Anton Rolleder - Heimatkunde von Steyr 1894

5 habe, ist mehr als wahrscheinlich. Wenn wir bedenken, dass die Wasserstraße, die Enns, mit Flößen und von der Einmündung der Steyr abwärts mit Schiffen befahren werden konnte, so dass die Römer das Holz für ihre Donauflotille, und das Eisen aus dem Erzberg für ihre Schildfabriken in Lorch schnell und billig verfrachten konnten, so wird die Erbauung eines Castelles an diesem bedeutenden Knotenpunkt des Ver­ kehres nach vier Richtungen der Windrose umso wahrscheinlicher. Der Thurm des Lamberg'schen Schlosses, ein mächtiger quadratischer Bau mit 2 Meter dicken Mauern, wird von der Volkssage als Römerthurm bezeichnet und hat in der That mit un­ zweifelhaft römischen Bauten die größte Ähnlichkeit; dazu kommt die 'Nachricht vom alten Chronisten von Steyr, Prevenhnber, dass im Jahre 1290 nicht ferne von der Stadt ein großer Schatz goldener Römermünzen gehoben wurde, welche das Bildnis der Faustina, der Tochter des Kaisers Antonius Pius und Gemahlin des Kaisers Marc Aurelius, zeigten. Ferner wurde dabei ein dem Jupiter Stator geweihter Denkstein gehoben, der die Inschrift trug: „Dem die Feinde zum Stehen bringenden Jupiter. Quintus Aburnus Caediclanus, Leg. Aug." Im Jahre 1796 wurden bei Steyr abermals mehrere rönüsche Münzen ausgegraben. Eine weitere Römerstraße führte von Ans- felden über Schloss Weißenberg, welches wahr­ scheinlich auf den Resten eines römischen Castells erbaut wurde und in welchem der Grabstein einer Römerfamilie eingemauert ist, nach Neuhofen, lvo eine Bronzemünze des Kaisers Antonius Pius ge­ funden luurbe. Auch ist in der Hofmauer des Hauses Nr. 66 im Markte der Kopf einer Römer­ statue eingemauert. Von 'Neuhofen zog die Straße nach Kematen, wo die Kirche aus den Resten eines römischen Bauwerkes entstanden sein soll, und sich hier an der Friedhofmauer zwei Römersteine vor­ finden. Diese Straße wird 1181 als „strata publica" angeführt. Von Kematen zog sie weiter über Burg, lvo Spuren von alten Bauwerken gefunden wurden, Krenlsmünster und Wartberg nach Pettenbach. Ein anderer Straßenzug gieng von Wels im Thale des Aiterbaches nach Littring bei Eberstallzell, gewann hier die Höhe und stieg dann bei Bergern in das Thal des Pettenbaches herab, um von hier zum Alpenpasse am Pyhrn weiterzustreben. Diese Straße wird 993 in einer Kremsmünsterer Urkunde als „via publica" angeführt. Diese beiden letztgenannten Straßenzüge waren durch einen von Kematen abzweigenden, über Egendorf und Leombach nach Thalheim führenden Römerweg verbunden, dessen Beginn in Kematen noch heute Römerstraße heißt. In Egendorf fand man eine Münze des Kaisers Vespasian. Von Weißenberg soll eine Römerstraße über Oberndorf bei St. 'Marien nach Lorch geführt haben. Ferner wurden im Thale der Kleinraming bei der ehemaligen Sturmschleife und am Steinparzgute Römermünzen gefunden, und soll ein Saumpfad von der Enns bei Weyer über Wegerer, Rotenstein (Ruckerstein im Volksmunde), Praschen, Raming, Straß und Burg nach Enns geführt haben. Aus dem Gesagten haben wir Grnnd genug zur Annahme, dass die Römer in unseren Gegenden gehauöt und die damalige Bewohnerschaft unseres Bezirkes nicht nur beherrscht, sondern auch romanisiert hatten. Auf den genannten Straßen sehen wir die Handelsleute durch die Provinz ziehen, auf der großen Alpenstraße sogar bis Aquileja; aus unseren Gegenden werden dorthin Vieh, Felle, Holz, Wachs, Eisen, Eisenwaren und Alpenkräuter verkauft, dafür Öl und Wein zurückgebracht. Römerstein in Weistenberg. Von F. Kulstrunk.

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