auch wirklich deutlich primitiver bzw. einfach wurden und das war damals mit meinen 15, 16, 17 Jahren auch das, was mich dann daran gereizt hat, also diese Härte, diese Kompromisslosigkeit zum Teil in der Abgrenzung; es ging viel um Männlichkeits-Rituale, um Wildsein, um zumindest den Eindruck zu erwecken, gefährlich zu sein und das hat mit dieser Strömung wunderbar funktioniert. Angela Schatz; Für wen wollte man gefährlich sein? Mag. P.: Es ging natürlich um die Abgrenzung gegenüber den Eltern, es ging natürlich auch ein Stück weit um die Elterngeneration, wobei ich lustigerweise dazusagen muss, in Wahrheit war ich selber ja jetzt auch gar nicht so unzufrieden mit meinem Leben. Ich war z.B. in der Schule gar nicht so schlecht und eigentlich überglücklich, dass ich in die Schule gehen konnte und habe das eigentlich sehr genossen. Vielleicht ging es da einfach um den Kick, um die Provokation und mit der Lederjacke in der Schule einfach einmal aufzumarschieren. Ich ging damals ins Akademische Gymnasium in Salzburg, wo die Irene Melot auch war, d.h. durchaus eine gutbürgerliche Schule, das war natürlich dann ein Stück weit lustig, dort in der Früh aufzukreuzen mit der Lederjacke und alle möglichen Menschen schlicht durch die optische Erscheinung zumindest zu irritieren. Es ging auch um Provokation. Angela Schatz: Haben Sie auch Kapitalismus-Kritik geübt? Mag. P.: Natürlich auch, es ging auch gegen Konsum- und Leistungsgesellschaft. Angela Schatz: War das eher aufgesetzt oder richtig? Mag. P.: Schon auch; in den 80er-Jahren ist das Umweltthema schon ein Stück weit dahergekommen, die ganze Geschichte mit dem Waldsterben; es war natürlich Thema diese ganze Ost-West-Konflikt-Thematik mit den Pershings und den SS-20-Raketen und dem Szenario, dass Europa ein Kriegsschauplatz zwischen Sowjetunion und USA werden könnte, war ja auch eines der zentralen Themen bei diesen ganzen Hardcore-Bands. Angela Schatz: War das nicht exklusiv von den Alternativen besetzt? Mag. P.: Nein, wobei es in dieser Hardcore-Punk-Szene oftmals eher wirklich um Weltuntergangsfantasien gegangen ist, also um das berühmte No Future, und zwar sehr konkretisiert auf die Kriegsgefahr, auf die atomare Bedrohung, zum Teil auch auf die Umweltsituation, eben Waldsterben; 1986 war dann Tschernobyl, was auch ein Stück weit in die Richtung ging und das war für mich ein bisschen der Hintergrund für so einen global gesellschaftskritischen Ansatz, von wegen es kann so nicht weitergehen, diese Konsumgesellschaft, diese auf Produktivität und Masse ausgelegte Gesellschaft wird unsere Lebensgrundlage zerstören, allerdings nicht wirklich sehr tiefgehend von der Analytik und der theoretischen Unterfütterung her, aber immerhin war es dann Grundlage dafür, dass ich mich dafür interessiert habe, Politikwissenschaften zu studieren. Angela Schatz: Waren die Punks schon auch politisch? Mag. P.: Klar waren sie politisch. Angela Schatz: Wollte man auch etwas verändern oder hatte man Ideen? Mag. P.: Schon, es hat ja auch dann immer wieder Entwürfe oder Ansätze zur Entwicklung von Alternativen gegeben. Gerade das, was in diesen Szenen rund um die KAPU passiert ist, da ist es
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