Natur draußen waren, auch provokant, zB in Rosenegg Nacktbaden war damals eine Erfindung von uns. Angela Schatz: War das auch eine sexuelle Revolution? Kurt Apfelthaler: Sexuell war das gar nicht; interessanterweise genau das Gegenteil, dass die Frauen aus Männersicht mit Badeanzug viel interessanter ausgesehen haben als wenn sie nichts an hatten, aber das Wichtige war, einfach zu zeigen, wir sind da und haben das Ding jetzt besetzt und es kommt da keiner, weil dort 20 Nackte waren und wir das besetzt haben. Das hat dazu geführt, dass ab und zu die Polizei kam, weil einige entrüstete Großmütter, die mit ihren Enkeln im Wald waren und uns gesehen haben, uns auch angezeigt haben, aber es hat zu nichts geführt. Die damalige Polizei war mit anderen Dingen viel lieber beschäftigt als einige Nackte durch den Wald zu jagen, das fand ja auch statt. Angela Schatz: War Provokation da nicht so das Thema? Kurt Apfelthaler: Nein, Provokation nicht, sondern Lebensgenuss und auch diese Verbindung mit der Natur, so wie man geschaffen ist, dieser Überidealismus, der quasi da stattgefunden hat, diese tagelangen Wanderungen durch Waldgebiete und solche Sachen, das war schon eine äußerst interessante Geschichte. Angela Schatz: Waren freie Liebe oder Leben in Kommunen nicht so Thema bei ihnen - im Gegensatz zu den Hippies? Kurt Apfelthaler: Es hat stattgefunden, aber nicht aus ideologischen Gründen. Die Erfindung der Pille hat ja viel revolutioniert, aber die Sache der Frau ist erst so schrittweise gekommen, diese Emanzipation haben wir erst schrittweise erfahren. Die Frauen haben sich damals schon mehr deklariert und gesagt, was Sache ist, aber das war ein Lernprozess, der ganz langsam stattgefunden hat. Es war so selbstverständlich, dass wir darauf gar nicht geachtet haben. Angela Schatz: Haben die Frauen sehr wohl auch ihre Ansichten vertreten und wurden auch als gleichwertig und nicht nur als Anhängsel empfunden? Kurt Apfelthaler: Genau, ja, sie haben ja wertvolle Einsichten und Beiträge geliefert, die für uns ja nicht selbstverständlich waren, auch was das Sexuelle anbelangt. Man machte sich damals ja wenig Gedanken, ob eine Frau jetzt schwanger wird oder auch nicht. Man war dann irgendwie konsterniert, dass sie es dann wirklich wurde, aber viele haben ihre Beziehung aufrechterhalten und sich nicht vertschüsst. Die Frau hat das - zumindest aus unserer Sicht - dann viel mehr steuern können mit der Pille, obwohl diese so genannte sexuelle Freiheit ja vielleicht ein bisschen stattgefunden hat, aber ich habe dazu eigentlich keine besondere Wahrnehmung, weil für mich das sowieso eine Revolution war; gegen mein christliches Elternhaus war das Nacktbaden an der Steyr der volle Wahnsinn, ergo dessen habe ich es dann auch genossen. Das Bild mit dem Huhn in dem Buch ist übrigens retuschiert. Von den Idealen her - und das waren die zarten Anfänge der Grün-Bewegung - war dieses Leben im Einklang der Natur, was wir verstanden haben, wir wurden ja oft belehrt von denen, die aus den Tälern herauskamen, dass wir in manchen Dingen vollkommen blöd sind, weil die das ja schon seit Jahrtausenden so anders gesehen und gelöst haben und wir das jetzt neu erfinden, was z.B. Baumschlagen oder Mähen oder die Mild betrifft. Wir haben weniger vergiftete Nahrung gehabt wie manche Städter. Dann hat es auch diese veganen Bewegungen gegeben, die dann komplett fleischlos leben wollten, aber das waren im Grunde genommen alles Experimente.
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