Markt Göstling an der Ybbs

sind hier durchgezogen, um sich vor Kriegsereignissen in Sicherheit zu bringen. Am 8. Mai 1945 brannte die Turnhalle und das Gasthaus Scheucht samt dem Wirtschaftsgebäude nieder. Die in der Turnhalle gelagerte Muni tion detonierte mit großer Gewalt. An diesem Tage setzten sich die letzten deutschen Kampfverbände nach Westen ab. Dem Heeresstrom entgegen zogen Angehörige ver schiedenster Hilfsorganisationen ihrer östlichen und nordöstlichen Hei mat zu. Die Verwirrung auf den Straßen war ungeheuer. Nach Aufteilung unseres Landes in Besatzungszonen verlief die rus sische Demarkationslinie in den Jahren 1945 bis 1953 in Mendling, wo selbst der Schlagbaum mehrfach seinen Standort wechselte. Für Zwecke der Besatzungstruppe war das Herrenhaus in Mendling und das Gasthaus jahrelang beschlagnahmt. Am 12. Oktober 1947 wurde die gesamte Gasthausrealität während ihrer Belegung durch ein rus sisches Schlägerungskommando ein Kaub der Flammen. Das Haus Nr. 4 (der alte Gasthof) wurde zum Teil wieder aufgebaut und diente in den Jahren 1950 bis 1953 der Grenzbesatzung als Unterkunft. Wäh rend dieser Zeit stand der Schlagbaum und das Schilderhaus an der alten Linde, einem Naturdenkmal, das durch den Brand teilweise zerstört wurde. Während der Besatzungsdauer wurden in Mendling Verteidigungs stellungen gegen ein Eindringen von Westen her geschaffen. Es mag in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß bereits im 16. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher, bis in das späte 18. Jahr hundert in Mendling seitens Admont ein Wachtposten (Koßgrahenhäusl) eingerichtet war, der, von Stiftsknechten besetzt, den Paß von Mendling-Lassing zu bewachen hatte. Im bayrisch-österreichischen Erbfolgekrieg wurde ihre Zahl auf 140 Mann erhöht. So war die strategische Bedeutung dieses Passes immer wieder Anlaß und Ursache für Last und Beschwernis seiner Bevölkerung. Die Schaffung einer russischen Ortskommandantur brachte auch für den Ort Göstling große Schwierigkeiten, ganz besonders in der Be schaffung von Unterkünften. Es wurden hiefür neben zahlreichen Privatzimmern und ganzen Wohnungen das Haus Großbachleiten oder Fürstenhaus (ehem. Kinderheimgebäude, das erst 1944 ausgebaut und neu eingerichtet worden war) zur Gänze bis August 1947, ebenso das Forstmeisterhaus und anschließend das Kanzleigebäude der Forst verwaltung bis Jänner 1948 beschlagnahmt. Mitte Jänner 1948 rich teten die russischen Besatzungstruppen im Narzissenheim die Orts kommandantur ein und war dieses Gebäude samt Garten und der bachseitig gelegenen Wiese bis zum endgültigen Abzug der russischen Truppen aus Göstling (I.Oktober 1953) vollständig besetzt.

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