Angela Schatz: Es wird oft geschrieben, man überträgt dieses Konsumdenken auf das Zwischen menschliche, was einem derjenige als Freund bieten kann oder wie kann man von dem profitieren, also eher Zweckgemeinschaften: Kurt Apfelthaler: Das stimmt. Damals war der höhere Zweck der damaligen Gruppierung das Gemeinsame, der höhere Zweck war z.B. ein Fett-Marsch zum Flammermeister hinaus oder eine gemeinsame Protestnote gegen den Wehrgraben-Abriss. Die höheren Zwecke damals waren ja idealistisch, d.h. es hat sich eigentlich aus den Einzelbedürfnissen dann ein gemeinsames Bedürfnis entwickelt. Das war der Unterschied zu heute, obwohl ich es nicht schlecht reden will, aber es ist so schwierig, mit 15 oder 16 die Füße auf die Erde zu bekommen und wenn ich in einer Gemeinschaft leben will - ich glaube, dass viel zu wenig Wert auf diesen Begriff Gemeinschaft gelegt wird, weil schließlich und endlich hat es ja die Familie oder man persönlich selbst geschafft. Der Begriff, dass alles irgendwie zusammenhängt, dass die Familie im Nebeneingang im Flaus auch eine Existenzberechtigung hat und auch versucht, irgendwie über die Runden zu kommen und auch irgendwie mit beiträgt zu einem gedeihlichen Zusammensein im Fiaus oder im Bezirk, ich glaube, dass das vielen nicht so bewusst ist. Man pflegt zwar Freundschaften, aber wenn es darum geht, über den eigenen Horizont hinaus Ideen zu entwickeln, dann wird es schon sehr spannend. Die meisten Eltern, die ich kenne, haben eher nicht so viel Freude, wenn man sich jetzt dezidiert politisch betätigt. Für sie ist Politik etwas, was „pfui gacki" ist, aber dass Politik im Grunde genommen schon von 30, 40 oder 50 Leuten gemacht wird, indem sie nackt baden gehen zur Steyr hinaus, das ist vielen Leuten nicht bewusst, weil es eine gemeinsame Idee birgt. Ich glaube, dass die gemeinsamen Ideen oft fehlen, weil so viel Individualismus herrscht, so viel Unabhängigkeit einerseits und auf der anderen Seite - sage ich jetzt als 68er - die Wirtschaft hat es schon blendend verstanden, die Leute irgendwie wieder einzufangen in den 70er-/80er-Jahren und sie am Gängelband immer süchtiger und süchtiger zu machen. Bei den eigenen Kindern - was jetzt meine persönliche Situation betrifft - haben wir es insofern ganz glücklich getroffen, indem wir sehr viel in der Natur draußen waren. In der Natur spielt so etwas wie die Frage „Will ich ein Polo-Leiberl von einer bestimmten Marke" keine Rolle. Von Kindesbeinen an waren wir im Bootshaus vom Verein und bei den Paddlern und haben uns dort Lagerfeuer gemacht. Das war damals eine Möglichkeit, das einzufangen, weil die Kinder dann den Blick irgendwie auf kleinere Details gerichtet haben, sie haben sich z.B. mit Steinen und Feuer gespielt und wir fuhren mit ihnen in den Tierpark usw., das ist nicht das Allheilmittel, aber es war insofern eine Geschichte, wo wir dann dem Dauerfernsehen ausgewichen sind, dann eine Erlebnismöglichkeit geboten haben, wo sie sich selbst etwas gestalten konnten oder selbst etwas entwickeln konnten. Natürlich kam bei der Älteren mit 14 oder 15 dann die Zeit, da waren wir viel in Frankreich, als die Champs-Elysees in Paris eine Traumgeschichte für sie war, weil sie da von einem Modegeschäft ins andere ist und wir hinten nach, aber das war eine kurze Phase. Jetzt sehe ich, dass alle meine Töchter diesen Drang in die Natur hinaus auch haben und den auch verwirklichen und dass sie in vielen Dingen diesen Konsumzwang nicht mitmachen, weil sie ihn nicht brauchen. Sie sind gut angezogen, die eine ist schon verheiratet, die andere noch nicht, aber sie haben alle eine gute Ausbildung absolviert, sie sind glaube ich auch sehr sozial kompetent, das finde ich auch wichtig, aber auch weil wir viel in den Gruppierungen unterwegs waren, wo auch andere Kinder waren, die sich duelliert haben, aber die Eltern das vielleicht viel gelassener gesehen haben, also die nicht sofort Partei ergriffen haben, um ihre eigenen Kinder zu schützen, was ja bei den Kindern dann immer auf eine komische Reaktion trifft. Ich bin ehrlich total glücklich; ich war jetzt dieses Wochenende mit meiner Tochter in Heidelberg, wir haben schon Weihnachten gefeiert; sie ist Theater-
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