Quo vadis, Jugendkultur

1. Begriffe 1.1 Jugend Mit der Institutionalisierung der Jugendforschung an der Wende zum 20. Jahrhundert wurde die Jugend erstmals in sozialer, ökonomischer und kultureller Hinsicht als eigene Lebensphase begriffen. Ihr Beginn wurde damals generell mit der Pubertät, das Ende mit dem Eintritt in das Berufsleben und/oder mit der Heirat angenommen. Diese strenge Definition ist nach den Erkenntnissen der neueren Jugendforschung nicht mehr haltbar. Der Beginn der Pubertät ist bedingt durch unterschiedliche körperliche, psychische und soziokulturelle Reifungsprozesse individuell unterschiedlich, im Allgemeinen früher anzusetzen, während sich das Ende der Jugend vor allem durch längere Ausbildungszeiten und prekäre Arbeitsverhältnisse^ immer mehr nach hinten verschiebt. Letztere führen dazu, dass viele junge Menschen weiter auf finanzielle Unterstützung seitens der Eltern angewiesen sind. Auch mit Heirat und Familiengründung warten sie statistisch gesehen länger zu oder bleiben überhaupt Single. Während dieser Statusinkonsistenz^ ist ihr Lebensstil weiterhin als jugendlich zu bezeichnen"*. Um die Jugend grob als Altersgruppe erfassen zu können, kann man sich an den mittlerweile 17 Mal durchgeführten Shell-Jugendstudien orientieren; 1953 wurden 15- bis 24-Jährige, bei der letzten Studie des Jahres 2015 die Altersgruppe der 12- bis 25-Jährigen befragt. Außerdem sei auf die österreichische Jugend-Wertestudie des Instituts für Jugendkulturforschung aus dem Jahre 2011 verwiesen, die auf das Segment der 24- bis 29-Jährigen fokussiert war. ^ Kennzeichen prekärer Arbeltsverhältnisse sind u.a. niedriges, nicht kontinuierliches Einkommen, Flexibilisierung der Arbeitszeit, geringe Arbeitsplatzsicherheit und dadurch erschwerte materielle Existenzsicherung (vgl. http://www.iaq.unidue.de/aktuell/veroeff/2009/weinkopf_Prekaere_Beschaeftigung.pdf, 20.2.2019) ^ Statusinkonsistenz hier: Auseinanderfallen von verschiedenen, für den Erwachsenenstatus als grundlegend betrachteten Aspekten wie z.B. finanzielle Unabhängigkeit und eigener Haushalt (vgl. Heinzimaier, Bernhard/Ikrath, Philipp: Generation Ego. Die Werte der Jugend im 21. Jahrhundert. Wien: Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft mbH 2013, S. 14f) " Vgl. Ferchhoff, Wilfried: Jugend und Jugendkulturen im 21. Jahrhundert. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften ^2007, S. 86-91; Heinzimaier/Ikrath: Generation Ego, S. 10-15

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