Quo vadis, Jugendkultur

experimentiert, Kleidung war z.B. nicht wichtig. Kleidung war damals sehr uniformähnlich. Die Blue Jean trug jeder, dann die berühmten Ami-Westen, also diese Parka, die das Militär in Deutschland mehr oder weniger an Putzfetzen-Firmen verkauft hat. Auf riesigen Halden hat man sich dann seine Ami-Weste heraussuchen können und bezahlte dafür eigentlich einen Spott, weil es ja als Putzfetzen gedacht war. Die Industrie hat das dann natürlich erkannt und diese Westen vorher ausgegliedert und hat sie dann um das Doppelte oder das Zehnfache verkauft. Wer so etwas hatte, nichts Echtes, sondern eher etwas Nachempfundenes, ist damals als sehr mit Konsumschwerpunkt entlarvt worden. Angela Schatz: Ist es also vom Kern dieser Szene abgelehnt bzw. kritisiert worden? Kurt Apfelthaler: Ja, es wurde regelrecht abgelehnt. Man versuchte, auf das Mindeste zu kommen. Das hat sich dann geändert, aber es war eine Zeit von ungefähr 10 Jahren, wo man drauf kam, dass auch die Natur sehr viel bietet ohne irgendeiner besonderen finanziellen Voraussetzung, d.h. es gab viele Leute, die am Wochenende diesen Versuch gestartet haben, mit dem Rucksack in irgendwelche Berge oder Täler zu ziehen und dort unter äußerst dürftigen Verhältnissen zu existieren, was - zumindest in unserem Umkreis - dazu führte, dass die Leute mehr und mehr ein Verständnis für ihre nähere Umgebung bzw. Heimat gewonnen haben, was anfänglich ein bisschen als suspekt betrachtet wurde, weil der Begriff Heimat negativ besetzt war. Mit Heimat konnten wir nichts anfangen, mit Lederhosen schon gar nicht, aber wir sind sehr viel mit Jugendlichen in Kontakt gekommen, die aus den Tälern, z.B. Ennstal, Seitentäler, Mühlbachgraben etc. gekommen sind, die eine sehr erfrischende und erdige Einstellung zum Dasein überhaupt mitgebracht haben. Die haben natürlich noch mehr gelitten unter dem Einfluss ihrer Eltern und dementsprechend die manchmal sehr rauschenden Feste, die dann am Wochenende jenseits irgendeiner Kontrolle stattgefunden haben - aber das ist eine Nebengeschichte. Angela Schatz: Würden Sie sagen, dass Sie zum Kern einer Szene gehört haben oder eher Sympathisant waren bzw. wie hat die damalige Szene in Steyr bzw. Umgebung existiert? Kurt Apfelthaler: Wenn man das Buch ein bisschen studiert, gibt es so interessante Entwicklungsschritte bei den Jugendlichen in Steyr. Es hat damals als Pendant zum FlO, das katholisch war, diesen Keller gegeben im Dominikanerhaus, die auch irgendwie die Welt entdeckt haben, aber die das Katholische eher abgelehnt haben. Das war ihnen in ihrer Wahrnehmung zu katholisch, was es eigentlich gar nicht war, aber sie wollten eben etwas Eigenes haben. Damals war auch eine sehr wichtige Geschichte zur Selbstfindung diese SamstagVormittag-Treffen in den Gasthäusern. Die Studenten haben sich am Stadtplatz am Samstag Vormittag getroffen, tranken ein Bier miteinander und haben gemeinsam besprochen, was sie alles tun werden oder wie sie die Welt sehen. Angela Schatz: Waren das auch Philosophien? Kurt Apfelthaler: Ja, damals hat es auch so etwas wie Vordenker gegeben, denen man sich anschließen konnte oder auch nicht. Angela Schatz: Was waren z.B. die Ziele dieser Vordenker, wollte man etwas verändern? Kurt Apfelthaler: Was mir besonders aufgefallen ist, war damals das Musikmachen bzw. was man hören soll.

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