Quo vadis, Jugendkultur

Blau, das muss 1981 gewesen sein; die haben im ORF-Studio in Salzburg gespielt und dort schaute ich mir das an und war höchst fasziniert. Angela Schatz: War das schon der typische Punk-Rock? Mag. P.: Was ist typischer Punk-Rock ist die Frage. Angela Schatz: in der Literatur steht, dass es ausreicht, wenn man ein Instrument halten kann bzw. wenn man drei Akkorde kann: Mag. P.: Das war natürlich die Attitüde, keine Frage, nur wenn man sich gerade Bands, wie The Ciash anhört, dann stimmt das einfach nicht. Das waren durchaus gute Musiker, die ihre Instrumente beherrscht haben. Wie bei vielen dieser ganzen Jugendbewegung bzw. der PunkGeschichte ist es halt oftmals um die Attitüde gegangen, die sehr in den Vordergrund gesteilt wurde, wo man dann möglicherweise, wenn man genauer hingeschaut hat, gesehen hat, dass das schon etwas Anderes auch noch ist und dass die Attitüde möglicherweise sehr überbetont wird. Die konnten also schon Musik machen und waren auch gut. Angela Schatz: Ist das schon eher Richtung Kommerz gegangen oder gab es andere „Garagenbands"? Mag. P.: Das war in den ganz frühen SOer-Jahren zumindest in Österreich noch nicht ganz ausdifferenziert. Das war ja ietztendiich ein Gemenge von Punk im engeren Sinn mit diesen 3Akkorde-Attitüden, aber einem Gutteil auch dessen, was da unter New Wave oder Neue Deutsche Weile gelaufen ist, war ein Teil davon ja durchaus mit Untergrund und Szenebezug, aber durchaus auch mit einem Bezug zu irgendweichen eher künstlerischen Szenen, die halt im Umfeld von irgendweichen Kunstakademie, Kunstschulen o.ä. waren, Peter Weibei beispielsweise war ja auch in dieser Szene aktiv mit seiner Band „Peter Weibeis Hotel Morphiia". Da war durchaus ein Bezug in eine Kunstakademien-Ecke hinein, das war insofern sehr heterogen, sehr vielfältig und hat sich dann eigentlich erst in Richtung Mitte der SOer-Jahre ein Stück weit ausdifferenziert, wo auf der einen Seite dieser bunt vielfältige Kunstszene-Bezug sich ausdifferenziert hat in andere Stiirichtungen und die wirklich harte Punkgeschichte dann auch sich unter dem Titel der Hardcore-Punks formiert hat, das waren dann die mit den Lederjacken und den Irokesen-Schnitten und den Springerstiefein. Das kam also erst ein bisschen später. Angela Schatz: Wo war hauptsächlich die Szene des Punks; wissen Sie ca., wie viele Leute da invoiviert waren bzw. wie viele Anhänger es gegeben hat? Mag. P.: in Salzburg war die Szene sehr überschaubar, das waren eine Handvoll Leute, vielleicht mit den Sympathisierenden 10 bis 15 Menschen, zumindest die ich kannte in den frühen bis Mitte BCer-Jahre. Wo es wirklich eine Szene gegeben hat, war natürlich in Wien, aber insbesondere auch in Linz, in Linz ist vieles rund um die Stadtwerkstatt passiert bzw. rund um das KAPU - dieses Jugendzentrum in der Kapuzinerstraße. Dort gab es eine ganze Reihe von Bands; die KAPU war wichtiger Konzertort. Wir fuhren dort immer hin, weil man dort einfach viele Bands gesehen hat, die nie auf die Idee gekommen wären, dass sie nach Salzburg kommen, insbesondere in der KAPU, aber auch in der Stadtwerkstatt. Dort gab es auch so etwas wie eine organisierte Szene, die dann auch Plattenlabels gemacht haben, die dann auch gezielt aus der Szene heraus Veranstaltungen gemacht haben und letztendlich eine Tradition ins Leben gerufen haben, die sich eigentlich raufzieht bis heute. Die KAPU gibt es noch immer, sie ist noch immer ein Szene-Kristallisierungs-Punkt. Mittlerweile sind die Szenen auch dort ein bisschen

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