2.3.2 Entstehung und Entwicklung der Modkultur in England Im Gegensatz zu den Teddy-Boys stammten die erstmals Ende der 50er Jahre auftretenden Mods aus der unteren Mittelschicht und lehnten das Derbe und Grelle des Rock'n'Roll ab. Begeistert vom lässigen Image des Modern Jazz nannten sie sich „Modernists", später kurz Mods. Sie trugen vorzugsweise maßgeschneiderte, knappsitzende Anzüge nach italienischem Vorbild mit kurzen, kastigen Jacken und schmalen Hosen, exklusives Schuhwerk, akkurat geschnittenes kurzes Haar und olivgrüne Parkas, die dem Schutz ihres teuren Outfits dienten. Ihr Erscheinungsbild wurde komplettiert durch Motorroller der italienischen Marken Vespa und Lambretta, die sie mit chromblitzenden Scheinwerfern und Spiegeln aufmotzten. Der Mod gefiel sich in der Rolle des distanziert-überlegenen Beobachters, oberste Verhaltensmaxime war Coolness, die sie auch durch eine spezielle, dandyhafte Art des Flanierens zum Ausdruck brachten. Im Zuge ihrer Ausbreitung fand die Kultur der Mods mehr und mehr Anhänger aus dem Arbeitermilieu. Bei „Allnighters", zu denen sie sich häufig mit Amphetaminen aufputschten, tanzten sie zu Musikrichtungen wie Soul, Rhythm'n'Blues und Ska, die sie von den ebenfalls als cool geltenden „Rüde Boys" aus karibischen Immigrantenfamilien übernahmen. Neben den Originalinterpreten aus den USA entstanden auch direkt aus der Mod-Kultur heraus heimische Bands wie The Who und The Small Faces, der Musiker Rod Stewart war selbst bekennender Mod. Mit ihrem von Hedonismus geprägten Lebensstil grenzten sich die Mods von der leistungsorientierten Elterngeneration ab, Jobs sahen sie vor allem als Mittel zur Finanzierung ihrer Motorroller und Freizeitgestaltung sowie der teuren Kleidung an. Nach dem Motto „Der Schein bestimmt das Sein" suchten sie zumindest über ihr Äußeres den Anschluss an eine höhere Gesellschaftsschicht. Im Gegensatz dazu blieben die zumindest in ihrer Vorliebe für Rock'n'Roll als Nachfahren der Teds geltenden Rocker ihrer Herkunft aus dem Arbeitermilieu verhaftet. Sie legten Wert auf ein maskulines Gehabe und lehnten die Modefixierung und den zunehmend androgynen Look der Londoner Mods ab. Dass die Mods auch Mädchen in ihrer Subkultur akzeptierten, trug nicht unbedingt zu gegenseitiger Sympathie bei. Die Mods wiederum bezeichneten die eher aus ländlichen Gegenden stammenden, oft auch älteren Rocker als schmutzig, chauvinistisch und ungebildet. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen führte zu
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