Steyrer Ausstellungs Zeitung, Nr. 15, 20. August 1884

Nr. 15 ust. a Wie in Kurora's goldumzognen Hallen Im grünen Lenz, wenn die Natur erstand Vom Winterschlaf in ihrem Prachtgewand, Wenn sie des Pobus erste Rosenstrahlen lit einem lichten Purpursaume malen, Am Feld, im Wall, durchs ganze weite Land Du lauschen Morgenlieder allerhand us tausend frischen Kehlen hört erschallen, So traut und frisch ist unseres Volkes Grutz, In Lieb und Treu dem Kaiser stets ergehen. Die Styraburg am Enns= und Steyerflut Klag stolzer noch ihr kühnes Haupt erleben, Und Steyer wird im Schmucke leuchtend prangen, den gütigen Herrscher ziemend zu empfangen. C. L. Lorenzi. Die Garten=Teenijate erzeugt von Herrn Josef Schanofsky. Wir halten es für unsere besondere Pflich dieses Ausstellungsobject nicht allein deshalb, weil die Nähmaschinen ein unentbehrliches Hilfs¬ mittel des Haushaltes sind, eingehender zu er¬ wähnen, sondern auch aus dem Grunde, weil die Erfindung selbst sensationell und eine wesent¬ liche Verbesserung der Nähmaschinen ist. Haupt¬ sächlich aber halten wir es für eine Ehrensache, die von Herrn Schanofsky ausgestellte Nah¬ maschine schon deshalb der Oeffentlichkeit zu demonstriren, weil dieses Erzeugniß nicht allein ein vaterländisches, sondern in allen seinen Bestandtheilen (auch die sehr schöne Tischler¬ arbeit) ein specielles Product Steyr s ist. Die von Herrn Schanofsky eingeführten Erfindungen und Verbesserungen bestehen haupt¬ sächlichst aus Folgendem: Die Kuppelung dieser Nähmaschine ist nicht wie bei andern am Rade, sondern am Haupt¬ arme angebracht. Der Selbstabspuler, der sehr praktisch ist, zeichnet sich durch besondere Einfach¬ heit aus. Der Tritt ist wesentlich modificirt, wodurch die Intriebsetzung sehr erleichtert wird. An Stelle gußeiserner Kammräder, wie solche bei Nähmaschinen ausländischer Provenienz an¬ gebracht sind, verwendet Herr Schanofsky solche aus Kanonental. Der Gang dieser verbesserten Nahmaschine ist ein so eminent leichter, daß dieselbe von einem fünfjährigen Kinde ohne merkbare Anstrengung in Betrieb gesetzt werden kann. Alle Bestand¬ theile sind vernickelt, wodurch dem so lästigen Rosten und dem dadurch bedingten öfteren Zerlegen und Reinigen vorgebeugt wird. Die Maschine arbeitet vollkommen gerauschlos und sind an deren Füßen bewegliche Kautschuk¬ Rollen angebracht, welche den Transport der¬ selben von einer Stelle zur andern ungemein leicht und das Zerkratzen des Bodens beim Ver¬ schieben oder Rücken unmöglich machen. Wie wir bereits seinerzeit gemeldet, hatten bei der Besichtigung der Ausstellung Sr. kaiserl. Hoheit der Herr Erzherzog Protector und höchstseine Gemahlin besonders den schonen, reinen Stich dieser Nähmaschine be¬ wundert= und die besondere Anerkennung mit den Worten zum huldvollen Ausdrucke gebracht. daß es sehr erfreulich ist, daß gerade in Steyr eine so schöne und praktische Erfindung gemacht wurde. Herr Schanofsky ist bereits vor Monaten für seine „verbesserte Familien-Nähmaschine um ein Patent für Oesterreich-Ungarn und für Deutschland eingeschritten. „Steyrer-Ausstellungs-Zeitung.“ Wir aber können dem fleißigen und streb¬ samen Gewerksmanne, der Steyr mit seiner Erfindung alle Ehre macht, nur beglückwünschen und hoffen, daß seine verbesserte Nähmaschine baldigst die ausgedeyteste Verbreitung finden wird. Wuositutes. Mai. „Maa, wo ist denn die Jenny „Jenny ist im Himmel, mein Kind. jetzt „Im Himmel, was thut sie denn im Himmel „Sie ist ein Engel beim lieben Gott." „Beim lieben Gott? — — Nicht wahr, Mama, wenn der liebe Gott einen Engel braucht, dann schreibt er an den Herrn Doctor?“ Auch ein Avancement. Herr v. Schwert¬ heim (der nach einer dreijährigen Ehe gerade am Hochzeitstage Major wurde, zu seiner jungen Frau:) „On kannst doch mit Deinem Avancement zu¬ frieden sein, liebe Johanna. Heute vor drei Jahren warst Du eine Gefreite, und nun bist Du schon eine Majorin." - Griff: „Grüß Gott, lieber Herr Stifft lassen Sie sich auch wieder ein Mal hier sehen: Wie geht es denn in Ihrer lieben Stadt? Die Verhältnisse gestalten sich ja dort immer besser! — Stift: „Ja, es kommen immer mehr auf die Beine." — Griff: „So! Nun das freut mich Stift: „Ja! Die früher gefahren sind, die gehen jetzt zu Fuß. Erklärlich. Aber denken Sie sich, mein Herr, ich fuhr auf einem Segelschiff in sechs Tagen von Amerika nach Hamburg. Ist das nicht merk¬ würdig?“ — „Durchaus nicht, wenn sich ein solcher Windbettel auf Deck befindet Vorsicht auf Reisen. „Wie vorsichtig man beim Anschluß an fremde Reisende sein muß, schreibt ein Freund des „D. M.-Bl.“, beweist olgendes Geschichtchen, welches einer lustigen Er¬ indung allerdings nicht unähnlich steht: In Tegernsee lernte ich eine ältere Dame mit ihrer gleichfalls in den Jahren etwas vorgeschrittenen Tochter kennen, welche ohne Begleitung reisten, und da sie sich zu enundiren schienen und ich mich langweilte, schloß ich mich an die Damen an. Die Mama begünstigte meinen Verkehr mit Julie so hieß ihre Tochter — und behandelte mich mit einer gewissen Zärtlichkeit, die etwas Mitterliches an sich hatte. In der Tegernseer Pfarrkirche be¬ inden sich an den Altären interessante Reliquien¬ schreine mit Zähnen und Gerippen christlicher Märtyrer. Eines Tages befanden wir uns, weil das Regenwetter einen Ausflug unmöglich machte in dieser Kirche. Da ich der Tochter die Reliquie, zeigen wollte, sagte ich zu ihr: „Mein Fräulein, wollen Sie mit mir an den Altar treten? .. Aber kaum hatte ich das gesagt, als die Mutter gerührt unsere Hände ergriff, sie innernanderlegte und „Machen Sie mein Kind glücklich!“ flüsterte Zu einer Aufklärung des Mißverständnisses fehlte mir der Muth — ich ergriff die Flucht und ward nicht mehr gesehen. Ein zweifelhaftes Einkommen. Engländer machte den Commissären der Ein¬ kommen Steuer folgende Angabe: „Während der letzten drei Jahre beliefen sich meine Einkünfte auf etwas über 100 Pfund; in Zukunft werden sie zweifelhafterin, da der Mann gestorben ist, von dem ich das Geld zu vorgen pflegte. Neueste Telegramme ihre Aussirungs=Britang. Linz, 19. August. Der Kaiser traf um 7 Uhr mittelst Hofzug von Ischl am Bahnhofe hier ein, wo Se. Excellenz der Herr Statthalter Allerhöchstdenselben am Bahnhofe erwartete, wo sich auch zahlreich versammeltes Publikum einfano uno in begeisterte Hochrufe ausbrach. Nach fünf Minuten Aufenthalt führ der Hofzug, welchen die Directoren der Kremsthalbahn führten, mit letzterer nach Kremsmünster. Wien, 19. August. Die heurige „Wiener Zeitung meldet die Ernennung des Seite 5 Dr. Puluj zum ordentlichen Pro¬ fessor für experimentale und technische Physik an der deutschen Technik in Prag. Bruck 19. August. Dem heutigen Manöver, bei dem Kronprinz Rudolf und Fürst Lichtenstein die Truppen befehligten, wohnte Kronprinzessin Stephanie bis zum Schlusse bei. Abends vereitet das Officierscorps der Kronprin¬ zessin anläßlich ihres morgigen Namens= tages eine Ovation im Schloßparte. Neun Militärkapellen veranstalten einen Zapfen= streich. Berlin 19. August. Beim kaiserlichen Galadiener auf Schloß Babelsberg zu Ehren des Geburtstages des Kaisers Franz Josef brachte der Kaiser silhelm einen Toast auf den Kaiser von Oesterreich aus, worauf die Musik¬ Capelle die österreichische Volks=Hymne intonirte. Constantinopel, 19. August. Der Marseiller Dampfer „Galatz stieß im Marmorameere mit dem Triester Lloyd= dampfer „Saturno zusammen, wodurch letzterer bedeutend havarirt eintraf. Paris, 19. August. Der Steamer „Kio negro hat gestern Abenos Dublin verlässen, um 1300 Mann Truppen nebst Kriegsmateriale für Tonking aufzunehmen. Eisenonin-Verkehr. Ankunft in Steyr. Richtung St. Valentin. 5.20 Früh aus Linz. 7.55 Früh aus Amstetten, Prag, Budweis, Frankenmarkt, Passau. 12.24 Nachm. aus Wien, Budweis, Salzburg, Simbach, Passau. Nachm. aus Linz, Salzburg, Wien. 3.38 Nachm. aus Summeran. Abends aus Wien, Innsbruck, Salzburg, 6.10 Passau, Simbach. Abends aus Prag, Budweis, Wien, Salz¬ burg, Simbach, Passau. Richtung Kleinreisling. 7.56 Früh aus Klagenfurt, Villach, Graz. 1125 Vorm. aus Bruck, Salzburg, Aussee. Nachm. aus Villach, Klagenfurt, Graz, Innsbruck, Aussee. Abends aus Kleinreisling (nur an Sonn¬ und Feiertagen). Abfahrt von Steyr. Richtung St. Valentin. 5.50 Früh nach Wien, Salzburg, Passau, Sim¬ bach. Früh nach Budweis, Prag, Linz. 11.35 Vorm. nach Wien, Budweis, Prag, Salzburg 3.40 Nachm. nach Linz, Salzburg, Passau, Simbach. 4.30 Nachm. nach Summerau, Wien. 704 Abends nach Budweis, Prag, Amstetten, W13. 8.55 Abends nach St. Valentin (nur an Sonn¬ und Feiertagen). 11.20 Nachts *) nach Linz, Wels, Wien. Richtung Kleinreiling. 8.01 Früh nach Aussee, Innsbruck, Salzburg, Graz, Klagenfurt, Villach. 2.35 Nachm. nach Aussee, Salzburg, Brud. 848 Abends nach Graz, Klagenfurt, Villach. 12 50 Nachm. nach Kleinreisling (nur an Sonn¬ und Feiertagen).

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