Ausbruchs war, also etwas zu machen, vor dem uns unsere Eltern immer gewarnt haben, war ja sowieso interessant. Sie sagten uns ja auch nicht warum, sie sagten nur Nein. Das war damals das pädagogische Werkzeug. Wir haben dann im Radio sehr gute Musik gehört, in Ö3 war um 15.00 Uhr eine Sendung, den Namen weiß ich nicht mehr. Damals hat man auch in den Zeitungen gesehen, wie die Jugendlichen aussehen. Das Haarwachstum hat zugenommen, die Kleidung, die Nahrungsmittel oder die Lebensweise usw., alles war in einem unheimlichen Umbruch; das war für uns extrem interessant. Wir sind eigentlich aus diesem engen Korsett einer technischen Schule, aber auch andere, die in anderen Schulen waren, innerhalb kürzester Zeit quasi in eine offene Welt mit unheimlich viel Selbstverantwortung gekommen. Unsere Eltern konnten uns eigentlich nicht mehr leiden, weil sie diese Zeit auch nicht richtig verstanden haben; sie konnten immer nur Ja oder Nein sagen. Wir haben damals in unserer Freizeit Dinge gemacht, die sich unsere Eltern nie vorstellen konnten, einfach um auszuprobieren, ob das möglich ist oder nicht. Angela Schatz: Kann man sagen, dass in dieser Bewegung hauptsächlich Teilnehmer mit höherer Bildung waren? Kurt Apfelthaler: Teils teils; damals hat man ja den technischen Schulen nicht unbedingt ein humanistisches Weltbild nachgesagt, sondern die haben in erster Linie für die notwendige Infrastruktur einer Wirtschaft gesorgt. Wer damals die intellektuelle Speerspitze war, waren eigentlich Jugendliche, die aus dem Gymnasium-Bereich gekommen sind, weil sie einen anderen Background hatten. Das waren eigentlich diejenigen, die uns auf die Ideen gebracht haben, zB Stichwort Schiffmeisterhaus, das wäre für einen HTLer überhaupt kein Thema gewesen. Das Schiffmeisterhaus wollte die Stadt abreißen und dafür ein Hotel hinbauen und die sagten damals interessanterweise, dass wir das nicht machen. Es war nicht die Thematik selbst, sondern die Form des Widerstandes war eigentlich für uns interessant, dass das überhaupt möglich ist. Angela Schatz: War vorher eine Jugendszene in diesem Schiffmeisterhaus; warum hat man sich generell dagegen gewandt? Kurt Apfelthaler: Damals haben eigentlich fast alle Institutionen, also alle politischen Parteien und auch die Kirche, versucht, die Jugendlichen irgendwie in den Griff zu bekommen, weil sie merkten, dass sie kaum mehr Autoritäten anerkennen oder sie zumindest infrage stellen. Zurückzukommen auf die Frage, wer damals eigentlich die Triebfeder war: Das waren einerseits die Leute, die aus dem Gymnasium kamen und interessanterweise auch Leute, die aus der Arbeitswelt gekommen sind, also auch Lehrlinge und Gesellen, die insofern den Vorteil hatten, sie haben sich mehr getraut. Die anderen haben viel zu viel nachgedacht und die anderen haben es ausgeführt. Das ist mir in Steyr aufgefallen. Angela Schatz: Hatten die keine Angst um ihren Arbeitsplatz? Kurt Apfelthaler: Nein, weil damals vielen vorgegaukelt wurde, dass es auch eine andere Welt und eine andere Form des Daseins gibt, auch im Zusammenhang mit Reisen, zB nach Asien. Dort sind Leute, denen es in Steyr nicht mehr gefallen hat oder die hier Schwierigkeiten hatten oder die überhaupt weg wollten aus dem Elternhaus und aus dem Umfeld, nach Asien gefahren und waren oft jahrelang unterwegs, sie kamen zurück, schwebten einen halben Meter über dem Boden und sagten, sie haben das Paradies entdeckt. Das stimmte für die damalige Zeit vielleicht eh. Angela Schatz: Waren das sozusagen einige Aussteiger?
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