehabt. Das war zwar in Österreich ein relativ kleines Phänomen, war insbesondere in Deutschland - in Hamburg in der Hafenstraße bzw. in Berlin die ganze Hausbesetzer-Szene, die ja wirklich auch Netzwerke aufgebaut haben und kulturelle Szenen waren; da war Punk eine sehr wichtige Ausdrucksform. In Österreich ist das marginal passiert, damals hat es einzelne Hausbesetzungen in Wien gegeben, die Gassergasse war einmal ein Thema. Angela Schatz: Waren das unbewohnte Häuser? Mag. P.: Ja, die dann eben besetzt wurden, wo die Leute eine Zeit lang darin gewohnt haben und wo dann irgendwann die Polizei aufgetaucht ist und die Häuser geräumt hat, das Ganze mit jeweils einigem Hallo, weil die Leute natürlich nicht raus wollten. Das war dann meistens ein bisschen schwierig. Ich kann mich an die Gassergasse und an die Ägydigasse erinnern, jeweils auch mit erheblicher medialer Resonanz. Dort hatte überall Punk damit zu tun oder waren Leute mit Bezug zu diesen Punk-Szenen dabei. Angela Schatz: Waren das Häuser, die abgerissen werden sollten oder von Verfall bedroht waren; was haben die Eigentümer mit diesen Häusern beabsichtigt? Mag. F.: Ich weiß das jetzt nicht mehr im Detail; ich glaube, es ging damals darum, dass das Häuser gewesen wären, die abgerissen werden hätten sollen und wo man dann sagte, ma n soll sie stehen lassen und keine Bürohäuser daraus machen, sondern man braucht in der Stadt Wohnraum. Angela Schatz: War das nicht der Hintergrund von denkmalschützenswerten Bauten? Mag. P.: Nein. Anfang der 90er-Jahre hat es so eine Art Hausbesetzung gegeben, wo ich ein Stück weit involviert war, wo sich Ende der 80er-Jahre/Anfang der 90er-Jahre eine Gruppe von jugendlichen gefunden hat, die zwischen 17 und 22 Jahren alt waren, die eigentlich wohnungslos waren. Sie lebten zwar nicht in der Straße, sondern sind irgendwo untergekrochen. Die Wohnungssituation damals war sehr schwierig. Ich war in der Szene irgendwie mit drin; ich hatte zwar eine Wohnung, aber ich kannte die Leute. Damals hat es erst am Anfang Montagsdemos gegeben, wo einmal in der Woche demonstriert wurde in die Richtung, dass wir Wohnungen brauchen; da sind um die 50 Jugendliche durch die Stadt marschiert und sagten, sie brauchen eine Wohnung. Dann hat es sich ergeben, dass in Maxglan eine ehemalige leerstehende Autoreparaturwerkstätte war, wo man wusste, dass das irgendwann einmal abgerissen wird, weil es dort ein großes Neubauprojekt gab. Dann wurde das von den Jugendlichen besetzt. Sie wollten dort wohnen, bis das Ding niedergerissen wird. Sie haben daraufhin als Ersatz von der Stadt ein der Stadt gehörendes sanierungsbedürftiges Haus bekommen, wo dann die Idee gewesen wäre, das zu sanieren durch diese Jugendlichen selber, wo ich auch wiederum ein Stück weit beteiligt war, weil ich damals schon bei einem Verein war, der dann quasi die formale Oberhoheit über das Ding übernommen hat. Das ist dann grandios schief gegangen, weil unser Vertrauen in die Selbstorganisation dieser Menschen einfach komplett fehl am Platz war. Sie sind eben in dieses sanierungsbedürftige Haus eingezogen, binnen kürzester Zeit sind die dort
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