bedingt eine variable Kombination von Werten, die je nach persönlichen Präferenzen unterschiedlich gewichtet werden. Während man in den 1980er Jahren den Wertewandel noch als Bedrohung der Systemfunktionen deutete und einen Werteverfall beklagte, wird seit den 1990er Jahren von einer Wertesynthese gesprochen und die von den Jugendlichen gelebte Kombination von Pflicht- und Akzeptanzwerten mit dem Streben nach Selbstverwirklichung in der Regel positiv gesehen. Vor allem gebildete Jugendliche werden den »leistungsorientierten Idealistinnen, [den] prosozialen Pragmatikerinnen, aber auch [den] freizeitorientierten Hedonistinnen [zugerechnet], die Selbstverwirklichungswerte und solidarische Werte in einer Wertesynthese verbinden«. Einigkeit besteht allerdings darin, dass die Freiheit der heutigen Jugend, ihre Wertewelt selbst zu gestalten, gleichzeitig mit der Verpflichtung zur frühzeitigen und eigenständigen Wahl aus unterschiedlichen Lebensentwürfen verbunden ist, die sie vielfach überfordert und mit Verunsicherung einhergeht. Die jungen Menschen müssen sich darauf konzentrieren, wie sie die Anforderungen in einer komplexen Welt persönlich meistern, für soziales und politisches Engagement bleibt dabei wenig Raum.^® 4.2 Vergleich 4.2.1 Generationenkonflikt, Gesellschaftskritik und Politik Während die Halbstarken der 50er Jahre noch gegen die kleinbürgerlichen Moral- und Ordnungsvorstellungen der Eltern und die von ihnen hochgehaltenen Werte wie Pflicht und Gehorsam aufbegehren mussten, ist der Kampf der Jugend um Autonomie im privaten Bereich in der westlichen Welt längst geschlagen. Die Hippies, Punks und „Alternativen" sahen in ihrem Lebensstil und einem provokanten Äußeren zwar weiterhin eine Form der Rebellion gegen die Elterngeneration^^, allerdings gewannen die Jugendbewegungen zusätzlich eine politische Dimension. So protestierten Schüler und Studenten vor allem gegen autoritäre Strukturen in den Bildungseinrichtungen, Vgl. Kromer: Jugend und Werte, S. 293ff Vgl. Apfelthaler, Kurt, Interview vom 4.1.2019; Mag. P., Interview vom 25.1.2019
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