Steyrer Ausstellungs Zeitung, Nr. 4, 6. August 1884

Seite 4 besuchte pochderselbe noch die elektrische, In¬ dustrie= und forstwirthschaftliche Ausstellung und fuhr Abends um 6 Uhr in die Saat Bei der Ruckkehr wurde die elektrische Be¬ leuchtung besichtigt. Der Herr Graf war von der Ausstellung sehr befriedigt und versprach, die Gesammt=Ausstellung noch mals zu besuchen. Se. kais. Hoheit Herr Erzherzog Carl Ludwig sprach sich bei dem Rundgange durch die Ausstellung der Eisen= und Stahl-Industrie auch sehr anerkennend über die reichhaltige Ausstellung von serwaaren=Erzeugnissen der ria Joachim Winternit aus. Die gesammte Wiener Presse spricht sich über unsere Ausstellung in sehr günsti¬ ger, ja geradezu schmeichelhafter Weise aus. So bringen die „Wiener Allgemeine Zei¬ tung", die „Neue Freie Presse, die „Deutsche Zeitung“, die „Presse“ und mehrere andere Journale außerst interessante längere Schil¬ derungen darüber und schließt die „Presse einen ihrer günstigen Artikel mit den Wor¬ ten: „Es muß dem Comite zum Tode nachgesagt werden, daß es ihm gelungen ist, ein sehr schones Ensemble zu Stande zu bringen. Mit allgemeiner Anerkennung spricht man von den Leistungen der Herren Hochhauser, Schiller, Fritsch, ritinger, Professor Dr. Widmann, Tomi, Berger, Mayer, und wir Journalisten haben alle Ursache, des Pre߬ comites freundlichst zu gedenken, das ohne Preßleiter durch eifrige Mittheilung alles Wissenswerten, objective Orientirung und liebenswürdigste Aufmerksamten das Amt der Berichterstatter hier wesentlich erleich¬ tert; der Stadtsecretar Haynel, als Ob¬ mann des Preßcomites, der nevenner als politischer Amtsleiter nicht geringe Func¬ tionen zu versehen hat, bemüht sich aufs Eifrigste, den Berichterstattern die besten Plane überall anweisen zu lassen, und mir richtiger Erkenntniß, daß die Presse zum Gelingen der Ausstellung auch beitragt, wirten alle Special=Comites zusammen, um für rechtzeitige Publicationen Sorge zu tragen. So geht denn Alles Hand in Hand; das ist das schönste Symbol für das Gedeihen des patriotischen Unternehmens. Der Wiener Männergesangs=Verein in Steyr. Am 15. August unternimmt bekanntlich der Wiener Männergesangs-Verein eine Sängerfahrt nach unserer Stadt. Der Verein verläßt Wien Morgens 18 Uhr und trifft um halb 1 Uhr in Steyr ein. Am Abende dieses Tages wird im Casino ein Concert abge¬ halten, für welches das folgende Programm festgestellt ist: Psalm von Schubert; „Der träumende See", von Schumann: „Der Blumen Schwester, von Engelsberg; „Morgen¬ wanderung“, von Esser: „Heini in Steyr, von Engelsberg, die Violinbegleitung vorgetragen von den Kammervirtuosen Herrn Rossi, Ab¬ schied hat der Tag genommen“, von Neßler, ein Chor mit Hornsolo (Herr Toms); Quar¬ tett Udel und „Poeten auf der Alm, von Engelsberg. Am Samstag findet ein Volks¬ Concert im Ausstellungsraume statt, bei dem zur Aufführung kommen: „Geistliches Kampf¬ lied, von Kristinus; „ Diandle, von Her¬ ben: „Muttersprache, von Engelsberg; „Die „Steyrer-Ausstellungs-Zeitung.“ Post“, mit Hornsolo, von Schäfer (Hornsolo Herr Toms); „Beim Fenstern, von Koschat; „Die Nacht“ von Schubert; „Heut ist heut von Weinziert; „Wenn Zwei sich gut sind, von Kremser; „Frühlingslandschaft“, von Otto; Vorträge des Quartetts Udel, „Sängerlust, Polta von Strauß. Das Ertragniß von den veranstalteten Unternehmungen wird, wie immer, humanitären Zwecken gewidmet. Sonntag Vor¬ mittags soll ein kleiner Ausflug auf den Dam¬ berg unternommen und Mittags officiell die partie geschlossen werden. Bergnügungs=Anzeige. 6. August 8 Uhr Abends, Concert des bestrenommirten Schwedischen Vocal=Quartetts. Vom 3. August an ist der freie Ein¬ tritt auf den Ausstellungsplaß erst ab 11 Uhr Nachts gestattet. Von 10—11 Uhr ist das Entree auf 10 Kreuzer festgesetzt. historische Ausstellung (im Burgerschulge¬ bäude wird von morgen (Mittwoch ab täglich schon um 8 Uhr Früh geöffnet ein. esikalender. 7. August. Concert der „Musikfreunde in Steyr 9. August. Vortrag des Herrn Professors Dr. Josef Bittner über „Elektricität in ihrer historischen Entwicklung, im Turnsaale des Burgerschul=Gebäudes. 10. August. Concert der Steyrer Gesangs¬ Vereine „Liedertafel“ und „Kränzchen auf dem Ausstellungsplatze. 13. August. Vortrag des Fachvorstandes der k. k. Versuchsanstalt für Stahl= und Eisen¬ industrie in Steyr, Herrn Gustav Ritzinger, über die „gewerblichen und kunstgewerblichen Be¬ strebungen der Neuzeit. 15, 16. und 17. August. Anwesenheit des Wiener Männergesangs=Vereines. Concerte. 15. und 17. August. Großes Officiers¬ Wettreiten auf dem Feldplan bei Neulust. 1. August. Beginn des Festschießens Kaiserschießen in der Schießstätte der Waffen¬ abrik. Abends Feuerwerk mit bengalischer Be¬ leuchtung. 18. Augun. Festlichkeiten zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät. — Die Wander¬ versammlung der Aerzte von Oberösterreich tagt in Steyr. — Außerdem allgemeiner Aerzte=Tag der deutsch=österreichischen und deutschen Aerzte in Steyr. Vortrag des Herrn Dr. Wilheim aus Wien über das Thema „Elektricität in Dienste der Medizin. 18. und 19. August. Fortsetzung des Fest¬ schießens und Preisvertheilung. 23. und 24. August. Großes Feuerwehr¬ Fest deutsch=österreichischer Feuerwehren, aus An¬ laß der Enthüllung der Gedenktafel zur Erin¬ nerung an die Anwesenheit Sr. Majestat des Kaisers und höchstdessen Inspicirung einer Feuer¬ wehr liebung der hiesigen Fabriks=Feuerwehr am 23. August 1880. 25. August. Vortrag des Herrn Professors Dr. Maximilian Weinberger aus Wien über „Telephon und Mikrophon mit Demonstrationen im Turnsaale des Burgerschulgebäudes. — Con cert der „Gesellschaft der Musikfreunde in Steyr 28. bis 31. August. Zweites Volksfest mit Volksbelustigungen aller Art. 3. September. Concert der „Gesellschaft der Musikfreunde in Steyr. . und 8. September, Gauturnfahrt deutsch¬ österreichischer Turnvereine nach Steyr. — Schau¬ turnen auf dem Ausstellungsplaye. 9. und 10 September. Anwesenheit des oberösterr. Forsvereines und Abhaltung der Wanderversammlung in Steyr. — Vortrage im Nr. 4 Turnsaale des Bürgerschul=Gebäudes: a) von Herrn Dimitz, k. k. Oberforstmeister in Gmunden; 5) von Herrn Förster, k. k. Forstmeister in Gmunden. — Preisvertheilung in der fürstlichen Abtheilung. 13. und 14. September. Allgemeines Sängerfest der deutsch=österr. Gesangsvereine. 16. 17. September. Zweites großes Bestschießen in der Schießstätte der hie¬ sigen Waffenfabrik. 19. September. Concert der „Gesellschaft der Musikfreunde in Steyr. 20., 21. und 22. September. Drittes Volksfest mit verschiedenen Volksbelustigungen. 22. und 23. September. Anwesenheit des Montanistenvereines für Steiermark und Kärnten und bei dieser Gelegenheit „Erster allgemeiner österr.=ung. Montanisten=Tag in Steyr, ver¬ bunden mit mehreren Vorträgen im Turnsaale des Bürgerschulgebäudes und Constituirung eines Bureau für den österr.=ung. Montanisten¬ Tag Anwesenheit verschiedener Sectionen des „Deutsch=österr. Alpenvereines. 24. September. Concert der Steyrer Gesangs-Vereine „Liedertafel“ und „Kränzchen auf dem Ausstellungsplatze. 25. September. Mehrfache Velocipéde¬ Wettfahren auf dem Ausstellungsplatze. 28. September. Prämirung der Aus¬ teller, der Mitarbeiter und der langjährigen Gewerksgehilfen. 30. September. Schlußfeierlichkeiten. moisissures. Wenn Frauen weinen. Die junge Gattin eines Professors machte jüngst bei einem kleinen ehelichen Zwist den Versuch, den gelehrten Gemal durch Thränen zu rühren. Sie erreichte aber dabei nicht viel, denn er sagte kopfschüttelnd: „Ach, höre auf zu weinen, Thränen imponiren mir nicht. Ich habe sie chemisch untersucht, Sie bestehen aus einer Idee von phosphorsäurem Kalt und etwas Sodachlorid; das meiste aber gewohnliches Wasser. uete¬ Phantant aus Wahrheit aus dem Reiche der Elektricitat. Wer kennt nicht den vielgelesenen franzosischen Romancier Julius Verne, dessen Phantasie sich nicht allein mit unserer Erde begnügt, sondern für dessen Erfindungslust auch andere Himmels¬ körper verhalten müssen?! Das ganze Reich der Naturkrafte machte er sich tributar; gründlich be¬ wandert in Physik, ein Mathematiker, der vor kei¬ nem Problem zurückschreckt, thatkräftig genug, um auch das Unglaublichste glaubbar zu machen, schrieb er seine spannenden Romane, seinen Ca¬ pitan Nemo, das elektrische Schiff, welches die Untiefen der Meere durchfuhr, überall sein bläuliches intensives Licht umherwerfend, das sogar die armen Todten, die her unten, von Algen und Seepflanzen umwuchert, ihren ewigen Schlummer halten, zu wecken droht Wer lachte nicht darüber, wer spottete nicht über den Phantasten? — Eine Reihe von Jahren ist vergangen, und jetzt glauben wir nicht allein an die große Gewalt elektromotorischer Kräfte, nein, wir sind ihrer Stärke und Brauchbarkeit auch vollkommen bewußt. Ein Blick in die Ausstellungsraume, in das Sausen der Ringe, welche drahtumwunden durch die magnetischen Felder hindurch mussen, genügt uns, um die Erzeugung der großen Inductionsstrome wahr¬ zunehmen, welche in Licht, Wärme und Triebkraft dort Verwendung finden. Die rohe Wasserkraft z. B. leiten wir in dünnen Brähten auf Berge um sie dort brauchbar zu machen. Da nützt le Lengnen, ein Strauben, die Naturkrafte sie

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