Quo vadis, Jugendkultur

Schauspielerin und hatte am 24. noch ein Engagement und daher konnten wir nicht feiern und haben es eine Woche vorher gemacht. Ich stand mit meinen Töchtern da und war total zufrieden; was sie schaffen, ist toll. Angela Schatz: Hat die eine Tochter also auch den künstlerischen Weg gewählt? Kurt Apfelthaler: Ja, und kein Mensch hat ihr etwas in den Weg gelegt. Meinem Vater haben sie es in den Weg gelegt und mir auch, aber bei meiner Tochter sagte ich, sie soll es machen. Angela Schatz: Sie waren lange Obmann der Grünen Fraktion in Steyr; gab es da auch eine Jugendarbeit oder wie haben Sie das gesehen, dass die heutige Jugend allenfalls auch partizipiert oder sich engagiert? Kurt Apfelthaler: Die so genannte Partei-Jugend ist immer ein lustiges Kapitel, insofern, weil sich das oft auf ganz kleine Zeiträume beschränkt und dann die Leute wechseln. Das politische Bewusstsein bildet man angeblich mit dem 12./13. Lebensjahr aus und nimmt es dann mit bis zur ersten oder zweiten Enttäuschung. Mit 16 kommt man dann in diese Phase, wo man schon ein bisschen wer ist und dann will man sich artikulieren. Bei der Steyrer Jugend haben wir insofern den riesigen Vorteil gehabt, dass die unheimlich engagiert waren, aber mit diesen alten Strukturen, zu denen ich auch schon gehört habe, wenig angefangen haben. Sie wollten das nicht, sie wollten immer selbstständig sein, ein eigenes Lokal haben, wo sie sich artikulieren können und machen können; sie haben es bekommen mit dem Effekt, dass sie das innerhalb kürzester Zeit missbraucht haben für ihre eigenen Feste und ich mich immer gewehrt habe, dass ich ihnen da etwas hineinrede, aber das haben sie sich selbst kaputt gemacht. Sehr wichtig war, wenn man eine politische Meinung vertritt, dass man die kontinuierlich immer anpasst, aber trotzdem beibehält und dass es so etwas gibt wie eine langfristige Perspektive und das haben die Kids überhaupt nicht. Sie haben eine kurzfristige Perspektive, speziell wenn sie sich politisch in Steyr betätigen, sie haben das ein bis zwei Jahre vor der Matura und maximal ein bis zwei Jahre nach der Matura. Aber dann übersteigt der Leistungswillen das mehr oder weniger. Was von der Universität abverlangt wird - sie müssen studieren und die Eltern drücken drauf und dann gibt es kein Herumstehen mit irgendwelchen Plakaten; das ist einerseits schade und da sind wir bei dieser Entschleunigung aus meiner Zeit, da hatte man diese Muße beim Studium, dass man am Abend noch trinken ging und sich dachte, dann macht man die Prüfung eben im nächsten Semester, das wird heute gnadenlos durchgedrückt, dass man möglichst auch in der Mindeststudiendauer fertig wird. Das ist auch mithin ein Diktat, dem unterwirft man sich. In der Fachhochschule haben die überhaupt kein politisches Bewusstsein meiner Ansicht nach, also da passiert nichts. Wenn man denkt, wie viele tausend Studenten es in Steyr schon gibt, die nirgendwo auffallen. Die treffen sich am Abend und trinken eben ein paar Bier, aber eine politische Äußerung geben die nicht von sich, im Gegenteil, sie machen das, was man von ihnen verlangt, sie leisten. Angela Schatz: Werden in der Freizeit nur fachliche Diskussionen geführt? Kurt Apfelthaler: Genau, stinkfad, zum Gähnen fade. Angela Schatz: Was würden Sie abschließend der heutigen Jugend gerne auf den Weg geben; sehen Sie auch positive Seiten an der heutigen Jugend? Kurt Apfelthaler: Natürlich sehe ich auch positive Seiten. Es gibt so etwas wie soziales Engagement, nicht bei Jedem, aber das ist genau so wie früher. Man kann so etwas wie einen

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