Angela Schatz: Waren das eher Einflüsse von außen oder wollte man sich mit der Musik auch in andere Sphären bringen, wo man das ausdrücken kann? Kurt Apfeithaler: Zurückzukommen zu dem Stichwort, ob meine Funktion eine zentrale war in dieser Jugendbewegung. Angela Schatz: Ich bin in der Stadtbibliothek auf den Band „Jugendkultur in Steyr 1977-1999", der von der Edition Wehrgraben herausgegeben wurde, gestoßen und Sie sind auf einem Foto, das Sie bei Konzertvorbereitungen im Lokal Basiskultur zeigt. Kurt Apfeithaler: Die Entstehung der Basiskultur kann man jetzt nachlesen und auch die Vorgruppierungen, die es gegeben hat, z.B. gab es eine Gruppierung Kuckucksnest, dann gab es eine eigene Gruppierung, die dieses Steyrer Tagebuch herausbrachten; das waren aber im Grunde genommen fast immer die gleichen Leute. Angela Schatz: Weshalb trafen sich diese Leute da? Kurt Apfeithaler: Die haben sich gekannt und auch durch die Spezialität einer Kleinstadt war das so. Die Leute aus der Umgebung kamen auch alle hierher, was eher nicht so üblich war. Sie gingen hier in die Schule, trafen sich hier, haben aber ihre Rituale aus den Tälern mitgenommen. Angela Schatz: Waren da vorher eher traditionelle Vereine, wo die Jugendlichen eingegliedert waren, wie z.B. Feuerwehr, katholische Jugend bzw. Jungschar? Kurt Apfeithaler: Ja, oder Gewerkschaftsbewegung oder so; aber damals war immer - was für uns so suspekt war und einen Zwang ausgeübt hat - dass man oben in diesem riesigen Trichter die Jugendlichen hineingestopft hat und unten kamen die Funktionäre dann heraus; das passierte bei uns aber nicht, weil wir alles in Frage gestellt haben und uns damals die eher linke Ideologie richtiger erschienen ist. Es hat damals zB in Linz bei den Kommunisten jedes Wochenende ein Konzert gegeben. Die Ideologie hat uns ehrlicherweise gesagt weniger interessiert, aber dass bei denen so die Post abgeht, das war eine witzige Geschichte. Bei der Basiskultur war es ähnlich. Angela Schatz: Meinen Sie mit „links" schon eher Kommunismus? Kurt Apfeithaler: Nein, Kommunismus war ein Nebenthema. Es gab schon Leute, die bei den Kommunisten Mitglieder waren, aber das ist irgendwie nicht so in Erscheinung getreten, sondern eher diese Mischung aus Sozialismus und christlichem Gedankengut. Das war für uns sehr, sehr interessant, also Love & Peace oder Menschen mitzunehmen, die quasi finanziell oder anderswie nicht in der Lage sind, sich irgendwie weiterzuentwickeln, auch aus dem Grund heraus, weil wir spürten, durch diese offenen Wohnungen oder Fläuser, da kann jeder kommen und das funktioniert, also diese Egalität, die da herrscht, also wenig oben und viel mehr unten spielt es sich ab und alle auf gleicher Augenhöhe, das war für uns ein wichtiger Ansatz. Angela Schatz: Waren damals schon noch diese sozialen Schichten streng voneinander abgegrenzt? Kurt Apfeithaler: Ja, aber wir haben uns aus diesen Schichten im Grunde genommen gelöst. Es gab natürlich schon Leute bei uns, die aus dem sozialdemokratischen Lager kamen und es gab auch Leute, wo wir angenommen haben, dass sie praktizierende Katholiken waren; es gab wenig Leute, wo wir sagten, dass das ÖVPler sind oder so, denn die haben bei uns wenig angedockt, außer diese klassischen Famiiienflüchtlinge, die daheim so ein konservatives Elternhaus hatten.
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