Kurt Apfelthaler: Ja, aber in den 70er-Jahren gab es eine Unmenge von leerstehenden Gebäuden, außer die Hack-Werke und die sind 1983 oder 1982 in Konkurs gegangen. Dort ist jetzt das Museum Arbeitswelt. Die haben sich irgendwie verspekuliert, weil auch aufgrund der aufstrebenden Wirtschaft sehr viel auch importiert worden ist. Hack sagte damals, er kann gegen die chinesische Billigware nicht mehr existieren. Er gab damals auf, d.h. dieses Gebäude stand auch leer. Darum glaubte man, man muss das alles wegreißen und etwas Neues machen. Dass das Ganze aber ein Gesamtkunstwerk ist, hat man nicht gesehen, was auch der Klassiker ist, weil wenn man im Wald ist, sieht man die einzelnen Bäume nicht mehr. Man sagte, man kennt das eh alles schon und das ist ein Zeichen der Armut und man will jetzt moderne, trockene Wohnungen, nicht wo das Klo am Gang ist, sondern eine gewisse Qualität. Damals war auch die Bewegung der Jugendlichen, also meiner Generation und vielleicht noch ein bisschen früher, die schon über Geld oder über Erbschaften verfügt haben, die sagten, genau dort wollen sie wohnen und den Mittelpunkt ihres Lebens haben, weil das Qualität hat, das Wasser, die alten Gebäude, der Charme usw. und auch ein bisschen das Morbide, was dort unten geherrscht hat. Dann hat es einen Bevölkerungsanteil gegeben, wo man heute sagen würde, das sind die Menschen, die es nicht weiter gebracht haben, sondern die sind in den Wohnungen ihrer Eltern geblieben und haben eine eigene Kultur dort unten entwickelt. Dem wollte man damals auch begegnen in dem sozialdemokratischen Weltbild, dass diese Menschen auch die Chance haben sollen, anderswo zu leben; sie wohnten im Resthof, ob das natürlich eine Verbesserung ist, ist die Frage. Das war aber mit der Grund. Angela Schatz: Sind die sozialen Schichten trotzdem mehr oder weniger unter sich geblieben? Kurt Apfelthaler: Anfänglich schon, jeder hat für sich selbst ein Bewusstsein entwickelt, das oft nicht über den eigenen Wirkungskreis hinausgehen kann oder darf. Angela Schatz: Wie wurde dann Ihre Bewegung dort aufgenommen im Wehrgraben? Kurt Apfelthaler: Ein Satz noch dazu, ob ich zum Zentrum dazugehört habe oder nicht: Ich war insofern ein bisschen ein Freigeist, weil ich mich schon seit der HTL-Zeit sehr intensiv mit Musik beschäftigt habe und meine Gedanken haben sich rund um den Jazz und Blues usw. gedreht. Ich war quasi am Anfang nicht beim harten Kern dabei, aber ich war der Apfelthaler - der Musiker, der sehr gerne willkommen war, wenn es um Konzerte oder Musik ging; ich schrieb auch für die Zeitung, ich hatte meine eigene Apfel-Spalte und war quasi der Kulturvertreter. Über die Geschichte war ich sozusagen im harten Kern, ich war aber nicht Mitglied der Basiskultur im herkömmlichen Sinn; da gab es ja Tagesmitgliedschaften, sondern ich war dort ständig unten und war dabei und mich hat das fasziniert, vor allen Dingen auch, weil das ein komplett anderes Bild dargestellt hat als das, was man von daheim kannte, was alles möglich ist und was uns eigentlich daheim nicht beigebracht wurde, das fand dort unten statt. Was mich insofern davor bewahrt hat, das war die negative Seite, dass es viele Jugendliche gab, die auch aufgrund eines gewissen Mangels an Problemlösungspotential sich dem Alkohol oder auch anderen Suchtmitteln hingegeben haben. Man hat aber von Anfang an gesagt unten bei der Basiskultur, dass das Rauchen von Haschisch - härtere Drogen fanden dort eh kaum Platz - dort verboten ist; Bier konnte man trinken. Das wurde auch ernst genommen. Das war vielleicht interessant, dass das funktioniert hat. Angela Schatz: Weshalb war das so? Kurt Apfelthaler: Wahrscheinlich mit Rücksprache bei der Polizei; die Polizei war damals viel mehr als heutzutage; es gab mehr Dienststellen, auch aufgrund der staatspolizeilichen
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