Quo vadis, Jugendkultur

ausdifferenzierter, hat mittlerweile auch viel mit Hip-Hop zu tun, aber auch da gibt es Kontinuitäten, weil zB Texta, diese sehr bekannte Linzer Hip-Hop-Band, die es schon seit 25 Jahren gibt, eine der wichtigsten österreichischen Hip-Hop-Bands kommt aus der KAPU. Einer von denen ist ursprünglich aus dieser Punk-Szene, war Mitglied bei einer Band namens Target of Demand, bis Ende 80er-Jahre und hat dann das Genre gewechselt und hat Texta gegründet. Damit wurden die dann groß. Da gibt es also eine Kontinuität in dieser Szene und ich habe das auch immer so wahrgenommen, dass dort in Wien oder insbesondere in Linz auch tatsächlich diese Szene lebt. In Salzburg war das immer ein absolutes Minderheitenprogramm, wo es einfach auch aufgrund der sehr, sehr geringen Zahl eigentlich auch keine Orte gegeben hat, die jetzt wirklich geprägt gewesen wären von dieser Subkultur. Wir waren immer ein kleines Grüppchen unter ganz vielen anderen und sind da eher ausgewandert. In Wien gab es natürlich diese Szene rund um das, wo z.B. Blümchen Blau hergekommen sind, aber auch die andere große österreichische Punk-Band Chuzpe aus den späten 70er-/frühen 80er-Jahren, aber den für mich bleibenderen Eindruck haben eigentlich fast die Oberösterreicher hinterlassen. Angela Schatz: Waren das dann eher diese Garagenbands? Mag. P.: Ja, genau. Da hat es auch eine Szene gegeben, wo sich Bands entwickelt haben, Target of Demand oder Die kalten Bauern, das war auch eine Linzer Punk-Hardcore-Band. Darüber hinaus merke ich gerade, dass schön langsam auch bei mir die Demenz zuschlägt. Angela Schatz: Punk ist erstmals 1976 in England mit den Sex Pistols in Erscheinung getreten: Mag. P.: Es gab schon Vorläufer, wie z.B. Iggy Pop oder Underground. Angela Schatz: War da die Szene anderes wie in Österreich; wie ist das übergeschwappt nach Österreich? Mag. P.: Über die 70er-Jahre kann ich nicht ganz viel sagen, weil ich da einfach selber noch zu jung war. Mein Bild ist, dass das, was mit den Sex Pistols in den 70ern passiert ist, halt über weite Strecken auch ein zwardurchaus lustiges, aber primär Modephänomen war. Ich bin damals dann irgendwann in den frühen 80ern, als ich 15 oder so war, nach London gefahren. Da war zwar dieser Sex-Pistols-Hype schon ziemlich vorbei, aber ich war dann in der Carnaby-Street, das ein Mode- und Bekleidungsszenen-Treff war. Dort hat man überall die Sex-Pistols-Devotionalien kaufen können, irgendwelche T-Shirts mit vorfabrizierten Löchern darin und so. Was ich damals eher skurril gefunden habe, weil das ja ziemlich klar war, dass das ein Mode-Ding ist und nett und lustig, dass man sich einmal so anziehen kann, aber der wirkliche Tiefgang ist mir zumindest in meiner pubertären Strenge dann ein bisschen abgegangen. Angela Schatz: War das damals also schon kommerzialisiert? Mag. P.: Natürlich, da hat es schon einen Teil gegeben, der eben ins Modische abgeglitten ist. Dafür hat es quasi die Gegenbewegung gegeben von diesen Hardcore-Punks, die so ab 19/811982/1983 dahergekommen sind, das waren auch dann die, an denen ich mich dann in weiterer Folge orientiert habe, eben die mit den Irokesen-Schnitten und den schweren Lederjacken, also wirklich diese gefährliche Optik im Gefolge von ganz vielen britischen Bands, zB Exploited, GBH, Discharge, lauter ziemlich harte Bands, wo sich auch die Musik geändert hat. Die Pistols und The Clash waren ja in Wahrheit noch relativ gemütlich auch von der Geschwindigkeit und von der Lautstärke her. Diese Bands sind dann dazu übergegangen, dass sie faktisch nur mehr im 2/4-Takt gespielt haben, um die Hälfte schneller die Lieder, da dann

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