Quo vadis, Jugendkultur

Angela Schatz: Ist es nicht so, dass man Angst hat, dass man nicht mehr im Berufsieben so leicht Fuß fassen kann oder nicht in Berufen, die einem vielleicht einen gesellschaftlichen Aufstieg sichern? Kurt Apfelthaler: Ich finde den Ansatz lustig, dass man es im Beruf ja schaffen will und dass man prominent oder bedeutend oder einflussreich sein will; der Österreicher ist glaube Ich der einzige Mensch in Europa mit der höchsten Sehnsucht, in die Pension zu kommen, also wozu das Ganze und dann auf einmal zu leben? Das ist wirklich lächerlich. Das ist nicht so wichtig, obwohl es anscheinend vollkommen in dem Menschen drinnen ist. Viel wichtiger ist, zu versuchen, ein Leben zu führen, das die Freiheiten anderer nicht einschränkt, aber die eigene persönliche Freiheit so groß wie möglich macht. Wenn man sich dann quasi halbiert, indem man in eine Beziehung geht, gilt das Gleiche und erst recht, wenn man heute Kinder bekommt. Das schränkt zwar scheinbar die persönliche Freiheit ein, weil man ja zugunsten anderer verzichten muss, schenkt einem aber wieder das Bewusstsein oder das Leben oder Ansichten anderer, die man vielleicht so nie gehabt hätte. Das Leben ist in Wahrheit ja so bunt und darauf sollte und darf man nicht verzichten, schon gar nicht, um den Willen anderer zu erfüllen; das soll sich die Waage halten. Wenn ein anderer bei mir beansprucht, ich soll 12 Stunden am Tag arbeiten und ich mache das gerne, ist das okay. Wenn er hingegen aber beansprucht, ich soll 12 Stunden am Tag arbeiten und ich bin mit 10 Stunden fertig und mache das längere Zeit, dann werde ich merken, dass ich einen Fehler bei mir selber mache. Zu meiner Zeit hieß es: Wer sich da nicht wehrt, lebt verkehrt. Angela Schatz: Ich bedanke mich recht herzlich für das Gespräch, in dem Sie die Jugendkultur der 70er und 80er so lebendig wiederauferstehen haben lassen, aber auch für Ihre interessanten Gedanken zur heutigen Jugend. Anhang 2 INTERVIEW mit Mag. P. geführt am 25.1.2019 in Salzburg Angela Schatz: Wann, in welchem Alter kamen Sie erstmals in Berührung mit Punk, was faszinierte Sie daran? Mag. P.: Das war ca. 1979/1980, also ungefähr mit 12, 13 Jahren. Das erste, an das ich mich wirklich erinnern kann, da gab es damals im ORF diese Jugendsendung „Ohne Maulkorb" und dort wurde berichtet von einem Live-Konzert von The Clash - eine der großen britischen PunkBands in Wien. Das hat mich damals sehr fasziniert. Das war der erste unmittelbare Kontakt. Angela Schatz: Waren Sie dann beim Konzert? Mag. P.: Nein, damals war ich dafür noch deutlich zu jung. Das erste Konzert, auf das ich dann ging - das war auch in diesem Kontext - war das Konzert der österreichischen Band Blümchen

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