Standard erreichen werden wie die Eltern erreicht haben, weil es einfach in der Wirtschaft immer härter wird und dadurch keine Ideale mehr entwickeln können, vielleicht dann auch so viel damit beschäftigt sind, dieses Steigerungsspie! mitzumachen, dass sie für zB politische Ambitionen gar keine Energie mehr haben: Kurt Apfelthaler: Das trifft es glaube ich schon. Zu meiner Zeit war anthropologisch eh schon tausend Mal fundiert, dass eigentlich die Kraft und die Geborgenheit in einer Gruppe ist, egal wie groß, aber ein Mindestmaß an Gruppe muss sein, man kann es auch herunterbrechen auf Familie, aber als Individuum haben wir in der Wildnis kaum eine Chance, wenn, dann in der Herde, aber das Herdendasein ist ein Dasein, wo man sich gewissermaßen unterordnen muss, um für einen höheren Zweck quasi für Fortbestand zu sorgen. Das ist heute nicht mehr so notwendig scheint es und andererseits total notwendig aus meiner Sicht heraus. Heute ist es so, dass das Fortkommen gesichert scheint, ob mit Mindestsicherung oder anderen Möglichkeiten, aber diese pure Armut, wo einer überhaupt nichts mehr hat, findet ganz, ganz selten statt. Da gibt es ein soziales Netz, das viele oder fast alle auffängt. Daran kann es also nicht liegen, trotzdem sind die Leute alle Einzelindividuen, die glauben, alles alleine schaffen zu können und das spielt es glaube ich nicht. Das macht, abgesehen von einer ständigen Konkurrenzsituation auch insofern unglücklich, weil man sich mit niemandem reflektieren kann. Es reflektiert auch keiner auf einen, der sich isoliert. Das ist quasi ein Merkmal aus der damaligen Generation: dieser Individualismus, der damals geprägt war, war eigentlich ein Individualismus der Selbsterfahrung, was meinem Körper alles zuzumuten ist, siehe diverse Rauschmittel und bewusstseinserweiternde Drogen und was man selbst aus sich heraus schaffen kann, also Begegnung in der Natur mit Wanderungen, Wassersport etc. oder wozu man fähig ist als Musiker z.B.. Angela Schatz: Wollte man schon die eigene Persönlichkeit entwickeln und nicht eben alles dem eigenen Fortkommen oder einem Markt unterordnen, wollte man schon die eigene Kreativität und Talente fördern? Kurt Apfelthaler: Genau, unbedingt, aber was nutzt das als Rufer in der Wüste, also was nützt es, wenn ich heute Gitarre spielen kann, aber ich kann es keinem zeigen. Man ist damals in einer Gemeinschaft verankert gewesen und ist man außerhalb dieser Gemeinschaft gestanden, durfte man sich nicht wundern, dass man Einzelgänger war und dass einem das auch zu schaffen macht, also hat man diese Freundschaften und diese gemeinsamen Zusammenkünfte gesucht, hat etwas beigetragen, ist halt ab und zu zurechtgewiesen worden, wenn man über die Stränge geschlagen hat, aber das war immerhin noch angenehmer als wenn man es von daheim gehört hat. Somit hat man sich gestaltet, sein eigenes Leben herum hat sich langsam geformt, die Familien sind dann gewachsen und man hat dort weitergewirkt. Am Anfang waren die Versuche ja himmelschreiend lustig, aber das hat sich mittlerweile über die Jahrzehnte auch abgeflacht. Das Leben z.B. in der Kommune mit drei jungen Paaren und dann das Kinderkriegen usw., wo halt drei Ehepaare miteinander gelebt haben, das war auch ein interessanter Versuch, war aber auch zum Scheitern verurteilt, weil irgendwann gefällt einem das halt nicht mehr. Jetzt ist es so, dass es ein Leben von Kindesbeinen an ohne - ich weiß auch nicht, ich habe immer das Gefühl, alle bekommen alles, aber wie begegnet man dem, wenn man weiß, dass einen eigentlich dieses Abhängigmachen vom Konsumdenken auf Dauer unglücklich macht, well man ja das und das dann auch noch will und das spielt es eben nicht immer. Weil sich das auch zwischenmenschlich abbildet, also man will jetzt diese eine Frau oder diesen einen Mann oder in einer Gemeinschaft der oder der werden.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2