Quo vadis, Jugendkultur

Anhang 1 NTERVIEW vom 4.1.2019 mit Kurt Apfelthaler, geb. 4.10.1952, wohnhaft Steyr-Wehrgraben, Fabrikstraße Angela Schatz: Herr Apfelthaler, könnten Sie kurz schildern, wie Sie aufgewachsen sind, wo und auch Ihren beruflichen und poiitischen Werdegang: Kurt Apfelthaler: Das erste Bewusstsein, dass es mich gibt, habe ich quasi in Attnang-Puchheim gehabt. Das war der Aufenthaltsort des Vaters, weil der dort eine Wohnung bekommen hat; zuerst haben wir in Micheldorf in äußerst prekären Umständen gewohnt. Es war angeblich eine recht feuchte Wohnung. Wir haben dann in Attnang eine Wohnung bekommen und da haben wir zu fünft auf 75 m^ gewohnt, was toll war für die damaligen Zeiten, weil die Eisenbahner in Attnang-Puchheim viel enger gewohnt haben. Was mir damals aufgefallen ist, war, dass es nur Dampfloks gegeben hat und ganz, ganz wenige Elektroloks; das war spektakulär. Meine Mutter war recht katholisch und hat sich immer beschwert, dass das rote Attnang-Puchheim verhindert, dass die Kirchenglocken läuten dürfen. Das war insofern interessant, weil ich glaube, dass 1947 oder 1948 die Kirche nach dem verheerenden Bombardement in Attnang-Puchheim fast wieder aufgebaut und die Glocken eingehängt waren und die damalige Stadtregierung, die natürlich sozialdemokratisch dominiert war, hat glaube ich über 10 Jahre lang verhindert, dass die Kirchenglocken läuten unter der Devise „Die armen Eisenbahner müssen schichtein und müssen schlafen können", was aus meiner Sicht selbstverständlich war, aber es war für meine Mutter unfassbar. Nach der Volksschule sind wir dann nach Vöcklabruck gesiedelt, weil der Vater schon besser verdient hat. Er hat bei einer Maschinenbaufirma in Attnang-Puchheim gearbeitet und wir haben dann einige Jahre in Vöcklabruck gewohnt und dort ging ich dann auf das Gymnasium. Der Vater hat dann aber einen Job in der Voest bekommen und wir sind ihm dann glaube ich 1964 nach Linz-Ebelsberg nachgefolgt, was für mich insofern ein Stilbruch war, weil AttnangPuchheim damals eine sehr verschlafene Kleinstadt, aber auch sehr charmant war. Wir haben dort direkt neben der Vöckla gewohnt, was für mich sehr viel Natur bedeutet hat. Das hatten wir in Ebelsberg dann nicht, dort waren damals die frisch aufgezogenen Plattenbauten der Voest, wo eben die Arbeiter und Angestellten Wohnungen bekommen haben. Dort ging ich dann weiter ins Gym mit wechselnden Erfolgen und habe dann die Aufnahmeprüfung in Steyr in die HTL gemacht. Dort wurde ich wirklich aufgenommen und habe die HTL absolviert. Was mir damals schon irgendwie wichtig war - und das war auch der Stil der Zeit - dass die Musik, die aus Amerika und Europa kam, für mich damals als 14-/15-Jährigen extrem interessant war. ich war natürlich nicht so rockig, das hätten sie mir daheim verboten, sondern ich habe dann mit eine Band gegründet, wo wir uns in erster Linie mit Folkmusik, also amerikanischer Volksmusik, beschäftigt haben und wir haben jeden Sonntag bei mir zuhause geprobt, was natürlich toll war für die Eltern, weil sie uns immer im Blick hatten. Angela Schatz: Haben Sie einmal Klavier gelernt? Kurt Apfelthaler: Mein Vater war eigentlich ein sehr begabter Pianist. Er hat das Konservatorium in Wien gemacht und durch die Kriegsumstände etc. haben seine Eltern ihm damals gesagt, dass er nicht Pianist werden darf, weil das ja kein gescheiter Beruf ist und er ein Techniker werden

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