Seite 2 Central=Comité's und die Vertreter der Presse erwahnt. Langs der Stufen zur Terrasse hatten sich die liebreizenden Ehren¬ damen, links sechs mit grun-weißen, rechts sechs mit roth-weißen Scharpen postirt während auf der Plattform der hochwur¬ digste Herr Bischof, Se. Excellenz der Acker bauminister, Se. Excellenz der Statthalter, der kaiserl. Rath Bürgermeister Pointe und der Obmann des Central=Comites die allerhöchsten Herrschaften erwarteten. Lints von diesen standen die Celebritaten, rechts das Central=Comité und die Vertreter der resse; am Fuße der Terrasse hatten sich te Vertreter der Landgemeinden und die Nitglieder der diversen Comites postirt. Nach 10 Uhr verkundeten die endlosen Hochrufe der Menschenmenge das Nahen der höchsten Herrschaften, die in vier gräflich Lamberg'schen Prachtkarossen vor der Estrade vorführen. Dem ersten Wägen entstieg der durchläuchtigste Erzherzog Protector Carl Ludwig in Generalscampagneuniform, so wie die durchlauchtigste Frau Erzherzogin in einem grauen Seidentleide mit reicher Spitzen=Stickerei und einem Ueberkleide aus eingewebten Sammt, gleichem Hutchen mit gelb=weißen Federn, an dessen Hals¬ ausschnitte ein frisches Rosen=Bouquer dem zweiten Wagen Se. kais. Hohen der durchlauchtigste Erzherzog Johann ebenfalls in Generalscampagne=Uniform mit dessen Obersthofmeister Freiherrn von Meßbengen, dem dritten der Herr bersthofmeister Sr. Excellenz Graf Pe¬ jacsevics von Verocse mit Ihrer Excellenz der Frau Obersthofmeisterin Grafin Schönfeld in schwarzer Atlas¬ toilette, dem vierten Se. Excellenz Graf Lamberg mit hochdessen Gemalin Letztere im taubengrauen Seidenripstleide mit Spitzen und einem lichten Strohhut mit gleichen Spitzen geputzt. Die hoch¬ sten Herrschaften wurden unter den Hoch¬ rufen der Menge von den sie erwarten¬ den Persönlichkeiten auf die Estrade geführt, worauf der Obmann des Central=Comites Herr Dr. Joh. Hochhauser, folgende Ansprache hielt: „Jhre kaiserlichen Hoheiten! Im Na¬ men der Bürgerschaft unserer Stadt, welche diese Ausstellung veranstaltet hat, habe ich die Ehre, Ihre kaiserl. Hoheiter ehrfurchtsvollst zu begrüßen. Es ist noch kein volles Jahr, daß Se. k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Kron¬ prinz Rudolf gelegentlich der Eröffnung der elektrischen Ausstellung in Wien den Wunsch zum Ausdruck brachte, daß ein Meer von Licht aus ihr ausstrahlen und neuer Fortschritt hervorgehen möge. Diese Worte unseres durchlauchtigsten Kronprinzen haben im weiten Oesterreich einen mächtigen Wiederhall gefunden, und vor Allem fühlte sich die hiesige Waffen¬ fabrik mit ihrem Reichthum an wunder¬ baren maschinellen Einrichtungen und mit ihren reichen Wasserkräften berufen, die „Steyrer-Ausstellungs-Zeitung. weitere Entwickelung dieses neuen Indu¬ striezweiges im großen Style in die Hand zu nehmen, demselben die Naturkräfte dienstbar zu machen und für das tägliche Leben neue Bahnen zu brechen. Durch Verwertung der Wasserkräfte an denen unser schönes Oesterreich so reich t, soll das electrische Licht ausstrahlen aus unserer Stadt bis in die entlegensten Winkel der Alpen und so ein großer Schritt vorwärts gethan sein, diese wunderbare Erfindung zu nützen als Gemeingut der Menschheit. Mit diesen Fortschritten auf elektrischem Gebiete wollten wir auch die übrigen Er¬ zeugnisse unserer Industrie zur Schaustellen Unsere Eisenindustrie ist so alt wie die Stadt selbst, und unter dem Schutze des Hauses Habsburg schon vor Jahrhun¬ derten zur weltberühmten Bedeutung ge¬ langt. Es fehlen nur drei Jahre an der statt¬ lichen Zahl von 600 Jahren, daß der er¬ habene Ahn Eurer kaiserl. Hoheit, Herzog Albrecht I., im Jahre 1287 in unserer Stadt zum Schutze der Eisenindustrie die große Privilegiumsurkunde unterzeichnete und so den Grundstein für die nachherige bedeutende Entwicklung dieser Industrie legte, welche nach den verschiedenen Stür¬ men, die der Zeiten Lauf mit sich brachte, durch die gnädige Fürsorge der folgenden Regenten immer wieder verjungt und sieg¬ reich hervorgegangen ist. Und wie die erhabenen Ahnen Eurer kaiserl. Hoheit die Industrie unserer Stadt in Ihren Schutz genommen, so haben sich auch Eure kaiserl. Hoheit auf unsere ehr¬ urchtsvollste Bitte bereit erklärt, unserem heutigen, der Industrie gewidmeten Unter¬ nehmen Höchstihre Unterstützung angedeihen zu lassen. Unter den erhabenen Auspicien dieses Höchsten Protectorates haben wir die In¬ dustriellen und Forstwirthe des Landes zum friedlichen Wettkampfe in unsere alte Eisenstadt eingeladen, und sie alle sind diesem Rufe gefolgt, und so zeigt unsere Industrie= und Forstausstellung ein ge¬ treues Bild von der heutigen gewerblichen und forstlichen Thätigkeit unseres Landes im Gegensatze zur culturhistorischen Ab¬ theilung, welche die industrielle und ge¬ werbliche Thätigkeit aus vergangenen Zeiten vorführen wird. Wir fühlen uns im höchsten Ma߬ beglückt, daß auch Ihre kaiserl. Hoheit die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Maria Theresia diesen feierlichen Moment durch Höchstihre Gegenwart verherrlicht und Nr. 2 bitten, den ehrfurchtsvollen Dank der Comiteemitglieder für diese Auszeichnung und für die huldvolle Förderung unseres Unternehmens durch Uebernahme des Höch¬ sten Protectorates und für die Höchst ver¬ sönliche Eröffnung unserer Ausstellung gnädigst entgegen zu nehmen. Und nun gestatten uns Eure kaiserl. Hoheit die ehrfurchtsvollste Bitte: Eure kaiserliche Hoheit als durchlauchtigster Pro¬ tector geruhen diese elektrische, Industrie= Forst= und culturhistorische Ausstellung in Steyr zu eröffnen. Der durchläuchtigste Herr Protector erwiderte darauf mit weithin deutlich ver¬ nehmbarer Stimme Folgendes: „Seit einer Reihe von Jahren im Ausstellungswesen thätig, habe ich stets Freude das Zustandekommen einer das Gewerbe und die Industrie fördern¬ den Ausstellung begrüßt. Umsomehr bin ich erfreut, in einer Stadt, in welcher mein Ahne Albrecht I. durch Verleihung neuer und Bestätigung alter Privilegien den Grund zur freien Verwaltung zum Aufblühen von Handel und Gewerbe gelegt hat, als Protector zu erscheinen, um mit der Erzherzogin ein Werk zu inauguriren, welches Zeugniß ablegen soll von den bedeutenden Fort¬ schritten eines nahezu 600 jährigen Zeitabschnittes in der Entwicklung dieses Gemeinwesens, in dem Aufstreben von Stadt und Land auf industriellem, forst¬ wirthschaftlichem und culturhistorischem Gebiete. Das gegenwärtige Unternehmen, aus¬ gegangen von hervorragenden Industriellen, gestützt und gefördert durch die Repräsentanz dieser alten Stadt und deren Bürgerschaft, hat sich im Anschlusse an die unter dem Protectorate Sr. kais. Hoheit des Kronprinzen so glänzend durchgeführte elektrische Ausstellung in Wien besonders die praktische Seite der Verwertung der Wasserkraft im Dienste der Elektricität zur Aufgabe gemacht. Hoffen wir, daß in dieser Richtung noch große Fortschritte im allgemeinen Interesse erzielt werden! Indem die Erzherzogin und ich, Ihnen, meine Herren, für den festlichen Empfang und für den Ausdruck ihrer loyalen Ge¬ fühle den herzlichsten Dank aussprechen, danke ich auch gleichzeitig dem gesammten Central=Comite der Ausstellung, sowie Allen, welche an dem Zustandekommen derselben mitgewirkt haben, und spreche den lebhaften Wunsch aus, daß dieses Unternehmen vom besten Erfolge begleitet sein möge.
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