wenn sie es dann nicht mehr bekommen, versuchen sie nach wie vor zu entsprechen, also sich anzupassen an die Forderungen der Wirtschaft. Damit werden sie automatisch zu Sklaven. Das war damals unser Ansatz, je mehr wir uns der Wirtschaft und ihren verführerischen Produkten unterwerfen, umso mehr wird man Sklave und wir machen genau das Gegenteil; wir machen unser Essen selber, wir machen unsere Basiskultur selber, wir machen unsere Musik selber, wir wollen nicht die Sklaven des Kapitalismus damals sein. Das führte zu sehr viel Eigenständigkeit, aber auch zu einer eigenen Gelassenheit und zu einem eigenen Weltverstehen. Es gab damals ganz wenig Flohmärkte und damals sind die wirklich aus dem Boden geschossen. Dieses Recyceln von Dingen, die im Grunde genommen wertvoll sind und das Mitnehmen und das komische Teil dann in der eigenen Wohnung irgendwohin zu stellen als Ruf aus einer alten Zeit, aber trotzdem einen gewissen Wert zu haben und nicht weggeworfen zu werden und durch Neues ersetzt, das ist damals eine Idee gewesen, die man weiterverfolgt hat. Angela Schatz: Würden Sie das schon so sagen, dass dann die jetzige Elterngeneration durchaus auch die heutige Jugend dahingehend geprägt bzw. das verursacht hat, dass die heutige Jugend eher egoistisch eingestellt ist und Konkurrenz ein wahnsinniges Thema ist oder dass sich die Jugend auch vom Beruf in die Freizeit flüchtet? Kurt Apfelthaler: Ich will jetzt nicht eine ganze Generation schlecht machen; ich könnte es insofern vielleicht abmildern, indem ich sage, dass damals auch aufgrund des Mangels an finanzieller Ressourcen der Individualismus und das Zurückziehen auf die eigenen Möglichkeiten, was man selber zusammenbringt ohne bzw. mit wenig Zutun von irgendwem anderen und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit heraus, dass das vielleicht heute insofern ein bisschen in den Hintergrund geraten ist, weil das Angebot rundherum derartig verlockend ist, dass man sich eigentlich gar nicht mehr die Zeit nimmt für sich selber, sondern einfach für den Glücksmoment auf irgendetwas zugreift, was einem angeboten wird und man kann es, weil man ja genug Geld hat. Das Spannende war für uns immer die Erkenntnis, dass diese oft verzwickten Feste, die unsere Eltern mit anderen Erwachsenen gefeiert haben, dass es immer sehr nach Regeln und gesellschaftlichen Statuten abgelaufen ist, dass sich das in ärmeren Kreisen aufgelöst hat. In ärmeren Kreisen hat man ganz anderes gefeiert, aber oft aus unserer Sicht viel herzlicher und viel ehrlicher. Es ist auch sehr viel an dummen Dingen dort passiert, genauso wie auf der anderen Seite, aber es war für uns insofern zugänglicher, weil wir dort mehr anerkannt waren und uns weniger Regeln unterwerfen mussten als in den Kreisen unserer Eltern. Heute ist das vielleicht ähnlich, dass die Erkenntnis, dass viel Geld nicht glücklich macht, nach wie vor gilt, sondern dass die individuellen Eigenschaften und das Gemeinschaftsgefühl, das war eine wichtige Geschichte damals, dass es das nach wie vor weiterzuentwickeln gilt und wenn man das nicht tut, wird man immer versuchen als Alleinstehende oder als Einzelindividuum sich selbst zu beglücken, weil ich ja irgendwie lustig und glücklich sein will und wenn man das im Rahmen einer Gemeinschaft nicht sein kann, weil ich mich fürchte oder weil ich keinen Einstieg habe, dann wird man immer schauen, dass ich es selber mache, was dazu führt, dass viele Menschen heute glaube ich ziemlich vereinsamt sind. Sie sind zwar finanziell gut ausgestattet, aber mir fällt schon auf, dass viele Leute einsam sind und dass sie vielleicht mit dem Zustand nicht so glücklich sind und dass sie sich umgekehrt dann wiederum auf ihre Kinder stürzen und die bis zum 30. oder 40. Lebensjahr begleiten. Angela Schatz: Viele Jugendforscher von heute sagen, dass die heutige Generation verunsichert ist, weil ihnen von den Eltern gesagt wurde, dass sie auf sich selbst schauen müssen und dass sie die anderen alle als Konkurrenz betrachten und möglicherweise aber doch nicht den
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