Anerkennung usw. war, das haben sie uns damals mitgeteilt, weil das ein relativ offener Rahmen war, wo jeder reden konnte. Angela Schatz: Hat man das im Fernsehen damals nicht gezeigt? Kurt Apfelthaler: Nein, das war ein anderes Weltbild, damals war die Frau die Göttin, die einerseits so unangreifbar war, auf der anderen Seite musste sie machen, was der Mann sagt. Das ist damals schon sehr infrage gestellt worden, da gab es ein paar resolute Frauen, die sagten, dass das gar nicht in die Tüte kommt. Damals ist auch die Frauenbewegung in Deutschland gewesen, z.B. Alice Schwarzer, das waren bei uns lauter Unbekannte. Angela Schatz: War damals schon das Recht auf Abtreibung? Kurt Apfelthaler: Ja, das ist auch nach Österreich übergeschwappt. Es gab einige Fälle von Frauen, die ihre Kinder nicht wollten, das ist dann interessanterweise so geregelt worden, ich weiß aus zwei Fällen, wo ich mit den Frauen nach Ried fuhr, da gab es so etwas wie eine Abtreibungsklinik, die das so gemacht haben, obwohl es illegal war. Das waren richtige Ärzte. Ein Gutteil dieser Bewegung damals waren ja keine Armen, die hatten immer die Rück versicherung der Eltern, das war ganz wesentlich. Der Großteil waren Studenten, Lehrlinge, die waren alle in irgendeiner Art und Weise versorgt. Angela Schatz: Setzte man auch Initiativen, die Gesellschaft zu verändern? Kurt Apfelthaler: Ja, pausenlos, wir waren quasi die schwarzen Schafe in Steyr, uns hat man mit Argwohn gesehen, weil wir uns damals mit durchgesetzt haben gegen das rote Establishment in Steyr und wir haben bei jeder Gelegenheit die Stimme erhoben, einfach auch durch diese Zeitung. In Steyr gibt es diese Zahnarztvilla Huber, der damals einen Turm aufgezogen hat, darüber haben wir uns damals echauffiert. Wir haben Bezug genommen - das war eine wichtige Geschichte - die Jugendlichen durften damals nirgendwo mitreden, also vor uns, sondern die Alten haben das Leben gestaltet. Die Jugendlichen hatten zu parieren mit dem Geschenk, dass sie nachher dann quasi eine Existenz aufbauen können. Wir sagten immer, so geht das nicht, wir wollen jetzt, wo wir anfangen, ein gesellschaftliches Bewusstsein zu entwickeln, dann wollen wir auch mitreden, wir wollen praktisch keine vorgeformte Welt, sondern wir wollen mitreden und diese Welt mitgestalten. Das war mit eine Geschichte, die damals hochgebrodelt ist, weil uns vieles nicht gepasst hat und wir haben das halt deklariert. Oft fielen wir auf die Schnauze, weil wir falsch gelegen sind, aber in vielen Dingen lagen wir richtig, das hat uns natürlich angespornt, weiterzumachen und das waren auch die ersten Anfänge einer alternativen politischen Bewegung, wo man sagte, das Establishment interessiert uns eigentlich nicht, sondern wir wollen da mitgestalten und wir wollen es anders oder- wie jede Partei - besser machen. Das war damals die Gründung der ALÖ, also der Alternativen Liste, was dazu führte, dass 1983 die Grünen Steyr aus der Taufe gehoben wurden. Das war insofern auch für mich interessant, weil eine politische Bewegung sich auch auf eine gewisse Menge von Leuten stützt, die in irgendeiner Weise dann Einfluss nehmen können. Für uns wäre damals der Einzug in den Gemeinderat eine Möglichkeit gewesen, unseren eigenen Vorstellungen mehr Gewicht zu geben. Bei den anderen Parteien haben wir uns nicht vertreten gefühlt. Angela Schatz: Können Sie diese Vorstellungen noch definieren; wollte man z.B. Bildung forcieren oder Umweltschutz?
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