Quo vadis, Jugendkultur

folgte die politische Aufsplitterung der Bewegung, der Großteil schloss sich den Sozialdemokraten an, andere sympathisierten mit dem Marxismus und Maoismus, nur ein kleiner Teil propagierte den bewaffneten Kampf und bildete terroristische Vereinigungen, die schließlich sogar Morde verübten. In Österreich verliefen die Studentenproteste wesentlich ruhiger und beschränkten sich im Wesentlichen auf Wien. Während ein Teil der 68-er in der BRD die Utopie von einer Revolution gegen den Kapitalismus entwickelte, vertraten österreichische Studenten weniger radikale Ideen. Sie forderten mehr Mitbestimmung und Demokratisierung an den Universitäten, zeigten sich solidarisch mit Rudi Dutschke und schlössen sich den Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg und das Schah-Regime in Persien an. Ebenso wie in Deutschland wurde die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit gefordert.^® 2.6 Neue soziale Bewegungen 2.6.1 Überblick In ihrem Protest gegen das bestehende Gesellschaftssystem wird die Studentenbewegung in der Sozialwissenschaft als Vorreiterin der Neuen sozialen Bewegungen gewertet. Darunter sind jene Bewegungen zu verstehen. »die seit Beginn der 70er Jahre das Politmonopol und die wirtschaftlichen Interessensorganisationen in Frage stellen und für Selbstbestimmung, Basisdemokratie sowie Spontaneität eintreten, unter anderem lokale Bürgerinitiativen, die Umwelt-, Anti-Atomkraft-, Friedens-, Alternativ-, Neue Frauen- und Dritte-Welt-Bewegung. Meist lose organisiert, gehören ihre Mitglieder in der Regel zur Mittelschicht. Neben zahlreichen lokalen Vgl. Schramm, Wirtschafts- und Sozialgeschichte Westeuropas seit 1945, Die68er Bewegung, S. 69-71; O.V., Österreichische Mediathek; Studentenproteste 1968. https://www.mediathek.at/akustischechronik/1956-1969/studentenproteste-1968/, 12.2.2018; Schildt, Axel: Neue Linke und Studentenbewegung, http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68erbewegung/51815/neue-linke?p=all (9.1.2008), 12. 2.2019.

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