Maturazeitung 1940

Pausen in nicht mißzuverstehender Weisehinter jugendlichen Schülerinnen herliefen und die selben nicht einmal auf der genug. Als biedere Schi¬ Straße unbelästigt ließen. Doch dem nicht fahrer verkleidet suchten sie am DambergGelegenheiten, um mit ihren Fotoapparaten Bilder von ehrbaren Steyrer Oberschülerinnen zu erhaschen. War ihnen dies gelungen, so gingen sie mit geradezu erschreckender Frechheit mit den Kopien zu diesen betroffenen Mädchen und suchten auf diese verderbte Art deren Bekanntschaft zu machen. Doch ihre abstoßenden Visagen und ihr geiler und lüsterner Gesichtsausdruck hielt die Betroffenen davon ab, sich in nähere Beziehungen mit diesen Unmenschen einzulassen. Der Prozeß erreicht seinen Höhepunkt, als der Vorsitzende die Einvernahme der Kronzeugin beginnt. Bleich und abgehärmt betritt sie den Saal. Sie hatte das Unglück auf die gleißenden Verlockungen der beiden Adeligen einzgehen. Auch ließ sie sich durch deren Titeln in ihrer jugendlichen Einfalt blenden. Ihr nunmehriges Elend zeugt davon, wie es den Opfern der Angeklagten erging. Den Zuhörern läuft es kalt über den Rücken und namenloses Grauen erfüllt sie, als sie aus dem Munde der Hundsgräfin, die, von diesen halbwilden Ungetieren an ihr begangenen Schändlichkeiten hören. In zahlreichen Pfui-Rufen tat sich die Empörung der Zuhörer kund. Es war nahe daran, daß sich die im Saal Anwesenden auf die Verbrecher gestürzt hätten. Nur dem raschen Zugreifen der Schutzmannschaften war es zu ver¬ danken, daß keine Lynchjustiz den Schurken ein rasches Ende bereitet hätte.So sehr war das Publikum über diese empört. Die Angeklagten nahmen das Urteil, welches sie für vier Jahre auf die Teugelsinsel verbannte, mit großem Gleichmut hin. Der Gerichtsarat, Dr.H.S.Eidl, sprach den Gedanken aus, daß vielleicht die Landschaft, in der sie gelebt hätten, ihren Charakter derart verbildet hätte. Die Bevölkerung wird darauf aufmerksam gemacht, daß noch nicht alle Komplizen der Angeklagten gefaßt wurden, Die Bewohner von Steyr werden daher aufgefordert, sich akti- an der Verbrecherjagd zu beteiligen. Wo immer sie nur Gestalten vom Format der Verurteilten erblicken, sollen sie sofort die Polizei benachrichtigen. Jugendgericht! Verhaftung des gefürchteten „Jausenräubers“ in der Steyrer Ober¬ schule. Ferner gelang es der hiesigen Polizei den schon lange gesuchten Jausenräuber in der Steyrer Oberschule auf frischer Tat zu er¬ tappen. Es ist der bekannte Zwerg Walter F., in seinen Verbrecher¬ kreisen als Tschitsch bekannt. Der Dieb hat in verbrecherischer Weise durch Monate hindurch die guten Jausen der Maturanten ge¬ stohlen. Schinkensemmeln, Schlagobers (in Termosflaschen), Butter. Tettes, Kaltes Schweinernes, Schnitzeln, Geselchtes, Tortenstücke, Bisquuit, Schokolade, Schnäpse, Weine und Biere u. a.m. fielen ihm zum Opfer. Bei seiner Verhaftung gab er an, aus Not und Hunger gehandelt zu haben. Er wurde ins Polizeigefängnis eingeliefert.

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