Ein schwerer Schicksalssdilag für die Kirche war der Brand, der am 10. September 1896 durch einen Blitzschlag entstand und ihr schwerste Schäden zufügte. Der Blitz schlug in den hölzernen Turm ein und zündete. Das Feuer wurde nicht gleich bemerkt und so konnte vom Turm nichts mehr gerettet werden. Wegen Wassermangel konnte die Feuerwehr Lassing nicht viel tun, erst ein heftiger Begenguß brachte genügend Wasser. Die Feuerwehr von Göstling war nach kurzer Zeit eingetroffen und da sich der Wind günstig drehte, konnten die nahe liegenden Gebäude gerettet werden. .4ußer dem Kirchturm brannte auch das Dach und der Dachstuhl der Kirche nieder. Die drei Glocken, die Orgel, die Kirchenbänkc waren vernichtet. Den größten Teil der Innen einrichtung hatte man in den Pfarrhof gebracht. Der Gesamtscliaden betrug 9.000 Gulden. Die Kirche mußte gepölzt werden und ein Notdach wurde aufgesetzt. Die einlaufenden Spenden waren viel zu gering, um an die Neugestal tung zu gehen und das Patronat ließ sich mit der Erledigung Zeit. Der Wiederaufbau zog sich hinaus, die Bevölkerung vermochte ihn allein nicht zu leisten. Da trat Graf Hans W i 1 c z e k, der als Jagdpächter in Wildalpen oft hier durchfuhr, an den Kaiser heran und durch dessen Machtwort sollte die Kirche endlich wieder aufgebaut werden, nach dem zwei Jahre mit Vertröstungen vergangen waren. Aber das Ministe rium für Kultus und Unterricht sandte erst nach Monaten mit der Be willigung von 10.600 Gulden einen Bauplan mit der Entscheidung, daß die Pfarrgemeinde 7.300 Gulden aufbringen müsse, was sich natürlich als unmöglich erwies. Obwohl sich verschiedene Seiten bemühten, den Lassingern wieder zu einer Kirche zu verhelfen, gab es nur endlose Verzögerungen und eine ebenso endlose Reihe von Zwischenerledigun gen, aber keine Kirche. Im Feber 1900 kam von der Bezirkshauptmannschaft in Scheibbs end lich die Erledigung. Der Kostenvoranschlag war mit HS.320 Gulden be rechnet und bewilligt. Maurermeister B r a n t n e r in Waidhofen über nahm unter Beistellung des Baumaterials die Bauarbeiten. Hand- und Zugarbeiten wurden von der Gemeinde geleistet. Schon vorher hatten die Besitzer von Lassing mit dem Zuführen von Baumaterial begonnen. Im August wurde das Turmkreuz auf dem neuen Turm errichtet. Vier neue Glocken aus der Gießerei Higer in Wiener-Neustadt wurden darin angebracht. Nach vier Jahren, im November 1900, wurde das Gotteshaus eingeweiht und Lassing hatte endlich wieder seine Kirche, die nun einen sehr sauberen und anheimelnden Eindruck macht.
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