Kurt Apfelthaler: Damals ist ja ausgehend von dem Versuch der Stadt, das Schiffmeisterhaus weg zu geben und dann ein Hotel; es gab schon Lehrer im Gymnasium, die das argwöhnisch beobachtet haben und die das den Schülern auch gesagt haben. Nur die Schüler waren dann letzten Endes diejenigen, nicht nur die vom Gym, sondern auch andere, die sagten, dass das eigentlich stimmt, was im Nachhinein eine sehr kulturkonservative Haltung war, das war schon eine Spezialität in Steyr, dass man gerade auf dieses Thema, was die alten Gebäude oder zB den Wehrgraben anbelangte, dass man darauf einen ganz besonderen Wert gelegt hat. Ich glaube, dass es beides war, einerseits ein gewisses Kunstverständnis und andererseits die Möglichkeit, einen Reibebaum zu haben, wo man einmal untersucht, was passiert, wenn wir uns als Jugendliche, 18- oder 20-Jährige, dem entgegenstellen, gegen die Allmacht zB des Magistrates oder gegen andere politische Gruppierungen. Angela Schatz: Welche politischen Gruppierungen haben damals in Steyr dominiert? Kurt Apfelthaler: Das war immer die SPÖ. Die Idee, den Wehrgraben zu schützen, stammt u.a. auch von Prof. Mader und seinen Malklassen, weil die in den Wehrgraben gingen und ihn gemalt haben. Das war damals das Glasscherbenviertel, das hat 100 %ig gestimmt. Er hat initiiert, dass der Wehrgraben abgelassen und geputzt wird. Die Jugendlichen haben dort total mitgearbeitet, weil das so sinnstiftend war. Angela Schatz: Ist das Wehrgrabengewässer ein Nebenarm zur Steyr? Kurt Apfelthaler: Genau, das dürfte anscheinend künstlichen Ursprungs sein, aber im Delta der Steyr zur Enns hinaus hat es wahrscheinlich früher schon, also im frühen Mittelalter, verschiedenste Wasserarme gegeben. Im 16. Jahrhundert sind dort die ersten Wasserräder entstanden, weil man draufkam, dass man ja dieses Gefälle, das ja von Rosenegg bis zur Mündung in die Steyr ja 12 m beinhaltet, energetisch ausnutzen kann. Angela Schatz: War dort auch eine Industrie angesiedelt? Kurt Apfelthaler: Genau, seit dem frühen Mittelalter hat man dort primär eisenverarbeitende Industrie angesiedelt; es waren aber auch andere Sachen, wie Lederei oder Bürstenbinder, dort, alles, was Begleitgewerbe war, wie z.B. Papiermühlen oder Getreidemühlen, also alles, was sich mit Wasser antreiben lässt, jedes Werkzeug war dort installiert, aber primär war es die Geburtsstätte des Steyrer Reichtums und der Steyrer Eisenindustrie. Die Zeugstätte 1 ist in der Nähe von St. Anna, dort waren einmal 13 Wasserräder. Auch aufgrund dieser Situation in den 70er- und BOer-Jahren, dass man sagte, man will alles Alte weg und macht eine neue Welt, war mit ein Grund, warum der damalige Bürgermeister Weiss gesagt hat, dass das Glasscherbenviertel weg gehört und man dort eine zukunftsträchtige Siedlung hinbaut. Angela Schatz: War die Industrie dort dann weiter? Kurt Apfelthaler: Nein, die Industrie war tot, weil Werndl ja 1880 oder 1890 aufgrund dieser verheerenden Hochwässer, die auch entstehen können, seine Fabrik auf die Ennsleite, wo jetzt die Steyrer Werke stehen, hinaufverpflanzt hat. Damit sind alle andere Gewerke, die dort unten waren, obsolet geworden, also diese ganzen Fabriksgebäude hat man teilweise verwendet, teilweise standen sie leer, teilweise machte man Wohnungen daraus. Also der wirtschaftliche Mittelpunkt hat sich einfach verlagert. Angela Schatz: Sind diese Wohnungen geblieben?
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