elementaren Satz kaum bilden. Das persönliche Glücklichsein erringt man nur, wenn man mit anderen glücklich ist. Das gilt es vielleicht zu beachten, dass man sich selbst nicht so wichtig nehmen braucht oder soll und dass man sich nicht alles diktieren lassen soll, sondern dass es auch wichtig ist, wie viel man in einer Gruppe weiterbringt und was die Gruppe zusammenbringt, weil das klingt zwar altmodisch, aber das, was die Kids jetzt lernen, ist für die nächste Generation und übernächste Generation wichtig und so wichtig ist das auch, dass sie begreifen, dass sie schon auch Einzelindividuen sind, aber dass sie mit einer Gruppe gemeinsam ein Ziel erreichen müssen und nicht alleine. Angela Schatz: Würden Sie sagen, dass möglicherweise die Leistungsgesellschaft auch irgendwann an ihre Grenzen stoßen wird oder dass sich das einmal rächt? Kurt Apfelthaler: Rächen wird es sich auf alle Fälle, das sieht man bei der ganzen Klima erwärmungsgeschichte, also die ganze Umweltgeschichte ist eine einzige Rache der Natur. An dieser Omnipräsenz des Menschen überall, der glaubt, er kann noch seine persönlichen Vorteile aus dieser und dieser Situation erzielen, das ist die eine Geschichte, aber wenn man sich im Einzelnen nicht einig ist, kann man sich in einer Gruppe nicht einig sein. Ich hänge nach wie vor dem Gedanken an, dass man sich selbst nicht so wichtig nehmen braucht, dass das, gemessen an dem, was rundherum passiert, eigentlich überhaupt keine bzw. ganz, ganz wenig Bedeutung hat, ob ich jetzt etwas bin oder nicht bin, sondern wenn man wirklich etwas verändern will, das nur in der Gruppierung geht. Es gibt wenige Ausnahmen, die man ständig vor die Fernsehkameras zerrt, wie das kleine autistische Mädchen, das an der Umweltkonferenz ihre Meinung gesagt hat, aber was hat die vertreten, dass es falsch ist, dass einzelne glauben, dass sie ihren Willen durchsetzen müssen, sondern dass es nur alle packen. Das ist das Credo glaube ich, obwohl, wenn ich die Jugendlichen und die EU als großes politisches Gebäude sehe, dann sehe ich schon, dass es den Kids schon sehr bewusst ist, was das bedeutet, viel mehr als zu meiner Zeit, wenn es eine riesige Länder- oder Staatengemeinschaft gibt, die irgendwie versuchen, an einem Strang zu ziehen. Dort wird es als durchaus positiv begriffen, weil es nämlich diese Einschränkungen, die es vor 30 oder 40 Jahren gegeben hat für einen Studenten oder für einen Arbeiter, irgendwo in Europa Fuß zu fassen, ja jetzt nicht mehr so gibt und dass diese Freiheit auch Verantwortung bedeutet, aber bei der Verantwortung mangelt es vielleicht ein bisschen noch. Angela Schatz: Können Sie etwas zur Größe der damaligen Bewegung, der sie angehört haben, sagen oder war nicht der Großteil der Jugendlichen „Normales", die eben in den hergebrachten Strukturen geblieben sind? Kurt Apfelthaler: Wenn man es jetzt über eine größere Fläche, z.B. Oberösterreich, betrachtet, waren natürlich die so genannten herkömmlichen Jugendorganisationen schon um einiges größer, aber sonst hätten wir uns ja auch nicht alternative Jugendbewegung nennen dürfen, wenn wir genau so groß gewesen wären, darauf waren wir aber stolz und insofern war das ja auch eine Triebfeder, anders zu sein als alle anderen und als Jugendlicher will man sowieso anders sein und ja nicht so wie die Eltern, sondern man will ja eine eigene Persönlichkeit entwickeln. Lustig war für uns, natürlich haben die anderen uns argwöhnisch beobachtet und teilweise auch Dinge übernommen, die wir als Trendsetter gemacht haben, also dieses Aufbegehren hat dann schon ein bisschen mehr stattgefunden, speziell dann im bürgerlich christlichen Lager, also Jungschar und so, die haben sich sehr, sehr geöffnet aus meiner Wahrnehmung heraus, alleine das FlO war schon toll für die damalige Kirche in den 60er- bzw. 70er-Jahren.
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