Seite 6 Ja, so eine Katzenjammer-Stimmung in der Natur ist ansteckend — Pardon¬ wir sprechen von keiner Epidemie, aber wenn Einer gähnt, maulen gleich ein Dutzend, sagt das Sprichwort, und dunkle Wolken machen trübe Gesichter. Wir wollen lieber gleich einen Bund schließen mit dem Feinde des Regenwetters, mit der größten und schönsten, billigsten und liebenswur¬ digsten aller existirenden Lichtquellen, mit System „Sonne", Dynamo Schwerkraft ohne Patent, aber seit Jahrtausenden concurrenzlos. Also nur recht artig: Wurde doch so zu sagen mit Briarens Armen und geradezu elektrischer Schnellig¬ keit an dem Gelingen der Ausstellung ge¬ arbeitet und nach Tages Arbeit, kommen Abends Feste, daher wir uns auch unter den ganz besonderen Schutz des general¬ gewaltigen Wettermachers stellen wollen. Und nun zu den Wundern der Elektro¬ technik! Wunder, was wurde nicht alles Wunder genannt? Was zu irgend einer Zeit neu war, mußte sich diesen Namen gefallen lassen. Als man anfing, die Resultate der Naturforschung unter das Volk zu tragen, da tam die höchst entwickelte Wissen¬ schaft zuerst in die Reihe, man sprach da¬ mals von den Wundern des Himmels, pater tamen die Wunder der Chemie, des Dampfes, die Wunder der Elektricität Doch was vor 40 Jahren als Wunder galt, d. i. der elektromagnetische Telegraph, das ist heute die alte Elektricität. Wenn man jetzt von Wundern der Elektricität pricht, so meint man jene Elektricität, diman erst seit wenigen Jahren kennt, derer Erfolgen man überall begegnet, über deren Erzeugung aber nur enge Kreise der Natur orscher und Industriellen unterrichtet sind Sapperlot, was werden die Fachmanner zu unserem Sermon sagen, wir sind ganz aus dem Fahrwasser gekommen und das ist für den Feuilletonisten immer gefähr¬ ch. Wir wollten nur plaudern, aber nicht ausplaudern. Den einzelnen Besuchern wollten wir hie und da einen Wint geben wie z. B. „Achtung auf die Taschenuhren! Sie meinen sicher, ich warne Sie damit vor Taschendieben. Aufgesessen! Der Dieb¬ der die Uhren an sich zieht, ist der Mag¬ netismus, und da muß man diese kleinen verzärtelten Dinger schon etwas in Obhut nehmen. Da tritt man breit und ahnungs¬ los zu so einer Dynamomaschine hin und sieht ihr beim Arbeiten zu und weiß gar nicht, wie das so eine Maschine verdrießt Mit den Polen ihrer Magnete schielt sie auf den Storenfried und die Uhrfeder wird unter ihrem Einflusse magnetisch oder bleibt wol ganz stehen, wenn man nicht dieser Magnetismus dadurch abschwächt, daß man sich im rechten Winkel zu dem schuldtra genden Magneten aufstellt, der dann wie der Speer des Achilles oder der des Gral¬ fursten Amortas die Wunde heilt, die er geschlagen. Am besten thut man daran die Uhr in einem Gehäuse an einer seidenen Schnur zu tragen. Und nun, um beim Pauschen, wie „Steyrer-Ausstellungs-Zeitung.“ immer, auf das Wetter zurückzukommen, kann ich den geehrten Lesern noch verrathen, daß sich das Centralcomite ver eventuellem Eintritt kühler Witterung an die Firma Jullig & Altschul gewendet haben soll, die eine Maschine erfunden haben, mit der die Elektricität in Warme über¬ tragen wird. Nun, erstere werden wir ge¬ nug haben, die letztere machen wir uns wenn nicht anders, — durch den Ofenheizer Wir hatten noch so manchen Wint am Herzen, allein wir sparen uns dies auf ein besseres Wetter, denn — ist's Weiter naß — vergeht der Spaß. Trara: C. L. Lorenz. Siehe ein Festtagssaal. Die Stadt Steyr hat bereits das Fest¬ kleid angezogen. Schon Donnerstag waren viele fleißige Hände thätig, die Häuser au das zierlichste zu schmucken mit Fahnen in den Farben des Reiches, des Landes und der Stadt Steyr und mit Kränzen und mancherlei Inschriften. So tragt das Gasthaus „Zur Sense in Steyrdorf die unseren hohen Protector ehrende Devise: „Gott erhalte unseren durchläuchtigsten Herrn Erzherzog Carl Ludwig. Der Bahnhof ist geschmackvoll geziert mit Blu¬ men und Reisiggewinden zwischen welche mannigfache Wappenschilder und Mono¬ gramme angebracht sind. Am Hause un eres Ehrenburgers Herrn Tomi prangen die Monogramme F. J. I., K. S., C. L., welche unserm gütigen Monarchen, dem edlen Kronprinzenpaar und unsern huld¬ vollen Protector das herzlichste „Willtommen" entgegenrufen. Vom Bahnhofe sehen sich Flaggenreihen und elektrische Lampen entlang bis zur mit Blumenguir¬ landen prachtvoll geschmuckten Ennsbrucke. Alle Stadttheile, tein einziger ausge¬ nommen, zeigen sich im Flaggen= und Kranzesschmücke. Vom Bahnhofe bis nach St. Anna, wo ein Triumphoogen aus Reisig errichtet ist, von Kegelpriel bis in's außerste Ort und Ennsdorf zeigt sich in dieser Beziehung ein Wetteifer, der Zeug¬ niß ablegt von der Begeisterung, welche die gesammte Bevolterung dem Steyrer¬ Feste entgegenbringt und von dem Be¬ streben, den bereits anwesenden höchsten und hohen Herrschaften den Aufenthalt in Steyr so angenehm als möglich zu machen Besonders weithin sichtbar sind die Flaggen auf der Werndl=Villa, auf dem Schlosse Engelsegg, auf der Anhöhe von Neulust, überhaupt die zahlreichen Fahnen am Carl Ludwigplatze, welcher geradezu mi¬ Flaggen überset ist. Den Eingang zur culturhistorischen Ausstellung zieren zwei mit Kranzen umwundene Pyramiden, welche mit den entsprechenden Emblemen geschmuckt sind. Ueberall am Ausstellungsplatze wurde gestern die letzte Hand ans Wert gelegt um den Besuchern gleich anfangs eine voll¬ tändige Ausstellung zu bieten. Möge die Witterung wie jest, so auch an den meisten Ausstellungstagen günstig sein! Nr. 2 Tages=Seligkeiten von Seite. Steyr, den 2. August 1884. Sr. kaiserl. Hoheit unser durch¬ lauchtigster Protector verlassen Morgen Früh unsere Stadt. Die Zeit der Abfahrt wurde officiell nicht be¬ kannt gegeben, da Se. kais. Hoheit jedwede Ceremonie und Feierlichkeit, sowie die Be¬ gleitung seitens des Comites dankend abge¬ lehnt hat. Mitgestrigem Zuge 521 um 8 Uhr 45 M. Abends tam der Präsident der t. k. Direc¬ tion sur Staatseisenbahnbetrieb in Wien, Sectionschef Herr v. Czedit, Ehrenbur¬ ger unserer Stadt, hier an und wurde von den Herren: Generaldirections-Rath Seyscha, kais. Rath Pointner und den superioren Teilenberger, Schneider und Schiller empfangen und in das „Hotel Schiff geleitet. Herr v. Czedit nahm heute an der Eröffnungs=Feier theil und fuhr mit dem heutigen Züge 542, Nach¬ mittag 4 Uhr 30 Min., nach Wien zuruck. Interessantes für Fremde. Sehenswürdigkeiten: Stadtpfarrthurin mit schoner Aussicht, k. k. Vereinigte Fachschule und Versuchsanstalt für Stahl- u. Eisenindustrie. (Die Anstalt und deren reichhaltige Messersamm= lung ist ab 4. August bis incl. 13. September mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich Vor¬ mittags von 10—12 Uhr dem freien Zutritt des Publicums geoffnet. Während dieser Zeit wird der Estos der k. k. Fachschule, Herr Anton Petermandl, die nöthigen Explicationen bezüglich der Muster¬ sammlungen der Anstalt ertheilen); permanente Gewerbe=Ausstellung, Schwimmschule, Stadtpfarr= kirche, Losensteiner Capelle in Garsten. Spaziergänge: Ennsleithen mit Uebersicht über die Stadt, Tabor, Daxberg, St. Ulrich, Garsten, Christkindl, Gleint. Eine prächtige Rund¬ schau mit Hochgebirgsaussicht bietet der Damberg auf seiner Warte (113 Stunden von Steyr. Vergnügungsanzeiger. Am 2. Aug: Abends 8 Uhr wird auf der Haraßleithen ein großes Feuerwerk abgebrannt. — Con¬ cert der uniformirten Bürgerkorps=Capelle von Steyr. (Siehe Inserat.) — TelephonMusikuvertragung. Telephon=Concerte. (S. Krätty-Baschit's Aus¬ Inserat. stellung der Geißler'schen Rohren. (Siehe Vom 3. bis 5. August ist Inserat.) „Großes Volksfest mit Belustigungen aller Art. Am Festplate spielen drei Musik¬ capellen. Festkalender Vom 2. bis 5. August erstes Volksfest. Es spielen drei Musikkapellen. Deutsch-österreichisches Veteranenfest. — Anwesenheit vieler Deputationen aus Städten, Markten und Landgemeinden. Verschiedene Volksbelustigungen, Gluckshafen rc. 6. August. Vortrag des Herrn Dr. Pulu über die „Unzerstörbarkeit der Kraft“, im Turn¬ saale des Bürgerschul=Gebäudes. 7. August. Concert der „Musikfreunde in Steyr 9. August. Vortrag des Herrn Professor Dr. Josef Bittner über „Elektricität in ihrer historischen Entwilung, im Turnsaale des Burgerschul=Gebäudes.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjQ4MjI2