Quo vadis, Jugendkultur

4 Jugendkulturen des 20. Jahrhunderts und Jugendszenen 2018 im Vergleich 4.1 Soziokulturelle Hintergründe: Wertewandel und Wertesynthese Nach den Kriegs- und Mangelerfahrungen des Zweiten Weltkrieges herrschte ein großes Bedürfnis nach Sicherheit, die mit Leistung, Fleiß, Vernunft und Disziplin erreicht werden sollte. Mit der einsetzenden Wirtschaftswunderzeit stellten die Jugendlichen die Dominanz der traditionellen Pflicht- und Akzeptanzwerte zunehmend in Frage, Werte wie Selbstverwirklichung, Lebensqualität und Lebensgenuss gewannen an Bedeutung. Jugendliche stellten autoritäre Strukturen in Frage, was sich in Grenzüberschreitungen und letztlich in Revolten äußerte. In den 80er Jahren schließlich standen im Zuge eines Individualisierungsschubes bei vielen Jugendlichen die hedonistisch-materialistischen Werte im Vordergrund, Egoismus griff um sich. Ab Anfang der 90er Jahre setzte wieder eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie Familie, Freundschaft und Partnerschaft ein, Abenteuer und Spaß standen bei den Jugendlichen aber weiter hoch im Kurs, die Sozialwissenschaft spricht von einer Wertesynthese.Die in den letzten Jahrzehnten immer rascher fortschreitende Modernisierung in Wirtschaft und Technik, Individualisierung^'^ und Pluralisierung^^ in Gesellschaft und Kultur führten allerdings zu einer allgemeinen Veränderung der Wertsysteme, die sich in den Jugendlichen widerspiegelt. Die jungen Menschen von heute müssen über persönliche Kompetenzen wie Veränderungsbereitschaft, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Anforderungen in parallel existierenden Lebenswelten verfügen. Dieser Balanceakt Vgl. Kandlblnder: Halbstark und Cool, S. 101-103 Unter Individualisierung wird der Prozess der Ablösung der typischen industrie-gesellschaftlichen Lebensformen durch postindustrielle Werte der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung in Folge eines verbesserten Lebensstandards, weitgehender sozialer Sicherheit und neuartigen Lebenschancen verstanden. Anstelle von „Normalbiographien" im Sinne von klassenkulturellen Identitäten und ständisch-konventionellen Lebenswegen treten individuell ausdifferenzierte Lebensentwürfe, so genannte „Wahlbiographien". http://soziologie.soz.uni-linz.ac.at/sozthe/freitour/FreiTour-Wiki/individualisierung.htm, 20.2.2019 Pluralismus: Koexistenz von verschiedenen Interessen und Lebensstilen in einer Gesellschaft, https://de.wikipedia.org/wiki/Pluralismus, 20.2.2019

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