muss, das war damals das Ideale. Er hat dann eigentlich gegen seinen Willen auch die Gewerbeschule - so hieß es damals, also die HTL - gemacht und hat das auch abgeschlossen und ist dann quasi eingezogen worden. Er hat aber immer Klavier gespielt; wir hatten auch immer ein Klavier zuhause. Ich kann mich noch an die Schicksalsfrage meiner Mutter erinnern, da war ich ungefähr 5 Jahre alt, welches Instrument ich lernen will. Sie sagte, wir haben eine Flöte und ein Klavier daheim; ich sagte natürlich Klavier. In Linz war es dann schon so an der Kippe, wo ich sagte, dass ich gerne Musiker werden möchte, was natürlich bei meinen Eltern auf keine besondere Freude gestoßen ist. Angela Schatz: War das sozusagen die Nachkriegsgeneration, die den wirtschaftlichen Aufschwung bzw. auch den persönlichen Aufstieg angestrebt hat? Kurt Apfelthaier: Natürlich, weil die 70er- und 80er-Jahre eigentlich dann ja die Wirtschafts wunderzeit war, die kam um 1980 herum und natürlich wollte man seinen Kindern die beste Ausbildung etc. ermöglichen. Umso größer war dann die Enttäuschung bei mir, dass sie sagten, dass das überhaupt nicht infrage kommt und ich dann ja Barpianist werde; ich sagte, dass mir das egal ist. Angela Schatz: Flaben Sie durchaus gegen die Eltern rebelliert? Kurt Apfelthaier: Ja, wobei die Rebellion insofern schaumgebremst war, weil ich mit 15/16 von daheim weggekommen bin, weil ich da in die FITL ins Internat kam. Die wahre Rebellion hat also nicht wirklich stattgefunden. Sie wussten zwar nicht, was ich so treibe, aber aufgrund der Internatssituation hat man eh nicht viel rebellieren können. Man war eh mehr oder weniger in der Schule eingespannt. Die Aufgaben waren auch ziemlich umfangreich. Angela Schatz: blatten Sie am Abend auch noch Aufsicht? Kurt Apfelthaier: Genau, das war zB Abendstudium, da bekam man ein grauenhaftes Weckerl und musste von 18.30 bis 20.30 Uhr studieren. Irgendwann ließ man natürlich den Druck ab, aber die Rebellion selber ist eigentlich erst im letzten Jahr gekommen, wie ich dann schon um die 18 war und dann meine Mitschüler quasi dieses Internatsleben satt hatten und sich extern Wohnungen gesucht haben. Da hat man dann eigentlich erst wirklich begriffen, was die Welt Ist, also ohne Aufsichtsorgane usw.; die Autorität war dann weg. Ich schrieb meinen Eltern damals einen Verzweiflungsbrief, dass ich nicht mehr ins Internat mag und dass ich mir jetzt eine Wohnung gesucht habe und mich schon durchkämpfen werde. Sie schrieben mir zurück, dass es okay ist. Angela Schatz: blatten Sie doch auch die Absicherung von den Eltern? Kurt Apfelthaier: Immer eigentlich. Mir ging es nie schlecht. Ich glaube, ich hatte auch eine recht glückliche Kindheit. So gesehen hat es mir an nichts gemangelt. Was für mich aber wichtig war, war die Musik damals und die stand im Mittelpunkt. Ich habe stundenlang im Internat auf dem kaputten Klavier herumgeprügelt, damit ich mir sozusagen meine eigene Welt erschaffe. Man hat in einem Internat ja auch nichts Intimes, man ist ja ständig von Leuten umgeben. Klavierspielen konnten eben nicht viele und da war ich alleine, überhaupt unter lauter Technikern, das war ja auch ein seltsamer Zugang. Wir hatten damals schon auch Erfolge mit der Band; wir haben beim Talentewettbewerb damals den 5. Platz gemacht. Unser Konkurrent war Waterloo & Robinson. Die haben damals den 1. Platz gemacht. Angela Schatz: Wer hat den Talentwettbewerb veranstaltet?
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