Quo vadis, Jugendkultur

wo sie am Wochenende viel Spaß in der Basiskultur hatten, da haben sie sich ausgelebt. Was für uns damals ein absolutes No-Go war, waren die Rechten. Die waren verabscheuungswürdig; damals ist ja der Umgang mit Juden z.B. in Steyr, da haben wir einen eigenen Artikel geschrieben, da haben wir den letzten, den es da gegeben hat, diesen Uprimny vom Wieserfeldplatz, haben wir damals anonymisieren müssen, weil sie uns gedroht haben über unsere Zeitung in Leserbriefen, dass sie uns in irgendeiner Weise sekkieren werden deswegen. Uprimny war ein Malermeister, seine Eltern wurden verhaftet und kamen mehr oder weniger um im KZ; er ist geflüchtet, ist nach Palästina, ist dann mit den Engländern wieder zurück und hat quasi auf Seiten der Engländer gegen die Nazis gekämpft, also gegen die Deutschen und glaube ich 1953 ist er nach Steyr zurückgekommen und wollte sein Haus wieder haben, was ja zwangsarisiert wurde am Wieserfeldplatz. Er musste damals sämtliche Kosten für die Rücküberschreibung zahlen, in der Höhe glaube ich ATS 30.000,-. Man hat natürlich die Leute nur sekkiert. Diese Dinge sind uns extrem sauer aufgestoßen und die haben wir thematisiert, als erste im Grunde genommen in Steyr, dass wir das zu einer Schriftform gebracht haben. Die ganze Arisierung in der Enge, diese Kaufhäuser, die ursprünglich Juden gehört haben und die dann um billiges Geld verkauft wurden bzw. verkauft werden mussten an Deutsche, damit die fliehen konnten usw.; diese Ungerechtigkeiten haben uns natürlich auf die Palme gebracht. Angela Schatz: Wollte man also auch die Vergangenheit aufarbeiten? Kurt Apfelthaler: Ja, absolut; was ein sehr wirksames Mittel war, anzufangen, unsere Eltern zu fragen, wie denn das war. Da kamen wir drauf, dass wir eigentlich gegen eine Mauer stoßen. Diese Mauer wollten wir niederreißen, weil ja so viel unbekannt und verschwiegen wurde. Wir haben es dann selber thematisiert in Medien oder sonst in irgendeiner Art und Weise, indem wir z.B. Dichter eingeladen haben, die Lesungen gehalten haben in der Basiskultur oder die Musik gemacht haben mit dem Hintergrund, was da alles passiert ist. Angela Schatz: Wie kam man eigentlich zu dem Lokal in der Wehrgrabengasse, wo dann die Basiskultur entstanden ist? Kurt Apfelthaler: Es gab im Wehrgraben eine Reihe von Lokalen, die da so dahingedämmert sind, weil ja die große Zeit des Wehrgrabens vorbei waren. Die Hack-Werke hat es zwar noch gegeben, aber die sind dann auch irgendwie in Konkurs gegangen. Diese Wirtshäuser waren mehr oder weniger verwaist. Ich glaube, es hieß Praxler oder so ähnlich, das war damals nicht leer, ich war zwar nicht dabei, wie das verhandelt wurde, aber es hieß eines Tages, wir machen uns selber ein Wirtshaus, das war natürlich ein irrsinniges Hallo, da waren auf einmal hunderte Leute da, die mitgeholfen haben und diesergemeinsame Moment, das warja auch eine wichtige Geschichte, dass Jugendliche aus Nichts heraus, weil Geld hatten wir ja wenig, und auch die Hoffnung, dass wir von der Stadt etwas bekommen wie ähnliche Jugendorganisationen, war äußerst gering, also die Stadt hat uns selber damals eher als Konkurrenz betrachtet, weil wir ja jegliche Aufsicht aus irgendeinem politischen Eck abgelehnt haben und sagten, nach Berliner oder Hamburger Beispiel, wir machen selbstverwaltete Jugendzentren, wo quasi die Jugendlichen sich selbst die Linie und die Regeln vorschreiben. Das hat toll funktioniert. Es hat ja eigentlich jeden Samstag Treffen gegeben, da kamen die Leute und manchmal entstanden aus diesen Treffen dann Veranstaltungen, aber selber ein Wirtshaus haben, war natürlich der Hammer. Angela Schatz: Hat man da dann auch an irgendwelchen politischen Unternehmungen teilgenommen, z.B. an Demonstrationen?

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