Quo vadis, Jugendkultur

Geschichten, die mit den Steyrer Werken im Zusammenhang standen. Die Staatspolizei hatte ja eine große Gruppe, einfach auch als Werks- und Spionageschutz; die hatten natürlich Potential frei und es gab eine Reihe von Polizisten, die Kontakt hatten zur Basiskultur. Das war ein relativ entkrampftes Verhältnis; sie sagten, wenn wir schauen, dass dort unten keine Orgien stattfinden oder Rauschgift gedealt wird, dann haben wir eine Ruhe vor ihnen und so war es auch. Aber dass das Experimentieren mit Drogen an der Tagesordnung war, zumindest in diesen Kreisen dort unten, das war auch klar. Angela Schatz: Nahm man diese Drogen zur Bewusstseinserweiterung oder weil man geflüchtet ist vor der Realität? Kurt Apfelthaler: Beides würde ich sagen, aber aus meiner persönlichen Sicht heraus war es einfach für Jugendliche nicht möglich, das auf die Reihe zu bekommen, dieses unheimliche Potential an Freiheit, das plötzlich zur Verfügung gestanden ist, haben viele nicht realisiert, dass man trotz einer Freiheit trotzdem einen Weg und eine Spur braucht. Viele Jugendliche hatten Probleme mit ihren Eltern und die diese Probleme quasi über diese Mittel kompensiert haben, versucht haben, wegzurauchen oder wegzutrinken. Das gaben uns die Humanisten mehr oder weniger mit, dass die Freiheit schon toll ist, aber andererseits der, der für alles offen ist, nicht ganz dicht sein kann. Es brauchte schon so etwas wie ein Quäntchen Eigenverantwortung, auch dem anderen gegenüber, damit das Ganze funktionieren kann. Das war eigentlich im Einklang, das wusste jeder. Man wusste, Leute die dealen, denen sagte man vor dem Eingang, er kommt heute nicht herein; das ist übrigens ein Brauch, der bis zum heutigen Datum beim Röda auch stattfindet. Die sind sehr dahinter, dass die Kids keinen Schnaps bekommen und dass die Kids dort drinnen kein Rauschgift nehmen usw.; was vor der Haustür passiert oder wie sie sich vorher Standgas geben, kann man sowieso nicht steuern, aber das Gefühl einer Heimat jenseits des elterlichen Hauses zu bieten, war damals schon eine große Geschichte. Angela Schatz: Haben dort auch andere Gruppierungen und nicht nur die 68er-Generation verkehrt? Kurt Apfelthaler: Ja, wir hatten oft Besuche vom jetzigen Bürgermeister in damals jugendlichen Jahren, Gewerkschaftler, die waren dort unten und schauten sich das an. Es gab natürlich Kontakte zur ÖVP im Zuge der Wehrgrabengeschichte. Den Wehrgraben haben ja viele gerettet und die Basiskultur auch. Wir haben die Plakate geschrieben usw., die anderen haben das auf parlamentarischer Ebene in der Gemeindestube mehr oder weniger thematisiert. Damals war es so, dass die ÖVP eigentlich dafür gewesen wäre, wie sie dann merkten, dass sich der Wind ein bisschen dreht, wie dann das Bundesdenkmalamt von der Geschichte erfuhr und es hieß, so geht das nicht, dass man den Wehrgraben kaputt macht, hat sich das auch gedreht und damals hat es einige ÖVP-Funktionäre gegeben, an Karl Holub kann ich mich noch erinnern, die da in die Basiskultur kamen und sagten, sie sind jetzt eigentlich dagegen. Natürlich hat man das als Chance gewittert und die ÖVP damals auch, dass man der Sozialdemokratie eins auswischt, was ihnen letzten Endes dann eh gelungen ist, aber da hat damals das Bundesdenkmalamt gesagt, der Wehrgraben muss erhalten bleiben. Dann gab es auch den Bürgermeisterwechsel von Weiss auf Schwarz und Schwarz war eben menschlich anders als Weiss. Weiss wollte damals sogar die Glocke des Rathauses abstellen, weil er gegenüber gewohnt hat. Da haben wir ihm auch ein Plakat auf die Tür geklebt. Angela Schatz: Waren sie nicht eher Angehörige einer alternativen Bewegung?

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